arusha

29.08.20 – Tarangire – Arusha

Ein letzter Buschwalk stand um sieben Uhr für mich auf dem Programm, auf dem ich von einem Nomad Guide, einem Ranger – beide bewaffnet und unserem Guide John bewacht wurde. Fransisca, Bonna und sogar Said hatten aufgrund der TseTse Fliegen darauf verzichtet. TseTse sind mir kaum begegnet, aber die „normalen“ Fliegen haben extrem genervt. Trotzdem war es eine schöne Wanderung, die uns anfangs am Tarangire Fluss entlang führte. In der Nacht schon hatten wir die Impalas im Camp bemerkt, die sich auch jetzt noch vor den Zelten tummelten. Said und Fransisca hatten auch Büffel durchziehen sehen – die habe ich wohl verschlafen.


Noch auf dem Campgelände sahen wir eine einsame Hyäne und die Paviane kamen von dem großen Baum, auf dem sie die Nacht verbracht hatten. Als mittlerweile ja bestens ausgebildeter „Poopexperte“ kann ich sagen, dass es unter einem Übernachtungsbaum der Paviane ganz schön stinkt.
Der Tarangire Fluss führt derzeit nur sehr wenig Wasser und es ist unvorstellbar, dass das gesamte Flussbett in der Regenzeit gefüllt sein soll. Wir sahen unterwegs Giraffen, Impalas, Wasserböcke, Warzenschweine und viele Zebras. Plötzlich sahen wir einen Elefanten im Flussbett und schauten erstmal vorsichtig. Er lag im Matsch, bewegte sich nicht und schien uns bereits tot zu sein. Plötzlich bewegte sich der Kopf langsam und der Rüssel ging nach oben, er hatte wohl unsere Witterung aufgenommen. Der arme Kerl – ich würde mal sagen 5 bis 7 Jahre alt – war offensichtlich im Schlamm stecken geblieben und kam aus eigener Kraft nicht wieder heraus. Der Guide meinte, die Ranger würden ihm helfen und ich habe insistiert, dass diese bitte sofort informiert werden und nicht erst nach unserer Rückkehr ins Camp. Das Funkgerät wurde also eingeschaltet und die Information an die entsprechende Rangerstelle gegeben. In großem Abstand liefen wir um das Tier herum und konnten von der anderen Seite sehen, dass er schon Wunden davon getragen hat. Der Guide meinte, wir könnten ja noch näher gehen, um bessere Fotos zu kriegen. Was für ein doofer Vorschlag, der arme Kerl hat schon genug durchgemacht, da muss nicht noch eine Truppe Menschen zum Fotoshooting näher kommen. Ich hoffe sehr, dass eine Rettung erfolgt, oder auch der Gnadenschuss, wenn es denn sein muss. Ich bin auf jeden Fall froh, an dem Tag gewandert zu sein, sonst wäre der arme Kerl seinem Schicksal erlegen und hätte womöglich noch eine lange Leidensstrecke hinter sich bringen müssen. Sobald ich eine Info über sein Schicksal bekomme, werde ich berichten.


Je wärmer es wurde, umso mehr Fliegen sammelten sich um uns, und wir schlugen wie die vielen Zebras mit ihrem Schwanz, mit unseren Händen um uns, um die lästigen Nervensägen zu vertreiben. Wir begegneten noch einer Elefantenherde, die wir im großen Abstand passieren ließen und kamen gegen 09:30 Uhr wieder im Camp an. Ein letztes Frühstück mit meinen ausgeschlafenen Kollegen, mit Blick auf Impalas, Paviane und Meerkatzen. Ich werde den wunderbaren Service der Tansanier und die Zeit in der Natur sehr vermissen. Wie sagte schon Hemingway: „Wir hatten Afrika noch nicht verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach.“


Gegen 11 Uhr wurde es Zeit, das wunderbare Kuro Tarangire Camp von Nomad wieder zu verlassen, alle standen wie immer bereit, um uns winkend zu verabschieden. Zwei Camps standen noch auf unserer Liste. Das Schöne an diesen Campbesichtigungen ist, dass man in Gebiete fährt, die man auf „normalen“ Gamedrives niemals ansteuern würde. Auf unserem Weg trafen wir noch auf Büffel und Elefant und kamen an einen wunderschönen See, den niemand von uns kannte. Durch die Regenfälle wohl um einiges größer als üblich, mussten wir über den Mitarbeiterbereich zum Tortilis Camp Tarangire fahren, da die offizielle Zufahrt unter Wasser stand. Das Camp ist identisch mit dem bereits besuchten in der Serengeti, hat aber nur 10 Zelte. Bestechend hier ist die direkte Lage am See, der nach Aussage der Mitarbeiter täglich von Elefanten besucht wird. Drei riesige Baobab Bäume verleihen dem Camp einen besonderen Charme.


Das nächste Camp, das Ang´ata Tarangire Camp liegt oberhalb des Flusses und hat acht Zelte, relativ klein, aber mit allem Nötigen ausgestattet. Zum Kuro Airstip, wie auch zu den Silale Swamps – ein Sumpfgebiet in dem sich oft riesige Elefantengruppen tummeln – ist es nicht weit. Auch hier gibt es einen großen Baobab zu bestaunen und eine schöne Feuerstelle für das abendliche Bush TV.


Jetzt hieß es wirklich Abschied nehmen, die Elefantenherde im Fluss ließen wir rechts liegen, die Zebras und Giraffen hatten sich so schön aufgestellt, dass sie durch einen Fotostopp belohnt wurden, der Strauß wurde von der Piste gescheucht und musste sich ein neues Plätzchen suchen. Nach dem Checkout aus dem Park ging es nach Arusha, dass wir in ungefähr 90 Minuten erreichten. Irgendwie war ich jetzt fix und fertig, aber die Kinder, die uns alle freudestrahlend begrüßten, ließen keine Pause zu. Ich habe noch mein Gepäck sortiert und eine Runde im kühlen Pool gedreht, um wieder fit zu werden. Rauda hat mit ihren 17 Jahren derzeit den größten Anteil an der Hausarbeit und hat für alle gekocht. Die Kinder haben drinnen gegessen und wir Erwachsenen inklusive Bibi und Babu, den Eltern von Said, saßen draußen am Swimmingpool. Den anschließenden Lion King Film inklusive Popcorn habe ich nicht mehr ganz geschafft – aber ich glaube fest daran: Simba konnte die Löwenwelt retten;-). Fix und Foxi ging es in´s Bett in den neuen Räumen des Haradali Homestays. Sie sind wirklich schön geworden, es fehlt aber noch der letzte Schliff und Dekoration. Abschließende Fotos folgen dann noch. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

18.08.20 Von Arusha zum Lake Natron

Mit einer halben Stunde Verspätung – alleine die Verabschiedung bei so vielen Familienmitgliedern dauert ja schon – sind wir um 08:00 Uhr zum Lake Natron aufgebrochen. Die ersten 107 Kilometer Strecke auf Asphaltstraßen hatten wir nach gut 1,5 Stunden hinter uns gebracht. Die weiteren 100 dauerten dann 3,5 Stunden.


Kurz hinter Arusha tauchen die ersten Viehherden der Maasai auf, die morgens von den Bomas in die weite Steppe getrieben werden.
Hinter Mto wa Mbu wurde die Straße zur Schotterpiste, die zum Ende immer mehr zur Buckelpiste wurde. Menschen wurden hier immer weniger, lediglich einige kleine Dörfer haben wir durchfahren. Die Fahrt geht an der Klippe des afrikanischen Grabenbruchs entlang und ist mit den Felsen und den größeren und kleineren Vulkanbergen wieder wunderschön. Der Ol Doinyo Lengai, der heilige Berg der Massai begleitete uns die letzten zwei Stunden der Reise mit seiner imposanten Erscheinung. Fransisca hatte früh schon unser Mittagessen vorbereitet – Reis, Hähnchen und Spinat – das wir in der tollen Kulisse eines trockenen Flusses mit Blick auf den mächtigen Berg genossen haben. Durch die heftigen Regenfälle in diesem Winter/Frühjahr war die Fahrtpiste in keinem guten Zustand und wir wurden ganz schön durchgeschüttelt. Auch wurde es zusehends staubiger und ich war erstmals froh über die Klimaanlage im Jeep, sodass wir die Fenster geschlossen halten konnten. Wie schon beim letzten Mal finde ich es unglaublich, dass der klapprige öffentliche Bus auf dieser Strecke unterwegs ist.


Der in der Gegenrichtung hat es allerdings nicht geschafft und die Fahrer winkten uns zu, als wir ihnen entgegen kamen. Sie freuten sich über zwei Flaschen Wasser und ich hoffe, dass sie den beiden Fahrgästen, die noch im Bus saßen ebenfalls damit versorgt haben. Den anderen Passagieren begegneten wir dann etwas später, eine Gruppe mit 5 Personen hätte ich ja gleich mitgenommen, aber das ist hier nicht üblich. Wenigstens die 3 Frauen? Nein, wir können die Männer doch nicht stehen lassen und die Frauen mitnehmen. Als ich das kleine Baby auf dem Rücken einer Maasai entdeckte, durfte sie mit uns mitfahren. Wir haben abends noch lange diskutiert, wie alt sie wohl war – das Gesicht schon älter, die Stimme wie eine 8jährige, aber das Baby war ihr viertes.


Unser Camp, das Moivaro Lake Natron Tented Camp ist eine grüne Oase in der staubtrockenen Gegend am Sodasee. Die Zelte sind neu und schön (die Hütten wurden „ausgemuster“ und stehen jetzt als Unterkunft für die Fahrer zur Verfügung), teils mit Blick zum See und der Naturwasserpool, gespeist vom Wasserfall zu dem man eine schöne Wanderung machen kann, war zu verlockend. Wir gönnten uns also eine Pause – es war auch zu warm für weitere Aktivitäten und schwammen ein paar Runden. Gegen 16 Uhr starteten wir wieder, erst zur Maasai Giraffe Lodge – wir wollten mal sehen, ob sich etwas geändert hat oder es etwas Neues gibt (gab´s aber nicht) und dann zum Lake Natron Camp, welches aufgrund des Hochwassers direkt am See liegt. Die letzten 12 Monate hatte es in Tansania erheblich mehr geregnet als sonst, was nicht nur den Viktoriasee über die Ufer treten ließ, sondern auch den Lake Natron erheblich ansteigen ließ. Vier Zelte mussten abgebaut werden. Nun aber konnte man das Spektakel der Pelikane und Flamingos gleich von dem schönen Camp aus betrachten. Was für ein schöner und besonderer Ort dieser Lake Natron!
Das Abendessen im Camp haben wir auch hier als einzige Gäste eingenommen und sind früh ins Bett – Abfahrt morgen um 06:00 Uhr. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk