Reise Kenia / Tansania 2016

Bootsafari

Mehrfach hatten wir die Nacht Ausschau nach den Hyppos gehalten, aber leider keine gesehen.

Morgens erwartete uns Sonnenschein und wilde Affenbanden (genannt Blue Ball Monkeys – ja, Ihr denkt richtig, die Männchen prägen diesen Namen). Der Sonnenschein weckte in uns natürlich den Wunsch auf der schönen Terrasse zu frühstücken, leider wurde das vom Hotelpersonal abgelehnt, da die ausgeschlafenen Gesellen es einem wohl sehr schwer machen, einen Bissen in den eigenen Mund zu bekommen. Jana – wir wissen, wie schnell diese Lümmel sind! Also rein zum Frühstück und danach raus, die spielenden Affen in dem schönen Park beobachten.

Um 10 Uhr (Luxus!) ging´s los zur Bootsafari auf dem Lake Naivasha. Wie erholsam eine Safari ohne Rüttelstraßen und Staub doch ist. Vorbei ging es an Hippofamilien, am Ufer sahen wir Zebras, Gazellen und Giraffen. 350 verschiedene Vogelarten sollen am See leben, die häufigsten sind, glaube ich, die Kormorane. Ganze Baumgruppen werden von ihnen besiedelt. Reiher und Ibisse warten in den Wasserhyazinthen auf Beute und mächtige weiße Pelikane segelten an uns vorbei.

Ebenfalls in den Wasserhyazinthen sind die Fischer, die die Fische aus den Wasserpflanzen raustreiben und sie dann (wer hat) mit Netzen oder Plastiktüten fangen. Glücklich war unser Kapitän über das Geschenk eines Kormorans. Der Vogel hatte einen Fisch mit seinem spitzen Schnabel erlegt und wollte seine Beute runterwürgen. Nach einigen Anläufen musste er seine Beute leider liegen lassen, da der Fisch zu breit war, um durch seinen Schlund zu passen. Unsere Bootsmann sammelte den Fisch ein, befand ihn für gut und hatte sein Abendessen gesichert.

Die Halbinsel Crescent Island, ein privates Schutzgebiet für Wildtiere, das zu Fuß erkundet werden kann, haben wir nur vom Wasser aus betrachtet. Nochmals $ 30 pro Nase war zu viel des Guten. Vom Ufer konnten wir sehen, wie die Besucher zwischen Zebras, Büffeln und Giraffen umher spazierten, hatten wir aber einen Tag vorher schon im Hells Gate. Vom Ufer aus konnten wir sehen, warum Wasserböcke ihren Namen tragen. Neben den Fischern zogen sie ebenfalls durch die Wasserhyazinthen und fraßen gemütlich in einem Abstand von 3 Metern zu unserem Boot – ein tolles Panorama; der See mit dem grünen Pflanzenufer, die Wasserböcke neben den Wasservögeln, dahinter Gruppen von Zebras und Büffeln, dahinter die Silhouette des Mount Longonot. Auf Crescent Island leben keine Raubtiere, sodass uns bei der Betrachtung der Begriff Paradies in den Sinn kam. Alles wirkte so friedlich, wenn der Bootsmotor ausgeschaltet war, gab es keinerlei Zivilisationsgeräusche, nur die Laute der vielen Vögel und ab und zu ein Büffelgebrüll. Ich hätte stundenlang weiter fahren können, aber die senkrecht stehende Sonne trieb uns nach 2,5 Stunden ans Ufer zurück, wollte wir nicht wie die Lobstet vom Wasser kommen. Stattliche Fischadler zogen noch eine schöne Formation für uns und dann war auch dieses schöne Erlebnis leider vorbei.

Unsere Rückfahrt verlief problemlos und relativ flott. An der Kreuzung, die zur Massai Mara führt haben wir in einem einfachen afrikanischen Restaurant gegessen – sehr lecker und immer noch kein Durchfall!!!

Am oberen Rand des Rift Valleys genossen wir noch einmal die spektakuläre Aussicht, wir wanderten durch eine Teeplantage und schon waren wir in den wuseligen Außenbezirken Nairobis angelangt.

Bei Severine erwartete uns ein Aperitif und ein gutes Abendessen und nachdem ich zwei Tage Bericht nachgearbeitet habe, fiel auch ich erschöpft aber glücklich ins Bett.

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

So süß und so traurig

Heute haben wir es geschafft. Trotz Megastau durch Nairobi waren wir pünktlich im Elefantenwaisenhaus, der David Sheldrick Stiftung. Diese Stiftung hat sich nach der ersten erfolgreichen Flaschenaufzucht eines Elefanten durch Daphne Sheldrick, zur Aufgabe gemacht, verwaiste Elefanten und Nashornbabys aufzuziehen und auszuwildern.

Eine Stunde ist das Gelände für Besucher geöffnet und die Elefanten werden vorgestellt. Die erste Gruppe bestand aus 14 Elefanten, die in zweier Gruppen in ein Gehege liefen, wo sie von überdimensionalen Babyflaschen erwartet wurden. Alle drei Stunden werden sie mit Kuhmilch gefüttert, pro Elefant ca. 25 Liter am Tag – Gott sei Dank trinken sie schneller als unsere Menschenkinder! Der jüngste dieser Gruppe war 9 Monate alt, der älteste 2 Jahre. Vier weitere Zwerge wurden dem Publikum nicht vorgeführt, da sie erst seit Kurzem im Waisenhaus sind und ihre schrecklichen Erlebnisse noch in Ruhe verarbeiten müssen. Nach und nach kamen alle 14 Waisenkinder zu ihren Pflegern und holten sich ihre Milchration. Danach wurden die Besucher begrüßt und jeder konnte mal fühlen wie hart und ledrig sich schon zarte Babyelefantenhaut anfühlt. Wer sich so gerne im Matsch suhlt und mit Sand beschmeißt wie diese kleinen Lauser, kann kein Penatengefühl erwarten. Während wir die niedlichen Dickhäuter beim Spielen und Raufen beobachteten, wurde über die Arbeit der Stiftung berichtet und die Geschichte der einzelnen Tiere erzählt. Ihre Mütter wurden zum großen Teil Opfer von Wilderern, aber auch Unfälle und Konflikte mit Farmern führten zum Verwaisen der Kleinen, ebenso wie das Verhungern Ihrer Mütter in heftigen Trockenzeiten. Auch Unfälle an Wasserlöchern und Brunnen führen dazu, dass die Herde weiterzieht und das Baby zurückgelassen wird, wenn es nicht von den anderen Tieren der Herde befreit werden kann. Ein besonders tragischer Fall betraf ein damals 2 Wochen altes Baby, dessen Mutter von Farmern getötet wurde, da sie die Felder zerstörte. Das Baby wurde mit Steinen beworfen und hatte bereits 25, teils tiefe Wunden, bevor andere Dorfbewohner es in ein Klassenzimmer der Schule retten konnten und die Stiftung informierten, die den Elefanten dann abholten und in die Stiftung brachten. Im Alter von drei Jahren beginnt das Auswilderungsprogramm im Tsavo East Nationalpark, das mindestens 5 Jahre dauert. So lange braucht es, bis ein Elefantenwaise von einer fremden Gruppe akzeptiert und integriert wird. Die Betreuer begleiten die Elefanten während des gesamten Prozesses. Nach einer gelungenen Auswilderung sind die Elefanten so wild wie ihre in Freiheit aufgewachsenen Artgenossen, sie suchen nicht die Nähe der Menschen, nur ihre Pfleger werden sie nie vergessen.

So toll das Erlebnis mit den Kleinen war, mir wäre es lieber, solche Waisenhäuser wären unnötig und die Elefanten würden nicht mehr wegen ihres Elfenbeins gejagt. Da es aber leider noch lange dauern wird, bis sich das Verständnis der Menschen ändern wird, ist es gut, dass es Menschen gibt, die sich aufopfern für den Erhalt der bedrohten Arten. Bei uns wird es sicherlich eine Patenschaft für ein Nashorn- (konnten wir leider nicht sehen) und ein Elefantenbaby zu Weihnachten geben. Wer interessiert ist, diese tolle Arbeit zu unterstützen, findet weitere Informationen auf der Website: https://www.sheldrickwildlifetrust.org

Doch damit nicht genug für heute: 10 Minuten entfernt warteten die vom Aussterben bedrohten Rothschild Giraffen im Giraffen Center. Diese schöne Giraffenart lebte ursprünglich im Grenzgebiet von Kenia und Uganda, wurde aber aufgrund von Abholzungen ihres Lebensraumes beraubt. Nur noch 120 Exemplare leben in Kenia, ausschließlich in Schutzgebieten und werden in mehren Centern gezüchtet, um sie vor dem Aussterben zu bewahren. Es war toll, sich diesen majestätischen Tieren so weit nähern zu können. Wer kann schon behaupten, von einer Giraffe geküsst worden zu sein? Sie sind etwas stachelig, aber sehr sanft und haben eine antiseptische Zunge – was man so alles erfährt auf einer Reise…

Beide Stiftungen arbeiten eng mit den kenianischen Schulen zusammen und führen die heranwachsende Generation an Natur- und Umweltschutz heran. Nur wenn auch die Kenianer die Schönheit und den Reichtum ihrer Natur kennenlernen können, wächst das Bewusstsein für Umweltschutz und Erhaltung dieses Naturschatzes.

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Besuch aus Tansania und eine wichtige Unterschrift

Heute kam Fransisca mit Mann und Baby nach Nairobi und wir haben uns an der Deutschen Botschaft getroffen. Nach einer Prozedur von 1,5 Stunden haben wir endlich Franciscas Unterschrift für die GmbH Gründung beglaubigt bekommen. Der Anmeldung der Nature Responsible Safari GmbH sollte jetzt nichts mehr im Wege stehen und Ihr könnt demnächst alle eine Afrikareise bei mir in Berlin buchen. „Bitte empfehlen Sie uns weiter“!

Durch den stockenden Verkehr Nairobis ging es gemeinsam zu Severines Haus, wo der kleine Zayed gebührend bewundert wurde. Nora und Emma wollten ihn gar nicht mehr gehen lassen, genauso schwer fiel Franciscas Mann Said der Abschied von Basti, das Problem hatten wir schon im März, als wir befürchteten, dass Basti in Saids Koffer landet. Wie schön, dass sich die verschiedenen Welten so gut verstehen – so könnte es immer und überall sein!

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Reisemesse und Massai Markt

Kurz nach 09:00 sind Severine, Flo und ich in´s Sarit Center zu einer Reisemesse gefahren. Mehrere Hotels, Lodges, Safarianbieter und Naturschutzprojekte haben sich vorgestellt. Sehr praktisch, dass mein Mann als Prospektträger dabei war, ich war für die Visitenkarten zuständig, er für Broschüren und Prospekte. Besonders begeistert hat mich das Wildschutzgebiet Ol Pejeta, dem ehemaligem Besitz Adnan Kashoggis, das sich unter anderem dem Schutz und Erhalt von Nashörnern verpflichtet. In Ol Pejeta leben die letzten 3 Exemplare des nördlichen Breitmaulnashorns, die alle nicht mehr fortpflanzungsfähig sind. Die Reduzierung des natürlichen Lebensraums und der Bürgerkrieg im Kongo haben die letzten Bestände von ca. 40 Tieren getötet. Klonen dieser mächtigen Tiere funktioniert noch nicht, die derzeit einzige Hoffnung auf eine Weiterexistenz dieser Art ist das Einpflanzen befruchteter Eizellen in eine andere Nashornart.

Auf jeden Fall habe ich viele Reiseideen sammeln können – eine weitere Reise nach Kenia scheint unausweichlich, es gibt zu viel zu entdecken.

Mittags haben wir Nora und Emma von der deutschen Schule in Nairobi abgeholt, ein schöner familiärer Ort, der von seiner Internationalität geprägt wird. Der Parkplatz wirkte wie ein Ausstellungsgelände für Jeeps und SUVs, dazwischen Schulbusse und wuselnde Kinder, Eltern, Nannies und Fahrer. Die geringe Schülerzahl von ca. 200 Kindern,  verteilt auf Klasse 1 – 12, lässt viel Raum für persönlichen Kontakt zwischen Kindern, Eltern und Lehrern. Das große Gelände mit eigenem Swimmingpool und Spielplatz ist für deutsche Schulkinder ein Traum – leider ein sehr teurer!

Basti ist den Vormittag zu Hause geblieben – er wollte in den Ferien nichts von Schule wissen – und hat Mickael bei der Pizza geholfen. Gelungene Kooperation – es war sehr lecker und wurde im Garten verspeist. Für den Nachmittag stand der Massai Markt auf dem Programm, schliesslich brauchten wir Souvenirs für unsere Lieben daheim. Was für ein Gewimmel! Jeder versucht seine Waren an Mann oder Frau zu bringen und wir Muzungus – Weiße sind natürlich bevorzugt.

Aufkommende Regenwolken und ein leichter Schauer beschleunigten das Verhandeln mancherorts, andere waren zäh – wir aber auch! Als wir eine Decke als Geschenk für Severine kaufen wollten (Massai Stoff mit warmem Fleece von der anderen Seite) haben wir Tränen gelacht.Wir hatten am Stand schon einen Preis von 6.500 kenianischen Schillingen bekommen und wollten in langwierige Verhandlungen eintreten, als Severine auf der Bühne erschien. Sie fragte die bildhübsche Verkäuferin nach ihrem ersten Preisangebot, die 6.500 wurden wiederholt und Beide brachen in schallendes Gelächter aus. Es ging lustig hin und her, bis ich (den aufkommenden Regen im Blick) sagte, dass ich die Decke als Geschenk kaufen würde, bereit wäre 2.500 dafür zu zahlen und ansonsten gehen würde. Der Chef der hübschen Dame war einverstanden und Severine verschwand mit der Decke, während uns noch eine komplizierte Geldübergabe bevorstand. Der Chef wollte plötzlich deutsches Geld als Souvenir. Wir hatten aber nur einen 5 Euro Schein, den er auch gerne haben wollte, die Idee, das wir den Schein (entspricht ca. 5000 Schilling) vom Kaufpreis abziehen wollten, fand er gar nicht lustig. Wieder ging es hin und her und es schien, als wollte er den Handel rückgängig machen, ging aber nicht, die Decke war ja schon weg.

Abendessen gab es im City Market, einem Einkaufszentrum mit Foodcourt, so war für jeden Geschmack etwas zu finden und wir mussten nicht mit 4 Kindern diskutieren. Der Foodcourt ist ein beliebter Treffpunkt der „Expats“, der Ausländer die in Nairobi leben, und wir waren bald eine nette Runde, die noch auf ein Bierchen blieb, bevor es zurück ging, wir unsere Taschen packten, mit Severine noch ein Abschiedsgläschen tranken und in´s Bett gingen –  Flos und Bastis Flug geht am nächsten Morgen um 5:00 Uhr, Abfahrt um 02:30 Uhr!

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Abschied, Business und ein Grenzübergang

thumb_img_7880_1024Nach einem gemütlichen Frühstück im Garten war auch für mich der Zeitpunkt des traurigen Abschieds gekommen – und ich hasse Abschiede!

Ich fuhr mit unserem „Naivasha – Fahrer“ Andrew ans andere Ende der Stadt, ins schicke Boma Hotel, einem 5Sterne Hotel im Besitz des Roten Kreuzes – die Gewinne werden für soziale Projekte abgeführt. Unterwegs stieg noch Andrews Chef John ein, mit ihm wollten Fransisca und ich über eine mögliche Zusammenarbeit sprechen. Unser Meeting verlief äußerst positiv, die Chemie zwischen uns stimmte und die Geschäftsphilosophien scheinen zusammen zu passen. Schauen wir, was die Zukunft bringt…

Um kurz vor eins brachen wir in Richtung Arusha auf, Fransisca und Said mit dem kleinen Baby Zayed und Raifa, der 9jährige Tochter, die vom Internat in Nairobi abgeholt wurde und sich jetzt auf ihre 2 monatigen Ferien freut.

Der Wettergott hat leider nicht richtig mitgespielt. Gestern wo wir eigentlich in ein schönes Gartenrestaurant wollten war es kühl und regnerisch – heute brachte die Sonne die Temperaturen auf 30 Grad. Eigentlich kein Problem, aber:

Ein kenianisches Baby darf nicht der Klimaanlage ausgesetzt werden, ok. Es darf aber auch nicht zu viel Wind abbekommen und keinen Staub einatmen – deshalb blieb die Klimaanlage aus und die Fenster meistens zu. Die ersten 40 Kilometer dauerten 90 Minuten, danach ging es etwas besser. Gegen 16.00 Uhr gab es kurz vor der tansanischen Grenze einen schnellen Lunch im Paradise Garden – ok der Name war nicht Programm aber das Hähnchen mit Reis war gut – immer noch kein Durchfall!

An der Grenze war nicht viel los, man fährt erst rechts rum, um aus Kenia auszureisen. Dann geht es wieder zurück und links rum, um die Einreiseformalitäten in Tansania zu erledigen. USD 50,- für das tansanische Visum, Foto und Fingerabdrücke hinterlassen und weiter ging die Reise. Die Straße war zwischenzeitlich so gut, dass ich meinen persönlichen afrikanischen Geschwindigkeitsrekord mit 120 kmh erreichte. Einige Gazellen, die obligatorischen Ziegen und Kühe am Straßenrand ,der Kilimanjaro tauchte am Horizont wieder auf, die Sonne ging unter, Afrika pur! Arusha erreichten wir gegen 18:30 Uhr bei 28 Grad, es war staubig, die Fenster blieben zu. Diverse Dinge mussten unterwegs noch geholt werden, der Samstag Abend Verkehr war ein Traum und ziemlich erledigt erreichten wir Fransiscas Haus um 20:00 Uhr.

Da saßen wir dann erstmal in dem plüschigen Wohnzimmer, viel Gardine, viel Rüschen, 3 Sofas, ein großer Fernseher, kein Tisch. Es passierte nichts. Ich fragte nach Internet, damit ich meine Jungs ma anrufen könnte, um zu hören ob sie gut angekommen sind, „muss eingeschaltet werden!“, es passierte nichts, meine Taschen wurden vom Hausboy hochgetragen, weiter passierte nichts. Um 21:00 Uhr wurde mein Zimmer (eigentlich das Schlafzimmer der Mädchen) und die Dusche „freigegeben“. Internet lief dann um 21:45, zu Hause ist alles ok. Basti hatte auf seinem Flug noch ein besonderes Erlebnis: der Flug von Istanbul nach Berlin war überbucht und er bekam ein Upgrade in die Business Klasse (Turkish Airlines dachte wohl, das ist billiger, als wenn Flo ein Upgrade bekommt), der Schlafmangel und der vorherige Abschied von mir, war aber wohl zu viel und er weinte, sodass nach längerem hin und her auch Flo auch nach vorne durfte und die Männer in Reihe 1 nach Hause fliegen konnten – gut gemacht Basti!

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

My big, fat african family

Ein großer Unterschied zwischen uns sonnenhungrigen Deutschen und den Afrikanern ist folgender: während wir jede Möglichkeit nutzen im Freien zu sein, bleiben die Afrikaner wann immer möglich im Haus – wenn es denn groß und gemütlich ist. Frühstück gab es also in der Küche. Gegen 9:00 Uhr brachen Said, Hussein der Hausboy und ich zum Wocheneinkauf auf den Markt auf, wieder mal ein Erlebnis für die Sinne. Ein großes Wellblechdach auf einigen Stahlträgern, die Seiten mit diversen Folienresten „verkleidet“ (fliegen die schon mal nicht mehr in der Natur rum), fertig ist die Markthalle. Der vordere Teil des Marktes war Obst, Gemüse und Kräutern vorbehalten. Ein schönes Bild, die Marktfrauen in ihren bunten Kleidern, darüber ein bis zwei ebenfalls bunte Tücher als Schürze, die man wahlweise zum Polieren von Obst oder zum Nassputzen nutzen kann. Die Waren schön auf hohen Verkaufsständen angerichtet. Bei der Händlerin des Vertrauens wurde die Einkaufsliste samt Einkaufskorb abgegeben und weiter ging der Weg durch die engen Gänge. Der Bereich des Fischmarktes war überraschend angenehm, da der Fisch in den einzelnen butzenähnlichen Läden in Eisschränken lagerte. Etwas schwieriger war da schon die Fleischabteilung. Auch hier wurde zielstrebig ein Verkaufsraum angesteuert. In dem Verschlag (mit immerhin gemauerten Wänden) hingen riesige Fleischbatzen, teils undefinierbar und mangels Kühlung (ein Hoch nochmals auf die Fischabteilung!) äußerst aromatisch, man hätte sämtliche Raubkatzen der Serengeti damit anlocken können. Unser Fleischstück, offensichtlich ein großer Teil eines Rinderbeines wurde mithilfe von Axt und Machete, auf einer alten Pappe als Unterlage, zerlegt – filetiert wird hier nix. Ich identifizierte noch diverse Innereien, die ohne Unterlage auf dem Fliesentresen zerlegt wurden, erfuhr von Said, dass der unförmige schwarzgraue Lappen am Haken wohl der Magen sei, nahm noch einige tiefe Nasenzüge und ging dann raus (in die Nähe vom Korianderverkäufer – roch besser). Ich dachte ein bisschen über Vegetarismus nach und zog dann mit meinen beiden Männern weiter. Zurück in der Gemüsewelt wurden für mich ein paar frische Mangos rausgesucht und dann ging´s wieder zur Verkäuferin des Vertrauens, die in der Zwischenzeit den Korb reichlich gefüllt hatte. Das ein oder andere wurde noch mal getauscht und ergänzt, dann ging es an die Rechnung. Im Gegensatz zu Severine hatte Said natürlich schon ein Einkaufslevel erreicht, bei dem Handeln nicht mehr nötig ist. Das allgegenwärtige Mobiltelefon wurde gezückt, um die Beträge zu addieren und der arme Hussein musste dreimal zum Auto laufen, um die Einkäufe zu verladen.

Weiter ging´s zur Wechselstube, über 300.000 tansanische Schillinge bekam ich für 150 USD, ein richtiger Batzen Geld, da fühlt man sich richtig reich. Der nächste Stopp war der Supermarkt und ich konnte das Sortiment sondieren. Fast alles Importware, Tansania hat laut Said keine Verpackungsindustrie, Lebensmittel werden exportiert und als Konserven wieder importiert, da ist noch ein langer Weg zu einer gut funktionierenden Marktwirtschaft. Nächste Station war Saids Elternhaus, seine Mama, die ich schon vom letzten Besuch kannte, umarmte mich herzlich, Papa hieß mich in seiner Familie willkommen, Schwester und Kinder begrüßten mich. So unverhofft ich ankam, so schnell war ich wieder draußen und wir fuhren zu siebt zurück nach „Hause“. Die Familie hatte viel Spaß daran mich Muzungu zwischen den Afrikanern eingeklemmt zu sehen – Hussein und ich wurden richtig enge Freunde.

Zu Hause packten alle mit an und belagerten den kleinen Garten und die Küche, weitere Freunde und Familienmitglieder kamen und gingen und die Suaheli Gespräche überforderten mich ziemlich.

Hussein baute für den Muzungu einen Gartenstuhl zusammen und ich saß dann in dem bunten Treiben und habe meine Berichte für Euch geschrieben. Fransiscas sechsjährige Tochter Raifa hat mich allerdings ziemlich in Beschlag genommen und auch Raidah, die neunjährige fand es lustiger ihre Buchstabenrätsel mit mir zu machen. Neben mir wurde das Gemüse gründlichst in großen Bottichen gewaschen, daneben die Wäsche eingeweicht, Wasch- und Spülmaschine gibt es nicht. Dafür aber neben Hussein noch ein Mädchen namens Esther. Beide, Hussein und Esther leben mit im Haus und werden wie Familienmitglieder behandelt. Im Gegensatz zu Kenia, wo Englisch 2. Amtssprache ist, können viele Tansanier, die nur die Grundschule bis Klasse 8 besucht haben, kein Englisch. Esther und Hussein bekommen jetzt Englischunterricht finanziert, Hussein konnte zusätzlich noch den Führerschein machen.

Gegen 16 Uhr hatte die Großfamilie das Essen fertig. Pilaw (ein Reisgericht mit Brühe und Fleisch) Kochbananen, Kohl-Karottensalat (gab´s gefühlt jeden Tag), Spinat (gab´s gefühlt jeden 2. Tag) und Avocado. Das Fleisch in dem Pilaw war leider genauso undefinierbar wie im „Laden“, da die Stücke aber groß waren, konnte man sie leicht aussortieren. Jeder bedient sich selbst in den Töpfen und setzt sich irgendwo hin, Küchentisch oder Sofa, gegessen wird einhändig mit Löffel oder Fingern – praktisch, hat man noch eine Hand frei fürs Handy. Lustige Kultur, unsere Kinder würden es lieben, genauso wie die Tatsache, dass die Schuhe beim Betreten des Hauses beim letzten Schritt einfach fallengelassen werden, wie bei unseren Kindern natürlich direkt im Eingang.

Nach dem Essen waren wir noch kurz bei Fransiscas Schwester und dann entzog ich mich dem Trubel, mittlerweile hatte die Besetzung auf dem Sofa auch wieder gewechselt, und legte mich auf die Hängematte zwischen zwei Palmen. Die Kinder wuselten um mich herum und ich döste vor mich hin. Um 18:30 Uhr, es war bereits dunkel, verschwand auch der letzte Gast, meine beiden Mädchen hatten keine Spielkameraden mehr und ich hatte wieder Kinderstunde. Alle Fotos auf meinem Laptop wurden angeschaut, gab es doch so komische Sachen zu sehen, Schneemänner, Weihnachtsbäume, Festival of Lights in Berlin, verschneite Landschaften…

Gegen 22 Uhr habe ich dann meinen Dienst dran gegeben, liege auf dem Bett, schreibe Euch und mache jetzt das Licht aus.

Tutaonana – bis bald

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Kein Pferd, Partnersuche und mein erstes Nyama Choma

Sehr gerne hätte ich einen Reitausflug im Arusha Nationalpark unternommen, aber es war leider kein Kontakt zu dem scheinbar einzigen Anbieter herzustellen. Nun mache ich halt morgen eine „richtige“ Safari mit Jeep und hoffe, dass sich das mit dem Reiten noch ergibt. Es muss ein tolles Gefühl sein, diese einzigartige Natur vom Pferderücken zu betrachten, vorausgesetzt, dass es wirklich keine Raubkatzen im Arusha NP gibt.

Bei der Suche nach Partnern für die angrenzenden Länder bin ich heute ein Stückchen weitergekommen und die Gespräche mit Fransisca über unsere weitere Planung waren ebenfalls harmonisch und erfolgversprechend. Es gibt viel zu tun in der nächsten Zeit!

Da der kleine Zayed seine Mama auch noch sehr beansprucht, habe ich mir nachmittags noch ein kleines Nickerchen im Garten gegönnt. Herrlich im Schatten, mit einer leichten Brise (muss ich Samstag wirklich in den grauen, deutschen November?).

Abends war Nyama Choma geplant, ein Barbecue auf tansanisch im angesagtesten Grill der Stadt.

Über Buckelpisten aus unserem Vorort, rein in den Trubel des abendlichen Arusha – dieses Gewimmel auf den Straßen macht einen echt konfus, zumal abends die Radfahrer ohne Licht scheinbar aus dem Nichts vor dem Auto erscheinen. Das Restaurant war nicht zu übersehen, da die Grills direkt an der Straße standen, daneben ein Salat- und Soßenbuffet an dem man sich bedienen konnte. Gegrillt wurde Rinderspieß, Lamm und Hähnchen (indisch angehaucht). Alles sehr lecker und vor Allem reichlich. Den Besuch beim Fleischer gestern habe ich dabei fast vergessen.

Jetzt liege ich mit dickem Bauch im Bett und hoffe, dass die Nacht etwas kühler wird (ha, dass könnt Ihr Euch gar nicht vorstellen!)

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Auf den Spuren von Margarete Trappe und Hardy Krüger


Um 08:30 Uhr ging´s los. Fransiscas Bruder Gustaph, der als Safariguide arbeitet, hat mich zur Safari im Arusha Nationalpark abgeholt. Da Raidah, die mittlere Tochter meiner Gastgeber schon Ferien hat, habe ich sie kurzentschlossen mitgenommen. In dem riesigen nagelneuen Jeep war ja noch reichlich Platz. Über die Jeeps bekam ich schon einige Tage vorher von dem Schwager die Info, dass es gar nicht möglich ist, diese Fahrzeuge neu zu erwerben, da sie gar nicht offiziell gebaut werden. Wie geht das also? Es wird ein neuer PickUp gekauft, bei 80 % Einfuhrsteuer auf Autos schon mal kein billiges Vergnügen. Dann gibt es von Toyota lizensierte „Autoschrauber“, die aus dem PickUp

einen verlängerten Safarijeep mit aufstellbarem Dach bauen, der dann noch neu lackiert werden muss. Da versteht man schon ein bisschen, wie die teuren Safaripreise zustande kommen.

Wenn wir gerade mal bei den Preisen sind, der Eintritt für die Parks liegt sowohl in Kenia als auch in Tansania zwischen 30 und 90 USD pro Person und Tag. Mit USD 45 lagen wir da heute im guten Mittelfeld, meine kleine Begleitung hat übrigens nur 50 Cent als einheimisches Kind gezahlt.

Der Arusha Nationalpark umgibt den Mount Meru, mit 4562 Metern der dritthöchste Berg Tansanias und der kleine Bruder des ca 65 km entfernten Kilimanjaro (5895 m). Landschaftlich sehr abwechslungsreich findet man Bergwälder, Buschland, Seen und Steppen. Da es außer Leoparden und Hyänen keine Raubtiere gibt, darf man im Park auch begleitete Wanderungen unternehmen, z.B. auf den Gipfel des Mount Meru. Wenn man bereits den Ngorongoro Krater und die Serengeti mit den unglaublichen Tierbeständen besucht hat, wird man vielleicht etwas enttäuscht sein. Ich würde aber sagen, es ist der Park der kleinen Dinge, wunderschöne, große Schmetterlinge, bunte Vögel, in den Bäumen versteckte schwarz/weiße Colobus Affen, Diademmeerkatzen, Paviane, Mangusten in wunderschöner Landschaft. Dazwischen auch mal eine Giraffenherde (auf englisch Tower genannt), Buschbock, Wasserbock, Büffel und meine geliebten Warzenschweine. Unsere Lunchbox aßen wir mit Blick auf den kleinen Momella See, hörten den Vögeln zu, ab und an mischte sich ein Nilpferdgebrüll dazwischen, der Blick schweifte über den See und die hügelige Landschaft.

Kein Wunder, dass zwei berühmte Deutsche sich hier in dieser friedlichen Landschaft niederließen. Die erste war die Großwildjägerin Margarete Trappe, die 1906 mit ihrem Mann per Ochsenkarren von der Küste des Indischen Ozeans an den Fuß des Mount Meru reiste und dort eine Rinderfarm betrieb. Die „Mutter der Massai“ genannte Frau verstarb hier im Jahre 1957 nach einem sehr bewegten Leben. 1961 verpachtete ihr Sohn Rolf die  Farm an Paramount Pictures, die hier den legendären Film Hatari, mit John Wayne und Hardy Krüger drehte. (Da Ihr den Film sicher alle kennt, wisst Ihr jetzt wie es hier aussieht, bzw. vor über 50 Jahren hier aussah) Hardy Krüger verliebte sich in den Ort und erwarb gemeinsam mit Jim Mallory einen Teil der Farm, verkaufte aber Anfang der 70er wieder, der Traum von Afrika scheiterte an der schlechten wirtschaftlichen Lage und dem zunehmendem Sozialismus im Land. Heute wird hier die Hatarie Lodge betrieben, übrigens auch von einem Deutschen.

Der große Momella See zeigte sich heute in Pink. Die Sonne kam hinter den Wolken hervor und ließ tausende von Flamingos leuchten – was für ein herrliches Bild. Ich gebe zu, dass ich diesen Planktonfressern im Zoo nie große Beachtung geschenkt habe, aber die durch die Masse bewegten Bilder sind faszinierend.

Was für ein schöner Abschluss der heutigen Safari.

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Kleine Landeskunde

Ich wohne hier bei meinen afrikanischen Freunden in einem Außenbezirk von Arusha. Wohngebiete werden hier nicht „entwickelt“, wie in Deutschland, sondern sie entwickeln sich von selbst. Grundstücke werden gekauft (bzw. für 99 Jahre gepachtet), Häuser und Läden werden gebaut, aber um die Straßen kümmert sich niemand. So werden aus Trampelpfaden staubige und rumplige Fahrtwege – mit meinem FIAT 500 käme ich hier keine Hundert Meter weit. Wenn man Glück mit seinen Nachbarn hat, gibt es gemeinsame Aktivitäten zum Erhalt der Fahrtwege, der Regenkanäle und im Kampf gegen den Müll, wobei ich finde, dass das Müllproblem in Kenia größer war als hier. Meine Freunde z.B. haben einen Vertrag mit der Müllabfuhr, die einmal wöchentlich alles abholt – an Mülltrennung hat hier allerdings noch niemand gedacht. Wasser gibt es aus dem eigenen Brunnen, bzw. wird für das Trinkwasser im Haus geliefert, das Abwasser versickert irgendwo im Boden.

In „unserem Dorf“ gibt es viele kleine Hütten und einige richtige Häuser, die abgeriegelt werden wir Fort Knox: 2,5 m hohe Mauern, große Eisentore mit schweren Schlössern und alles dekorativ mit Natodraht ummantelt. Ist niemand zu Hause werden die Hunde rausgelassen, leider ist fast immer jemand da und die armen Viecher sind einzeln in ihren Verschlägen eingesperrt. (Heute wurden sie mal 10 Minuten rausgelassen, damit ich sie sehen konnte – traurig) Außer dem Grundstück sehen sie in der Regel nichts. Es ist wie eine Zeitreise und erinnert mich an die Hof- und Kettenhunde die in Deutschland vor einiger Zeit noch ihren Dienst am Menschen ableisten mussten. Es sind keine Haus- oder Kuscheltiere und werden nur aus einem einzigen Grund gehalten – Schutz! Die Alternative wäre ein Wächter, der das Tor nachts bewacht, Erfahrungen zeigen aber, dass gerade die Wächter wertvolle Informationen an potentielle Einbrecher weitergeben.

Wer auch keinen Ausgang hat, sind die Kinder der Mittelschicht. Zu groß ist die Angst, dass die Kinder entführt, oder vergewaltigt werden. Vor allem zweites ist wohl ein großes Problem, vor allem in der direkten Nachbarschaft und der nahen Verwandtschaft und das obwohl die Strafen bei nachgewiesener Vergewaltigung mit 30 Jahren extrem hoch sind. So werden die Kinder zur Schule gefahren und abgeholt, einfach mal zu Freunden rübergehen geht nicht. Die Schulpflicht wird recht gut umgesetzt und bis zur 8. Klasse ist die Schule kostenlos, Arbeitsmaterial, Schuluniform und teilweise die Bücher müssen aber bezahlt werden. Da die Qualität des Unterrichts teilweise zu wünschen übrig lässt, sind viele Kinder der besser gestellten Tansanier in Privatschulen oder Internaten, bei meiner Familie sind die Kinder in der Nähe von Nairobi in einer internationalen Schule. Die kleine Raifah geht mit ihren 6 Jahren ab Februar ins Internat, immerhin hat sie dort eine ihrer Schwestern. Das „Landleben“ braucht ein bisschen Eingewöhnung, aber heute war die erste Nacht, in der ich nicht vom Hundegebell, den Hühnern oder dem Weckruf der Moschee aufgewacht bin.

Souvenirs standen heute noch mal auf meinem heutigen Programm. Der Massai Markt in Arusha ist eine feste Einrichtung mit überdachten kleinen Verkaufsständen. Es ist weitaus übersichtlicher und bei Weitem nicht so hektisch wie in Nairobi. Draußen sitzen die Frauen und fädeln mit einer Engelsgeduld die Perlen auf, ein schönes buntes Bild, wie sie handarbeitend vor ihren Waren sitzen. Mit dem kleinen Zayed auf dem Arm, war ich ein bisschen vor den Händlern geschützt, die sich nicht sofort auf mich „muzungu“ stürzten. Auch Fransisca hat bereits die Händler ihres Vertrauens gefunden, so dass die Preisverhandlungen auf ein Minimum beschränkt blieben. Ich weiß noch gar nicht, wie ich alles nach Hause kriege, zumal ich noch die ganzen Prospekte aus Kenia mitschleppe.

Wir waren noch schnell bei der Kinderärztin mit unserem kleinen Engel, haben noch eine Lodge besichtigt und uns dann auf das Mittagessen gefreut, dass die liebe Esther schon vorbereitet hat. Ich weiß gar nicht, wie ich meinen Alltag wieder meistern soll, nachdem ich hier nichts, aber wirklich nichts tun darf. Man kann sich da schon dran gewöhnen: „ich hätte gerne etwas frisches Obst, jetzt einen Kaffee…“ und alles erscheint wie auf wunderbare Weise und verschwindet auf dem selben Wege auch wieder. Womit ich nicht auf Dauer leben könnte ist das dunkle Haus. Mit all den Gardinen und Vorhängen kann man nirgends nach draußen sehen, wenn ich alleine frühstücke (Fransisca schläft länger, wegen der unruhigen Nächte und Esther ist beim Englisch) klemme ich heimlich die Vorhänge in die Fenstergitter, damit ich etwas Wind und Licht bekomme.

Heute Abend geht es zum indischen Lieblingsrestaurant meiner Gastgeber (Bericht folgt). Ich werde hier so verwöhnt und zum Essen genötigt, dass ich wohl als Kugel zurück komme und bis Weihnachten darben muss, um wieder n meine Klamotten reinzupassen.

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk

Urlaub auf dem Bauernhof

6:00 Uhr klingelte der Wecker, um 07:00 Uhr wurde ich von Heriel, unserem Safariguide von Februar abgeholt. Es hat doch noch geklappt mit dem Reiten, allerdings 80 km entfernt. Katzensprung würde man denken, aber die Hauptstraße zwischen Arusha und Dar es Salam ist ja zu großen Teilen eine Baustelle. Man muss sich das in etwa so vorstellen, dass die A 9 von Berlin nach München eine Buckelpiste ist, einspurig in jeder Richtung, die sich LKW, Busse, Matatus (Kleinbusse, die alle Nase lang anhalten), PKWs, Moped- und Fahrradfahrer, Esel- und Handkarren teilen. Dazwischen Tiere und Menschen, die die Straßenseite wechseln wollen. Dieses ganze Chaos versinkt dann noch im Staubnebel. Also 2 Stunden für 80 km, aber egal, wir kämpften uns durch. Je mehr Kilometer wir zurücklegten, umso besser wurde die Straße und floss somit der Verkehr. Kurz hinter dem Flughafen Kilimanjaro zeigte auch der gleichnamige Berg seine schneebedeckte Spitze, verschwand aber dann den Rest des Tages leider in Wolken. Das Foto mit Afrikas höchstem Berg zwischen den Pferdeohren blieb mir also leider verwehrt.

Die Makoa Farm steht unter deutscher Leitung und verbindet eine stationäre und mobile Tierarztpraxis, eine „Pension“ für verletzte Wildtiere und erholungsuchende Menschen und einen Reiterhof. Es werden Reitausflüge auf dem Farmgelände angeboten und mehrtägige „Glamping“ Reitsafaris. Hierbei entdeckt man die Wildnis rund um den Kilimanjaro oder im Arusha Nationalpark vom Pferderücken aus und nähert sich den wilden Tieren bis auf wenige Meter. Übernachtet wird in bequemen Zelten mit richtigen Betten und angeschlossener Dusche und WC. Während die Reiter tagsüber die Natur erkunden, zieht das Zeltcamp, inklusive Küche und Betten zum nächsten Etappenziel um. Selbstverständlich wird frisch gekocht und die Reiter nach den anstrengen Ritten kulinarisch verwöhnt. Ein sicherlich überwältigendes  und unvergessliches, aber leider sehr, sehr teures Erlebnis.

Für mich stand heute ein 2 1/2 Stunden Ritt auf dem Farmgelände auf dem Programm. Tonino, mein Träger für heute, war gut ausgebildet, sehr trittsicher und entspannt. Es war traumhaft durch die schöne Landschaft zu reiten, hier mal ne Affenbande, da mal eine Gruppe mit Perlhühnern, vorbei an einer Kaffeeplantage (die vom derzeitigen Pächter allerdings sträflich vernachlässigt wird, es sah aus, als werden die Sträucher samt Bohnen gleich vor Ort geröstet), Jacaranda- und Mangobäumen. Ab und an mal ein leichter Trab oder Galopp – wäre jetzt noch der Kilimanjaro in seiner ganzen Pracht zu sehen gewesen… Ha, nächstes mal, ich muss noch mal wiederkommen!

Wir hatten Trinkwasser für uns dabei, aber nicht für die Pferde. Also ging es durch den Wald runter zum Fluß wo dann das Schicksal seinen Lauf nahm: Mein Tonino wollte nicht nur trinken, sondern trat auch kräftig mit dem Vorderhuf ins Wasser, was ihm und mir bis zu den Knien eine schöne Abkühlung verschaffte. Ich machte von oben ein Foto von ihm, wie er so rumplanschte und Conny, Volontärin auf dem Hof und meine sehr nette Reitbegleitung (neben den zwei Angestellten vom Hof), bot sich an ein Foto von mir mit meiner kleinen Kompaktkamera zu machen. Sie sagte dann den verhängnisvollen Satz: „Die darf mir jetzt nur nicht ins Wasser fallen“. Getreu nach Murphy´s Law, fing dann auch ihr Pferd an zu plantschen, ich sagte sie müsse aufpassen, dass er nicht in die Zügel tritt und sich verletzt und zack, ging meine Kamera unter. Einer unseren männlichen Begleiter sprang sofort ins Wasser um zu suchen, die Pferde plantschten und die Kamera war nicht mehr sichtbar. Wir schafften es, unsere Wasserratten aus der Gefahrenzone zu bringen, unser 2. Begleiter zog seine Schuhe aus und krempelte die Hosen hoch und fischte auch im Trüben, aber erfolgreich! Nur, ob sie noch zu Gebrauchen ist und die Fotos  auf der SD Karte lesbar sind, weiß ich noch nicht. Derzeit ist sie auseinandergebaut und trocknet . Immerhin hatte Conny auch noch ein paar Fotos gemacht und ist gut versichert! Auf dem Hof wartete ja auch noch meine große Canon auf mich…

Die ersten Fotos wurden aber wieder von Conny gemacht, da wir direkt nach dem Absteigen mit kühlem Hibiscusblütensaft empfangen wurden. Wie herrlich der an einem heißen Mittag schmeckt wußte auch die grüne Meerkatze, die auf dem Hof aufgezogen wurde. Rauf auf unsere Schultern und Kopf in unseren Becher, geteilter Saft ist halber Saft!

Ein köstlicher Lunch auf der Terrasse, mit Blick auf den Kilimanjaro (wenn er denn endlich zu sehen gewesen wäre). Es gab Fischsuppe, Quiche, Kartoffelgratin, Salat und selbstgebackenes Brot, als Nachtisch Pfannkuchen gefüllt mit Schokolade und Vanilleeis – bin ich wirklich in Afrika?

Zu unserer Verteidigung kamen die Hunde mit auf die Terrasse, um die kleinen Affendiebe zu verscheuchen, nochmal teilen wollten wir nicht. Claudia (managt Hof und Tierarztpraxis, wenn die Inhaber verreist sind), erzählte uns viel über den Hof, die Safaris und Ihre Organisation, die sich für Tierschutz, Naturschutz und die Förderung von Kindern aus der Umgebung einsetzt. Tolles Projekt, ich werde weiter darüber berichten.

Anschließend konnte ich die Gästezimmer besichtigen, kleine Cottages mit zwei und eines mit vier Betten, eingerichtet im afrikanischen Stil und teils schönen Wandzeichnungen einer früheren Volontärin. Insgesamt gibt es 12 Betten (kann zur Not für eine größere Gruppe aufgestockt werden) , sodass eine familiäre Atmosphäre gewährleistet werden kann. Ein Highlight auf der Farm sind auch die Wildtiere, die hier ein teils befristetes zuhause gefunden haben und teilweise sehr zutraulich sind. Man kann hier mit Affen auf der Schulter spazieren gehen und sich fühlen wir Pipi Langstrumpf mit ihrem Herrn Karlsson. Oder wer hat schonmal eine Manguste, ein Dikdik oder ein Warzenschwein gestreichelt, oder einem Pavian die Füße gekitzelt – alles ist möglich. Das Natur auch grausam ist zeigen die Futtertiere (Mäuse und Kaninchen), die hier für die Adler, die Eule und den armen dreibeinigen Serval (eine mittelgroße Wildkatze) gezüchtet werden. Immerhin haben sie bis zu ihrer Zweckerfüllung ein angenehmes Leben auf dem Hof.

Abends zu Hause angekommen, machte sich die ungewohnte körperliche Betätigung schon etwas bemerkbar (leichter John Wayne Gang) und ich hoffe, dass der Trekkingsattel, mit Schafspelz gepolstert, meine Sitzfläche etwas geschont hat. Nicht dass morgen eine Turkish Airlines Maschine nicht starten kann, weil ein Passagier sich weigert sich zu setzen!

Kategorie: Reise Kenia / Tansania 2016 | von: Martina Volk
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