usambara

16.08.20 Wanderung von den Usambara Bergen nach Mkomazi

06:30 Uhr Frühstück, 07:00 Uhr Abmarsch – das war unser Plan. Wir waren pünktlich bereit, unser Guide leider nicht. Der „Ersatzmanager“ kam um 07:15 Uhr und informierte uns, dass er den Guide wegen eines körperlichen Schockzustands ins Krankenhaus bringen musste und dass das jetzt eine sehr problematische Situation sei. Nachdem der Guide aber am Vortag auf dem Rückweg vom Regenwald noch Fleisch für eine Festivität einkaufte, von der uns ein Auto mit ziemlich betrunkenen Männern entgegen kam, haben wir etwas anderes vermutet ;-). Aber vielleicht tun wir dem armen Kerl auch Unrecht.

Nun standen wir da mit dem armen Manager, der der Situation so gar nicht gewachsen war. Er hätte einen Ersatzguide, der würde eine Stunde laufen und dann mit einem Boda Boda (Motorradtaxi) hochfahren. Wann er denn losgelaufen sei? „In 10 Minuten“! Das dauerte uns nun wirklich zulange und wir haben insistiert, dass es im Dorf doch jemanden geben müsse, der mit uns da runter läuft. Tatsächlich wurde jemand gefunden (das war wohl Yussufs Glückstag – so großzügige Menschen und soviel Trinkgeld habe er noch nie bekommen, nach unserer Wanderung war er der Einzige der über beiden Backen strahlte 😉 und mit einer Stunde Verspätung ging es los. Morgens war es noch frisch, aber die Sonne wärmte uns schnell und wir marschierten entlang der Klippe mit einer großartigen Aussicht. Die Landschaft ist wirklich ein Traum und der weite Blick über die Berge, Felsen und Klippen lässt einen immer wieder stehenbleiben und schauen.


Fransisca hatte sich extra erkundigt, wie schwierig die Wanderung ist und die Auskunft bekommen – kein Problem, es dauert 3 – 4 Stunden und Kinder ab 7 Jahren können das problemlos machen. Dann sollten wir mit unserer Gruppe ja kein Problem haben, auch wenn der ein oder andere wenig trainiert ist und die Knochen nicht mehr die Jüngsten sind. Am Anfang ging es ein bisschen bergab und bergauf, an einem überhängenden Felsen vorbei, spektakuläre Aussichten auf die Klippen und die tief unten liegende Ebene. Die Stimmung war gut, alle genossen den sonnigen Tag. Immer wieder kamen uns schwer bepackte Menschen entgegen, die riesige Bündel auf dem Kopf nach oben schleppten – Futter für die Kühe.

Auch kleinere Kinder waren dabei, was uns bestärkte, dass die Tour nicht ganz so hart werden kann. Es wurde aber immer steiler und unwegsamer. Auf einem flachen Felsen mit Rundumblick saßen zwei junge Männer mit zwei großen Eimern geräuchertem Fisch. Said probierte gleich und kaufte ihnen eine Portion ab – was für eine merkwürdige Stelle um Fisch zu verkaufen ;-). Aber sie hatten nur eine Pause eingelegt auf dem Weg nach oben. Um die Waren mit dem Auto nach oben zu bringen, müsste man 150 Kilometer zurücklegen. Die Jungs schaffen die 1300 Höhenmeter in 2 Stunden. Die Wege, die wir gelaufen sind, waren dementsprechend – mehr oder weniger die kürzeste Verbindung von A nach B. Unser Tempo aber wurde immer langsamer.


Nach 2/3 des Weges war für uns klar, dass diese Wege nicht für den Durchnittstouristen gemacht sind, bei manch einem machten die Muskeln schlapp und die Beine zitterten. Ich bin immer mal wieder ein Stück voraus gegangen, um hoffentlich die freudige Nachricht verkünden zu können, dass es ab der nächsten Kurve flacher und einfacher wird – aber es ging immer so weiter, es gab nur eine Richtung: steil nach unten.
Unser Guide organisierte schon mal zwei Boda Bodas für Fransisca und Isolde, aber es dauerte noch eine ganze weile, bis wir auf befahrbares Gelände stießen. Tapfer kämpften sich alle nach unten, ohne die Wanderstöcke, die wir in der Lodge bekommen haben, hätten wir wohl ein ernsthaftes Problem bekommen. Sollte ein Wanderer sich verletzen oder aus den unterschiedlichsten Gründen nicht weiter laufen können, gibt es hier keinen Rettungshelikopter. Die Bergrettung sind starke Männer, die den „Gestrandeten“ dann in einer Art Stuhl nach oben oder unten tragen, was immer näher ist. Die Vorstellung so den Rest des Berges hinunter getragen zu werden, hat die letzten Reserven mobilisiert und um 14:30 Uhr wurden die zwei Damen auf den Motorrädern ins Dorf gefahren, während Said, Yussuf und ich einen Endspurt im flachen Gelände starteten. Wir waren dann aber auch froh, unseren Jeep zu sehen, den John in 4 Stunden über 155 Kilometer von Mambo nach Mkundi Mbaru gefahren hat.


Nach einem kurzen Snack im Auto fuhren wir um 15 Uhr los zum Mkomazi Park. Da nur das Same Gate geöffnet ist (in Coronazeiten hat der sonst schon wenig besuchte Park wahrscheinlich nur 2-4 Besucher am Tag, da reicht ein Tor). Das bedeutete wieder fast zwei Stunden Fahrt und wir erreichten das Tor erst um 16:40 Uhr. So spät wurden wir für einen Game Drive gar nicht mehr rein gelassen. Was sehr schade war, denn wir hätten die Möglichkeit bekommen, uns das Nashorn Projekt anzusehen. Da die Tiere sich gegen 16 Uhr immer an der Wasserstelle versammeln, kam ein Besuch am nächsten Morgen nicht infrage, bzw. hätte uns viel Fahrerei beschert ohne wahrscheinlich auch nur ein Nashorn zu sehen. Was es mit dem Projekt auf sich hat, erzähle ich im nächsten Bericht.


Übernachten wollten wir in den neu gebauten Ranger Bandas, wovon wir schon einige auf unseren Reisen gesehen hatten und die in den seltensten Fällen einladend wirkten. Wir waren sehr positiv überrascht, was seit unserem letzten Besuch entstanden ist. (Said hat ihnen viele Tipps gegeben und augenscheinlich wurden sie alle umgesetzt). Vom Parkplatz sah man die Bar, das Einladende Messtent – das Restaurantzelt und eine schöne und gemütliche Feuerstelle. Die 3 Bungalows haben je zwei Doppelzimmer mit eigenem Bad, eine kleine Terrasse mit schönen Sitzmöbeln und eine kleine Küche für Selbstversorger. Alle Mahlzeiten kann man aber auch im Restaurantzelt bekommen (gegen Extrakosten). Wir haben uns sehr über die, ohne Probleme funktionierende warme Dusche gefreut, nur den Schalter vom Boiler einschalten und 10 Minuten später kann´s los gehen ;-). Fast noch besser war das kalte Bier für Isolde und mich – das hatten wir uns nach diesem Tag wirklich verdient. Früh gingen wir müden Krieger in unsere Zimmer, haben noch ein bisschen das kostenlose, sehr gut funktionierende WLAN genutzt und bald geschlafen – Lala Salama, Gute Nacht.

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

15.08.20 Usambara Berge – Mambo View Eco Lodge

Ich bin ja schon mal kurz in der Mambo View Eco Lodge gewesen, als ich letztes Jahr im Februar von Lushoto nach Mambo gewandert bin und es hatte mir sehr gut gefallen. Die Lage ist unglaublich, direkt an einer Klippe von wo aus man eine fantastische Aussicht auf die gut 1.200 Meter tiefer liegende Ebene hat.
Nachdem ich letztes Mal einen kleinen Bungalow hatte, bekamen wir jetzt das Amani Haus, zweistöckig mit einem Schlafzimmer mit großem Balkon oben und einem Schlafzimmer und einer Wohnküche mit offenem Kamin unten. Eigentlich sehr schön, aber – im Badezimmer unten hat man aufgrund der Beleuchtung kaum was gesehen, die Tür zum Bad hat so laut geknarrt, dass der andere fast aus dem Bett gefallen ist, wenn man sie aufgemacht hat. Das Wasser war eiskalt, wie die Temperaturen so sind, wenn man auf 1900 Metern ist. Da Isolde und ich uns noch abends den Kamin anmachen lassen haben, konnte der auch gleich den Ofen draußen anmachen, damit Fransisca und Said Duschen konnte. Alle anderen Zimmer haben warmes Wasser über Solar, unseres über einen mit Holz befeuerten Ofen. Das Duschen führte bei Fransisca und Said zu einer Überschwemmung im Bad. Nachts war es so kalt, dass ich mit Socken und Fließjacke geschlafen habe.
Das Management ist wohl neu, die verantwortliche Dame wohl mit Kunden im Mkomazi park unterwegs und die Vertretung war stets sehr bemüht aber das war es dann auch.
Am nächsten Abend haben wir gefragt, ob es denn keine Wärmflaschen gibt – jaja, natürlich. Warum wir keine haben – da hätten wir ja nach fragen können. Normalerweise liegen die in den Lodges wo es abends kalt wird ja im Bett – versprochen, machen wir heute. (Sie lagen dann auf dem Tisch, direkt am kalten Fenster;-(.


Für den Rest lasse ich mal Bilder sprechen. Wir haben morgens einen 3 stündigen Village Walk gemacht und einige der Projekte gesehen, die über die Mambo View Eco Lodge finanziert werden. Die Töpferei wird unterstützt, Brücken und Brunnen gebaut, Frauenprojekte und natürlich die Arbeiter der Lodge, die alle aus den umliegenden Dörfern sind. Da ist dann vom Können her noch Luft nach oben, aber wer den Background sieht, hat dafür Verständnis.
Mittags haben wir in der Sonne auf der Terrasse gegessen und Said, John und ich sind wieder los in den Shagayu Forrest. Die Fahrt sollte 30 Minuten dauern – es war das Doppelte – und nachdem wir gestern den Sonnenuntergang verpasst haben, wollte ich unbedingt pünktlich zurück sein. Wir sind also im Expresstempo durch den Regenwald und haben bei dem Auf und Ab ganz schön gepustet, bis uns die Holzträgerfrauen entgegen kamen. Unglaublich, wie diese zarten Personen große und lange Kanthölzer barfuß oder in Flipflops durch die engen Wege tragen. Über 30 Kilo werden auf diese Weise auf dem Kopf getragen und schon die ganz kleinen begegnen uns mit Lasten auf dem Kopf. Das Leben ist hart und anstrengend in den Usambara Bergen, der Fortschritt ist noch ganz weit weg und es wird immer noch nach den alten Traditionen gelebt, nicht mal Esel gibt es hier. Mein Gang wurde nach der Begegnung ganz leicht und wieder einmal kam tiefe Demut in mir hoch.


Unser Ziel, den Wasserfall haben wir nach einer Stunde erreicht und nach einer kurzen Pause ging es wieder zurück zum Dorf, wo unser Jeep geparkt war. Hier kam wieder das allgengewärtige Kinderrufen: „ Muzungu“ – Fremde! Touristen sind hier nicht so häufig anzutreffen, in Coronazeiten schon gar nicht und ich war die wandelnde Attraktion für den Tag. Wir haben es pünktlich zum Sonnenuntergang geschafft, dafür gibt es extra eine hoch gebaute Terrasse, nur das mit den Drinks war etwas schwierig. Dafür war dann sehr, sehr wenig Tonic im Gin;-)
Nach einem leckeren Abendessen fielen wir früh in unsere Betten – mit Wärmflasche! Lala Salama!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk