reisebericht

29.08.20 – Tarangire – Arusha

Ein letzter Buschwalk stand um sieben Uhr für mich auf dem Programm, auf dem ich von einem Nomad Guide, einem Ranger – beide bewaffnet und unserem Guide John bewacht wurde. Fransisca, Bonna und sogar Said hatten aufgrund der TseTse Fliegen darauf verzichtet. TseTse sind mir kaum begegnet, aber die „normalen“ Fliegen haben extrem genervt. Trotzdem war es eine schöne Wanderung, die uns anfangs am Tarangire Fluss entlang führte. In der Nacht schon hatten wir die Impalas im Camp bemerkt, die sich auch jetzt noch vor den Zelten tummelten. Said und Fransisca hatten auch Büffel durchziehen sehen – die habe ich wohl verschlafen.


Noch auf dem Campgelände sahen wir eine einsame Hyäne und die Paviane kamen von dem großen Baum, auf dem sie die Nacht verbracht hatten. Als mittlerweile ja bestens ausgebildeter „Poopexperte“ kann ich sagen, dass es unter einem Übernachtungsbaum der Paviane ganz schön stinkt.
Der Tarangire Fluss führt derzeit nur sehr wenig Wasser und es ist unvorstellbar, dass das gesamte Flussbett in der Regenzeit gefüllt sein soll. Wir sahen unterwegs Giraffen, Impalas, Wasserböcke, Warzenschweine und viele Zebras. Plötzlich sahen wir einen Elefanten im Flussbett und schauten erstmal vorsichtig. Er lag im Matsch, bewegte sich nicht und schien uns bereits tot zu sein. Plötzlich bewegte sich der Kopf langsam und der Rüssel ging nach oben, er hatte wohl unsere Witterung aufgenommen. Der arme Kerl – ich würde mal sagen 5 bis 7 Jahre alt – war offensichtlich im Schlamm stecken geblieben und kam aus eigener Kraft nicht wieder heraus. Der Guide meinte, die Ranger würden ihm helfen und ich habe insistiert, dass diese bitte sofort informiert werden und nicht erst nach unserer Rückkehr ins Camp. Das Funkgerät wurde also eingeschaltet und die Information an die entsprechende Rangerstelle gegeben. In großem Abstand liefen wir um das Tier herum und konnten von der anderen Seite sehen, dass er schon Wunden davon getragen hat. Der Guide meinte, wir könnten ja noch näher gehen, um bessere Fotos zu kriegen. Was für ein doofer Vorschlag, der arme Kerl hat schon genug durchgemacht, da muss nicht noch eine Truppe Menschen zum Fotoshooting näher kommen. Ich hoffe sehr, dass eine Rettung erfolgt, oder auch der Gnadenschuss, wenn es denn sein muss. Ich bin auf jeden Fall froh, an dem Tag gewandert zu sein, sonst wäre der arme Kerl seinem Schicksal erlegen und hätte womöglich noch eine lange Leidensstrecke hinter sich bringen müssen. Sobald ich eine Info über sein Schicksal bekomme, werde ich berichten.


Je wärmer es wurde, umso mehr Fliegen sammelten sich um uns, und wir schlugen wie die vielen Zebras mit ihrem Schwanz, mit unseren Händen um uns, um die lästigen Nervensägen zu vertreiben. Wir begegneten noch einer Elefantenherde, die wir im großen Abstand passieren ließen und kamen gegen 09:30 Uhr wieder im Camp an. Ein letztes Frühstück mit meinen ausgeschlafenen Kollegen, mit Blick auf Impalas, Paviane und Meerkatzen. Ich werde den wunderbaren Service der Tansanier und die Zeit in der Natur sehr vermissen. Wie sagte schon Hemingway: „Wir hatten Afrika noch nicht verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach.“


Gegen 11 Uhr wurde es Zeit, das wunderbare Kuro Tarangire Camp von Nomad wieder zu verlassen, alle standen wie immer bereit, um uns winkend zu verabschieden. Zwei Camps standen noch auf unserer Liste. Das Schöne an diesen Campbesichtigungen ist, dass man in Gebiete fährt, die man auf „normalen“ Gamedrives niemals ansteuern würde. Auf unserem Weg trafen wir noch auf Büffel und Elefant und kamen an einen wunderschönen See, den niemand von uns kannte. Durch die Regenfälle wohl um einiges größer als üblich, mussten wir über den Mitarbeiterbereich zum Tortilis Camp Tarangire fahren, da die offizielle Zufahrt unter Wasser stand. Das Camp ist identisch mit dem bereits besuchten in der Serengeti, hat aber nur 10 Zelte. Bestechend hier ist die direkte Lage am See, der nach Aussage der Mitarbeiter täglich von Elefanten besucht wird. Drei riesige Baobab Bäume verleihen dem Camp einen besonderen Charme.


Das nächste Camp, das Ang´ata Tarangire Camp liegt oberhalb des Flusses und hat acht Zelte, relativ klein, aber mit allem Nötigen ausgestattet. Zum Kuro Airstip, wie auch zu den Silale Swamps – ein Sumpfgebiet in dem sich oft riesige Elefantengruppen tummeln – ist es nicht weit. Auch hier gibt es einen großen Baobab zu bestaunen und eine schöne Feuerstelle für das abendliche Bush TV.


Jetzt hieß es wirklich Abschied nehmen, die Elefantenherde im Fluss ließen wir rechts liegen, die Zebras und Giraffen hatten sich so schön aufgestellt, dass sie durch einen Fotostopp belohnt wurden, der Strauß wurde von der Piste gescheucht und musste sich ein neues Plätzchen suchen. Nach dem Checkout aus dem Park ging es nach Arusha, dass wir in ungefähr 90 Minuten erreichten. Irgendwie war ich jetzt fix und fertig, aber die Kinder, die uns alle freudestrahlend begrüßten, ließen keine Pause zu. Ich habe noch mein Gepäck sortiert und eine Runde im kühlen Pool gedreht, um wieder fit zu werden. Rauda hat mit ihren 17 Jahren derzeit den größten Anteil an der Hausarbeit und hat für alle gekocht. Die Kinder haben drinnen gegessen und wir Erwachsenen inklusive Bibi und Babu, den Eltern von Said, saßen draußen am Swimmingpool. Den anschließenden Lion King Film inklusive Popcorn habe ich nicht mehr ganz geschafft – aber ich glaube fest daran: Simba konnte die Löwenwelt retten;-). Fix und Foxi ging es in´s Bett in den neuen Räumen des Haradali Homestays. Sie sind wirklich schön geworden, es fehlt aber noch der letzte Schliff und Dekoration. Abschließende Fotos folgen dann noch. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

28.08.20 Tarangire Nationalpark

Leider war es morgens bewölkt, sodass der Sonnenaufgang Nichts zu bieten hatte. Da hat sich mein frühes Aufstehen für mich leider nicht gelohnt, wohl aber für meine treuen Leser, die in den Genuss eines neuen Reiseberichts kamen.
Bevor wir wieder in unseren Schaukelnden Jeep gestiegen sind, haben wir das zur gleichen Gruppe gehörende Maweninga Tented Camp besucht, dass nur 5 Minuten zu Fuß entfernt liegt. 16 Zelte, nicht mehr ganz so neu und großzügig wie im Ormatai Camp, wo wir nächtigen durften, der Ausblick ist aber fast noch schöner.


Auf dem gleichen Hügel liegt die Lemala Mpingo Ridge Lodge, allerdings nicht mit Ausblick auf den Lake Burunge, sondern in die Ebene des Tarangire mit dem gleichnamigen Fluss, der Lebensader des Parks in Trockenzeiten. Die 15 Unterkünfte sind eine Art Bungalows mit Zeltcharakter, sehr großzügig und geschmackvoll. Die großen Terrassen laden zu stundenlanger Entspannung ein. Das Sofa kann mittags zu einem gemütlichen Bett für die Siesta hergerichtet werden – Moskitonetz inklusive – und eine Innen- und eine Außenbadewanne ermöglichen „stereobaden“;-) Der große Infinity Pool bietet eine ebenso großartige Aussicht in den Park wie die „Main Area“ mit Lounge und Restaurant. Auch so ein Ort, wo ich ganz gut 3 Nächte hätte bleiben können, nur um zu sitzen und zu gucken. Mein persönliches Highlight hier: der „Umkleideraum“ zum Spabereich! Eine von Felsen eingerahmte höher gelegene Terrasse mit „Open Air Toilette“ – „Lu with a View“!


Aber nichts mit Aussicht genießen, es ging weiter über die ruckeligen Pisten zurück in die Ebenen, wo wir auf das Hinweisschild der Tarangire Kuro Treetops Lodge stießen. Wir dachten erst, dass hier noch gar Nichts zu besichtigen ist, da es noch sehr nach Baustelle aussah. Doch die Lodge (derzeit eigentlich eher ein Camp) ist schon eröffnet. Mit 10 von später einmal 25 Zelten und einem Restaurantzelt, das eigentliche Restaurant wird gerade auf einem Felshügel, quasi in einen großen Baum gebaut. Die „Zeltzimmer“ befinden sich auf Terrassen direkt an den mächtigen Stämme von alten Baobabbäumen. Die Räume sind großzügig und mit allem ausgestattet, was man in einem 5*Hotel erwartet. Besonders gut gefallen haben mir der aufgehängte Korbsessel auf der Terrasse und die wunderbare Außendusche mit Blick in die Steppe. Bei der Aussicht wird der Wasserverbrauch sicherlich hoch sein, unter der warmen Dusche stehen und in die Steppe schauen, das sind doch auch Momente für die Ewigkeit;-). Ansonsten ist mir persönlich der Grandhotelstil mit der roten Plüsch-Chaiselongue und den Vorhängen wie bei Oma Grete eine Spur zu viel.


Nach 14 Tagen Jeepreise waren wir irgendwie alle erledigt und beschlossen schon gegen 14:30 Uhr in unser nächstes und letztes Camp zu fahren. Keiner hatte mehr große Lust auf das Geschaukel beim Gamedrive, zumal wir das Dach des Jeeps wegen der vielen Tse Tse Fliegen geschlossen hatten. Heute also kaum Tierfotos, nur die Elefantenfamilie mit den 3 Kleinen im Video, die unseren Weg kreuzte.


Im Kuro Tarangire Camp von Nomad standen alle Mitarbeiter wieder Spalier als wir ankamen. Das Camp hat nur 6 Zelte und das Restaurant- / Loungezelt und ist einfach, aber sehr geschmackvoll gestaltet. Ich glaube dem alten Hemingway hätte es gefallen, vor Allem die gut bestückte Bar, von der aus man uns gleich einen Drink anbot – das war mir nun wirklich noch zu früh;-).


Ich habe dann etwas völlig Verrücktes getan. 90 Minuten lag ich auf der Liege auf unserer Terrasse (Bonna und ich haben uns ein Zelt geteilt) und habe einfach nichts gemacht außer zu gucken. Ein bisschen schlechtes Gewissen hatte ich ja schon, es war ja noch kein Bericht geschrieben. Aber es war herrlich an diesem warmen Tag in einer leichten Brise zu liegen und den Busch zu beobachten. Die Impalas, die immer näher kamen, die Meerkatzen, die mich scheu aus Büschen und Bäumen beobachteten, die Giraffen, die in der Ferne vorbeizogen und dazu das Konzert der Vögel und Insekten.

Für 17:30 Uhr hatten wir unsere Dusche bestellt und das warme Wasser wurde pünktlich in unsere „Bucketshower“ gefüllt. Ich habe die Dusche draußen genossen, Bonna ist lieber in die Dusche innerhalb des Zeltes gegangen. Besonders gut hat uns gefallen, dass durch die vielen Fenster soviel Licht ins Zelt kam.


Um 18 Uhr war es dann doch Zeit für einen Gin Tonic, von den gemütlichen Kuhfellsesseln in der Lounge wechselten wir nach 30 Minuten zum Lagerfeuer und genossen ein letztes Mal dieses unvergleichliche „Buschfeeling“ – ich werde diese Abende sehr vermissen!!!


Ein weiteres Pärchen (Mitarbeiter einer Lodge in der Serengeti) waren noch im Camp, hatten aber wohl ein ganz frühes Abendessen auf der eigenen Terrasse, sodass wir wieder mal alleine im Restaurant saßen und das köstliche Essen aus der „Buschküche“ genossen. Danke Nomad Tanzania für einen weiteren wunderschönen Abend.
Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

26.08.20 Ngorongoro – Karatu – Lake Manyara

Als der Wecker klingelte war es windig, wolkig und ungemütlich – wie im Urlaub an der Nordsee, wenn das Wetter mal wieder nicht mitspielt;-)
Im Esszimmer brannte der Kamin und wir genossen ein tolles und entspanntes Frühstück in unserem privaten Entamanu Camp. Der heutige Tag war für Besuche von Lodges reserviert, sodass wir uns schweren Herzens von dem tollen Team des Camps verabschieden mussten. Die Mitarbeiter von Nomad schaffen es innerhalb kürzester Zeit, eine sehr verbindliche und freundschaftliche Atmosphäre herzustellen, so dass jeder Abschied schwer fällt. Das ist das Besondere an diesem Unternehmen, dass seinen Mitarbeitern die Möglichkeit gibt, sich buchstäblich vom Tellerwäscher zum Campmanager hochzuarbeiten. Jeder ist mit Leidenschaft und Hingabe dabei. Nochmals ein riesiges Dankeschön für den wunderschönen Aufenthalt im Entamanu Nomad Camp.


Unsere Fahrt ging um den Ngorongoro Krater herum, mittlerweile kam die Sonne ein bisschen heraus und wir genossen wieder den „Zweiseiten Ausblick“. Links der Krater, rechts die Ebenen der Serengeti. Am Eingangstor zum Krater hatten wir unseren ersten Fotostopp und die erste Lodge die wir besichtigten, war die Krater Lodge von &Beyond. Auch hier, weit und breit kein Gast zu sehen und die Freude beim Manager und der Rangerin, die uns durch die Lodge führten, war groß – jede Abwechslung und Unterhaltung ist sooo willkommen. Ein Jammer – eigentlich ist Hauptsaison. Den Amerikanern mag die Lodge gefallen, für mich viel zu dunkel, viel zu überladen. Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Die Aussicht in den Krater ist allerdings großartig! Das nächste Camp ist eher mein Geschmack. Das Pakulala Camp, das ebenfalls direkt am Kraterrand liegt, ist zwar derzeit geschlossen, aber ein Zelt durften wir sehen.


Die Ngorongoro Wildlife Lodge besticht durch ihre Aussicht, nicht durch ihr Design und die über 80 Zimmer mit super kleinen Badezimmern. Die Aussicht in den Krater aber gehört zu den Besten. Kein Wunder, die Wildlife Lodges wurden vor langer Zeit (die Ngorongoro Lodge wurde vor 49 Jahren gebaut) an den schönsten Plätzen der nördlichen Parks errichtet. Seit dem hat sich dann auch nicht viel verändert – sehr schade, denn die Lage und der Blick sind super.


Die letzte Lodge auf der Liste am Krater ist die Rhino Lodge, die preisgünstigste am Kraterrand, die Aussicht auf Mount Oldeani aber nicht in den Krater, bietet 24 Zimmer, einfach aber zweckmäßig eingerichtet, alle mit einem Balkon oder Terrasse.


Nach unserem Mittagspicknick – ohne Bohnen! – im Garten der Rhino Lodge wollten wir das Kratergebiet verlassen. Am Aussichtspunkt haben wir nochmal den Blick in den auch heute ruhig unter uns liegenden Krater genossen. Von oben konnten wir zwei Nashörner und eine größere Büffelherde erspähen, sogar ohne Fernglas.


Je weiter wir bergrunter fuhren, umso wärmer wurde es, die Höhe macht ganz schön was aus. In Karatu führte uns unser erster Weg zur Tabasamu Foundation, der Partnerorganisation von „Kinder in Tansania e.V“., zu Suzy und Ihrer Schwester. Sie gaben uns einen kurzen Bericht über ihre Arbeit, den Fortschritt mit der Installation der Solaranlagen im Kindergarten und im Familienhaus und die Notlage einiger Familien, die sich durch Corona weiter verschärft. Wir wollen an unserer Spendenaktion festhalten und versuchen Extragelder für die Coronahilfe zu generieren. Damit können wir dann Lebensmittel an kinderreiche Familien in akuter Notlage verteilen. Spenden an www.kinder-in-tansania.de können steuerlich geltend gemacht werden und ab einer Spendenhöhe ab € 40,- versenden wir ein handgenähtes Etui für Stifte oder Schminkpinsel aus afrikanischen Stoffresten. Wichtig ist auf der Überweisung Corona Hilfe zu vermerken. Die Famiien und besonders die Kinder werden es Euch danken!!!
Ein weiteres Vorhaben ist, alleinstehende Frauen mit Kindern zu unterstützen ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen, um zukünftig den Lebensunterhalt aus eigener Kraft bestreiten zu können.


Weiter ging es mit unserer Besichtigungstour: die Pamoja Lodge mit ihrem wunderschönen Gemüse und Blumengarten. Der Besitzer hat die Lodge erst vor zwei Jahren übernommen und viel Arbeit reingesteckt und im Februar sein Camp in der Serengeti eröffnet. Jetzt wird – wie überall – auf Kundschaft gewartet. Es ist unfassbar traurig, die Menschen in diesem Zustand zwischen Verzweiflung und Hoffnung zu sehen. Notfall- oder Überbrückungshilfe sind hier Fremdworte, jeder muss sehen wie er irgendwie klar kommt.


Unsere letzte Station war die Coffee Lodge, die neueste Unterkunft der Bougainvillea Gruppe. Ein großer Pool mit Aussicht auf die Ngorongoro Wälder, ein wunderschöner Blumengarten, ein weitläufiges Restaurant mit großer Terrasse davor und 26 Bungalows mit sehr großzügigen und schönen Zimmern.


Jetzt lagen noch gut 30 Minuten Fahrt vor uns bis wir unsere heutige Unterkunft, die Escarpment Luxury Lodge erreichten, die auf der Abbruchkante des Grabenbruchs oberhalb des Lake Manyara Nationalparks liegt. Wir erreichten unser Ziel pünktlich zum Sonnenuntergang und verlegten das Briefing kurzerhand auf die Terrasse am Pool, von wo aus wir einen schönen Blick über den See und die Wälder hatten. Danach bezogen wir unsere Zimmer, die sehr großzügig und schön sind. Leider bieten nur einige wenige der 16 Zimmer einen freien Ausblick auf den See, bei den meisten ist viel „Grün“ im Weg, dass teilweise schon im Nationalpark wächst und nicht beschnitten werden darf. Lounge und Restaurant erinnern eher an ein schickes Hotel, als an eine Safari Lodge, aber alles ist sehr geschmackvoll eingerichtet. Beim Abendessen – 4 Gänge für den, der es schafft – saßen wir wieder mal alleine auf weiter Flur. Köstlich bewirtet waren wir alle recht müde und verzogen uns auf unsere schönen Zimmer. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

25.08.20 Olduvai – Ngorongoro Krater

Um 07:00 Uhr haben wir uns mit Francis, dem Massai Guide der Lodge zur Morgenrunde getroffen. Es ging von unserem Hügel, auf dem die Olduvai Ndogo Lodge liegt runter, vorbei an einer kleinen Massai Boma, in einen Flusslauf, der nur zu Regenzeiten Wasser führt. Francis erklärte uns einige Heilpflanzen und wofür die Massai sie nutzen. Immer wieder gerne werden auch die verschiedenen Hinterlassenschaften der Tiere analysiert. Die kleinen Köttel sind von den Dikdiks, die größeren von den Giraffen, etwas nierenförmig und noch größer die von den Zebras.


In dem trockenen Flussbett sind die Wasserstellen der Massai, 1-3 Meter tiefe und ebenso breite runde Löcher, aus denen das Grundwasser geschöpft wird. In einer aus Erde gebauten Rinne, wird hier auch das Vieh getränkt. Am Horizont zog eine Giraffenherde (genannt Tower) vorbei und immer wieder kam ein bunt gekleideter Massai ins Bild – was für ein schöner Kontrast in dieser trockenen Steppe.


Francis wusste viel zu erzählen, über die Natur, die uralten Funde menschlicher Überreste in der nahe gelegenen Olduvaischlucht und die andauernden Forschungen hier. Das Museum von Olduvai haben wir nicht aufgesucht, für den Eintrittspreis von $ 35 pro Person hat es wohl auch nicht so viel zu bieten.


Auf dem Rückweg haben wir uns das ältere Olduvai Camp angesehen. Es liegt nicht so weit oben, bietet aber ebenfalls tolle Ausblicke, vor allem von der Aussichtsplattform aus. Die Zelte sind ähnlich, wie das in dem wir die Nacht verbringen durften und im Januar / Februar, wenn die Herden der Migration üblicherweise in diese Gegend kommen, kann man die Tiere direkt an seiner Terrasse vorbei ziehen sehen.


Frühstück gab es gegen 09:00 Uhr in unserer Lodge und dann hieß es schon wieder alle sieben Sachen zusammenpacken. Wir haben uns noch schnell ein weiteres Zelt angeguckt und Fotos gemacht – gestern war es ja schon zu dunkel – bevor es wieder in den Jeep ging.


Sehr lustig und für den armen John eine echte Aufgabe war der Honigkauf bei den Massai Frauen. Wir dachten, es wäre ja ganz gut, die Frauen zu unterstützen und Ihnen was abzukaufen. (Im Nachhinein erklärte John, dass die Frauen das Geld bei ihren Männern abliefern müssen – wir dachten, sie hätten persönlich wenigstens auch was davon). Sobald der Jeep anhielt rannten 15 Frauen los, belagerten das Auto und hielten uns Honig (in alten Plastikgetränkeflaschen) und Schmuck vor die Nasen. John trat in die Verhandlungen ein und versuchte die Frauen (teils mit Babys auf dem Rücken) auf Abstand zu halten. Unmöglich! Immer wieder rief er laut „Corona, Corona, ich habe Corona“, damit sie zurück weichen – keine Chance. Dann ging er auf einen kleinen Hügel und hielt eine Ansprache, der die Frauen wie durch ein Wunder auf Abstand zuhörten. Said hatte vom Autofenster aus den Schmuck gezeigt bekommen, der leider keinen Anklang fand und wir drei Damen amüsierten uns köstlich über die Abwehrversuche unserer beiden Männer. Nach anstrengenden 15 Minuten hatte John unterschiedlichen Frauen insgesamt 6 Flaschen Honig abgenommen und gezahlt und wir konnten weiterfahren. Das war die erste Situation wo Social Distancing nicht wirklich funktionierte;-). Diese Art des aggressiven Verkaufens ist natürlich wenig zielführend, vor Allem in Corona Zeiten, wo man auf Abstand bedacht sein sollte.


Wir fuhren weiter zum Rand des Ngorongoro Kraters. In den Senken, wo die Massai ihr Vieh weiden, sind durch den Regen größere Seen entstanden, die ein ganz anderes Bild von dieser sonst so trockenen Landschaft geben. Am Funkmast kurz vor der Abfahrt in den Krater bogen wir links ab zu unserer nächsten Unterkunft. Unterwegs legten wir unsere Mittagspause ein, mit Blick in den Krater auf der rechten und in die Ndutu Ebenen auf der linken. Aussteigen darf man hier nicht, sodass wir im Auto picknicken mussten. Leider gab es nicht – wie eigentlich bestellt – vegetarische Sandwiches, sondern wieder Eintopf mit den schon ausreichend bekannten kleinen Bohnen, dazu Reis und frische grüne Bohnen. Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob der immer enger werdende Gürtel am zu vielem Essen oder doch an den immer wieder servierten Bohnen liegt;-).
Die Ankunft im Nomad Entamanu Camp war herzlich wie immer bei diesem tollen Unternehmen. Mindestens 10 Mitarbeiter erwarteten uns mit Winken und einem (ich habe es in den Augen gesehen!) strahlenden Lächeln unter den Masken. Nach der mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangenen Prozedur des Händewaschens wurden wir in die Lounge des privaten Entamanu Camps geführt.


In dem großen Raum waren kuschelige Sofas und Sitzecken mit schönen Kissen und Schaffellen. Für die kalten Stunden gibt es einen Gaskamin und die Aussicht durch die großen Fenster geht zum Weltnaturerbe Ngorongoro Krater. Im Nebenraum ist das Esszimmer, ebenfalls mit Kamin und Aussicht. Das Gebäude hat einen Zeltcharakter, zwischen den typischen Zeltplanen ist aber eine stabile Dämmung, die Wind und allzu kalte Temperaturen abhält. Alles ist schlicht, aber wunderschön gestaltet und erinnert mich ein bisschen an eine kanadische Berghütte. Das private Camp hat zwei Doppel und zwei Familien „Zelte“, super großzügig und gemütlich mit derselben großartigen Aussicht. Normalerweise kann man nur das gesamte Camp bewohnen, einzelne Zimmer sind nicht buchbar. Aufgrund der minimalen Auslastung durch Corona nutzt Nomad Tanzania die Gelegenheit das Hauptcamp mit seinen sieben Zelten zu renovieren. Diese Zelte sind „richtige“ Safarizelte, sodass sie relativ wind- und temperaturanfällig sind. Das Messtent – also das Zelt mit Restaurant und Lounge konnten wir leider nicht sehen, aber die „Zimmer“ sind ebenso gemütlich und schön, wie im privaten Teil des Camps. Die Aussicht ist hier fast noch etwas schöner, wird allerdings durch die Moskitogaze plus Folie gegen den Wind etwas getrübt. Natürlich gibt es aber auch hier eine Terrasse von der man den Blick in die unglaubliche Kulisse schweifen lassen kann. Wie übrigens auch von der Toilette – Lu with a View!
Mohammed der Campmanager gab uns das obligatorische Briefing für den Aufenthalt im Camp und wir verabredeten uns für einen Sundowner Walk um 16:30 Uhr.


Pünktlich marschierten Bonna, Said und ich in Begleitung eines Massai und eines bewaffneten Rangers los. Es ging bergab durch den dichtbewachsenen Wald. Die blühenden Sträucher sind von unzähligen Bienen bevölkert und wie auch im Camp wird man von einem permanenten Summen begleitet. Nach dem ersten Abstieg ging es über eine trockene Ebene auf der wir in der Ferne einige Giraffen sehen konnten. Auch heute gab es wieder Rätselraten um die Hinterlassenschaft der Tiere: „From which animal ist that poop?“ Ich bin mittlerweile ein richtiger „Poop Experte!“;-) Weiter ging es bergab bis zum direkten Rand des Ngorongoro Kraters, der menschenleer in der Abendsonne unter uns lag – unglaublich schön und ergreifend! Auch wenn man weiß, dass sich da unten ungefähr 25.000 Säugetiere tummeln, sind diese von so weit oben kaum zu sehen und man kann es kaum glauben. Diese Weite und Stille, der Luxus dieses Naturparadies ungestört und alleine genießen zu dürfen macht mich sehr dankbar. Jeder der weiß, wie es sonst im Krater zugeht, kann nachvollziehen, wie besonders es ist, kein Fahrzeug im Krater zu sehen und auch nicht die dadurch entstehenden unzähligen Staubwolken.


Die Sonne ging leider nicht über dem Krater unter, sondern hinter dem Hügel von dem wir gekommen sind. In einem sehr sportlichen Tempo ging es wieder nach oben und als wir die untergehende Sonne erblickten, sahen wir auch den Nomad Jeep und die dahinter vorbereitete Sundowner Bar. Wieder so ein Moment für die Ewigkeit – grandiose Landschaft im Sonnenuntergang, perfekter Service, unterhaltsame Gespräche mit dem Massai und den anderen Mitarbeitern von Nomad und eine Bar, die keine Wünsche offen ließ.


Zurück im Camp haben wir die heiße Dusche genossen und uns in der Lounge getroffen. Ein weiterer Gast war dort – eine Österreicherin, die alleine unterwegs war. Wir haben sie zum Essen an unseren Tisch gebeten und hatten einen wunderbaren, lustigen und informativen Abend. Nach dem köstlichen Essen haben wir uns noch lange mit Mohammed, dem Manager unterhalten – über das Camp, die benachbarten Massai, die sozialen Projekte und , und, und…
Wir hätten noch Stunden sitzen und plaudern können, ein Abend wie bei Freunden. Doch der Wecker in Tansania klingelt früh und die Letzten sind um 23:00 Uhr ins geheizte Zimmer zurück. Die Wärmflasche wartete bereits in dem riesigen kuscheligen Bett, unter uns schlief bereits der Krater – Danke Nomad für diesen wunderbaren Nachmittag und Abend, der uns immer in Erinnerung bleiben wird. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

24.08.20 Serengeti Seronera

Bonna und ich starteten unseren „Early Morning Gamedrive“ um 06:00 Uhr in der Dunkelheit. Es war nach recht kühl und die Serengeti relativ leer. Eine Hyäne, ein paar Antilopen, das war´s. Rund um den Seronera Fluss trafen wir auf einige Nilpferde, die vom Land zurück ins Wasser gingen, wo sie in größerer Zahl zusammentreffen, verraten Sie sich durch ihren sehr strengen Geruch. Zum Ende unseres Ausflugs wurden wir dann doch noch mit 4 Geparden belohnt, die teils spielend an uns vorbei zogen.


Im Camp haben wir gemütlich gefrühstückt, bevor wir mit gepackten Taschen wieder aufbrachen, wir hatten noch ein paar Stationen auf unserem Plan. Zuerst fuhren wir zur Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, die in der Serengeti eine Außenstation hat. Den Verantwortlichen Rian Labuschagne fanden wir letztlich im Fahrzeugbereich der Ranger. Glücklicherweise hat er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch mit uns genommen, dass für alle von uns sehr lehrreich war und uns nochmals aufgezeigt hat, dass der fehlende Tourismus nicht nur den Menschen schadet, die nun keine oder kaum Arbeit haben, sondern auch den Tieren in den Nationalparks. Ohne die Einnahmen aus den Eintritts- und Campinggebühren in den Parks, fehlt es derzeit an Allem. Der Staat hat andere Sorgen und eine Unterstützung für die Parks und die Ranger gibt es kaum bis gar nicht. Die Gesellschaft zahlt (unter vielem Anderen) für Benzin und Reifen der Ranger, damit sie ihre wichtige Aufgabe im Naturschutz aufrecht erhalten können. Mit sinkenden Einkommen steigt die Zahl der Wilderei für „Bushmeat. In drei Tagen wurden in Kogatende, der nördlichen Serengeti 450 Fallen gefunden und entfernt. Ziel der Fallen sind häufig die Gnus, die ja in großer Zahl durchziehen, Opfer werden aber auch alle anderen Tiere, die in den Fallen landen.


Unsere nächste Station war das Tortillis Camp. Wir hatten etwas Mühe das Camp zu finden, die Beschilderung in der Serengeti ist sehr bescheiden und teilweise gibt es dieselben Namen mehrfach. Über Telefon haben wir eine genaue Beschreibung bekommen und die eindringliche Warnung nicht am Parkplatz auszusteigen – es sind Löwen in der Nähe. Das Tortillis Camp liegt in einer sehr wilden Gegend, mit vielen Bäumen und Sträuchern. Wir sahen viele Büffel, Giraffen und Antilopen auf dem Weg. Der Manager freute sich über die Abwechslung und die Möglichkeit ein bisschen erzählen zu können und uns das Camp zu zeigen. Die 14 Zelte liegen rechts und links von dem Restaurant und Loungezelt. Die Löwen konnten wir von unserem Spaziergang aus sehen und erledigten alle Wege etwas zügiger als üblich;-).
Als wir aus dem sicheren Jeep aus etwas näher fuhren, war klar, dass wir uns keine Sorgen hätten machen müssen. Das Rudel hatte einen großen Büffel erlegt, der stolze Mähnenlöwe war schon in der Ruhephase nach dem üppigen Mahl, drei andere mühten sich noch mit dem „unhandlichen“ Mittagessen.


Unser Mittagessen haben wir am Picknickplatz vom Visitor Center genossen, nachdem wir ein kurzes Treffen mit der Tanapa Chefin der Serengeti hatten (Tanapa managt die Nationalparks in Tansania). Wer schon mal da war, kennt den Trubel dort und die dicken Hyraxe (sehen aus wie Murmeltiere), die sich über die Lunchboxen der Touristen freuen.
Jetzt war hier gähnende Leere und die Hyraxe hatten den Platz für sich eingenommen und chillten auf den Tischen und Banken. Selbst zum Betteln waren sie zu bequem – irgendwie lustig, wie die Natur auf Änderungen reagiert.

Wie immer dauerte alles viel länger als sonst und es wurde schon knapp mit der Zeit. Wir haben uns noch das Corona Notfallcenter / Erste Hilfe Station angesehen. Für die Erstversorgung ist hier gesorgt, ein Verdachtsfall auf Corona wurde hier noch nicht eingeliefert.
Auf dem direkten Weg ging es dann zum Naabi Hill, wo wir aus der Serengeti aus- und in die Ngorongoro Conservancy eincheckten. Es war schon nach 17 Uhr, als wir uns zu den Ngorongoro Highlands aufmachten. Zwei Geparde, die quasi am Wegesrande auf uns gewartet zu haben schienen, haben uns ein paar Minuten aufgehalten. Sie zogen an uns vorbei in die Steppe, es schien als ob sie jagen wollten, aber wir mussten weiter.

Die Olduvai Ndogo Lodge erreichten wir kurz vor 18:30 Uhr, den Sundowner Walk hatten wir leider verpasst, aber den Sonnenuntergang haben wir gerade noch gesehen. Die Lodge besteht aus acht wunderschönen Zelten mit Blick in die unendlich weite Steppe. Vom obersten Punkt des Hügels hat man fast einen Rundumblick. Ein großes Lagerfeuer wurde von den Massai angezündet und wir haben uns über das Leben, die Sitten und die Veränderungen durch die Moderne im Leben der Massai unterhalten.


Das Essen (wie immer zu reichlich) war fantastisch und auch dieser Tag ging mit vielen Eindrücken in dieser unglaublichen Natur zu Ende. Ab ins Bett – um 07:00 Uhr wird Morgen gewandert. Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

23.08.20 – Von Grumeti nach Seronera in die zentrale Serengeti

Das Abendessen im Grumeti Hills war köstlich und künstlerisch wertvoll. Der Koch hat für uns ein Viergänge Menu gezaubert und alles wunderschön angerichtet. Wieder mal waren wir die einzigen Gäste, es ist wirklich ein Jammer. Wo sonst funktioniert Social Distancing so gut wie auf Safari. Alles ist offen und an der frischen Luft, man ist mehr oder weniger nur mit den Insassen des eigenen Jeeps zusammen und trotzdem gibt es die Reisewarnung.

Unser Tag hat wieder mal früh begonnen, um 06:30 Uhr hatten wir einen Kaffee und herzhafte Zimtschnecken und sind dann von der Grumeti Hills Lodge in Begleitung eines Guides von der Lodge und eines bewaffneten Rangers los spaziert.


Grumeti ist eine WMA – Wildlife Management Area – im Gegensatz zu den Nationalparks ist hier z.B. Offroad Driving erlaubt (aber Vorsicht! Auch hier liegen viele Felsen und Steine). Auch Nachtfahrten werden angeboten. Das Grumeti Hille verfügt hierfür über Elektro Jeeps, die die Tiere nicht so sehr stören. Das Scheinwerferlicht, mag den ein oder anderen beim Schlummern stören, aber die nachtaktiven Tiere lassen sich wohl nicht stören. Fransisca und Said hatten sich auch noch die Solaranlage mit gut 200 Solarpanelen zeigen lassen (während ich den Sonnenuntergang genossen habe). Das ganze Camp inklusive Pool und die Elektrofahrzeuge wird über Solar betrieben, für das Brunnenwasser gibt es eine Osmoseanlage, die das Wasser in Trinkwasserqualität aufbereitet. Das nenne ich mal Nature Responsible!


Interessant war auch der Blick von oben. Wie mit einem Lineal gezogen war der uns naheliegende Teil der Ebene grün und das dahinter liegende Gebiet goldbraun mit trockenem Gras bewachsen. In der WMA, wie auch in den Nationalparks werden immer wieder mal Gebiete abgebrannt. Den Bäumen scheint es nicht zu schaden und nach den ersten Regenfällen wird alles wieder saftig grün. Macht man das nicht, bleiben die alten, trockenen Gräser stehen und das neue, saftige Gras, das die kleineren Antilopen bevorzugen, tut sich schwer zu wachsen. Die größeren Tiere entgehen den Flammen, aber kleine, langsame Tiere werden ihnen unter Umständen zum Opfer fallen. Des einen Freud des anderen Leid, auch hier in der Wildnis.
Auf unserer Wanderung sind uns Zebras, Giraffen, Topis und Impalas begegnet, für den alten Büffel haben wir einen Umweg gemacht, man zieht sich den Zorn dieser Tiere besser nicht zu. Nach knapp 90 Minuten endete unser Spaziergang am Grumeti Fluss, wo ein Frühstück auf uns wartete. Kann ein Tag schöner beginnen, als an einem sonnigen Morgen unter einem schattigen Baum am Flussufer zu sitzen und bewirtet zu werden? Auf einer mobilen, mit Kohle betriebenen Kochstation wurden Eierspeisen zubereitet, dazu gab es Toast, Pancakes, Obst und Cerealien. Dazu Kaffee, Tee, Milch und Saft. War das herrlich! Sogar eine Camping Toilette war da und wie überall eine Handwaschstation- es wurde an alles gedacht! Im Gegensatz zu den Kollegen am Ngorongoro Gate, waren die Paviane sehr sittsam und haben uns ungestört gewähren lassen.


John hat uns gegen 09:30 Uhr eingesammelt und wir sind zum Grumeti Migration Camp gefahren, um uns das Camp anzusehen. Sehr schöne Lage am Hügel, mir aber eine Spur zu viel Stein und indisches Design. Unser nächster Stopp, eigentlich nur 10 Minuten entfernt, musste etwas auf uns warten. Eine Elefantenherde kreuzte unseren Weg und das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Kurz danach entdeckten Bonna und Said ein Löwenrudel, das so gut getarnt in den Felsen lag, dass es kaum zu erkennen war. Wir zählten 15 Tiere und der Chef war noch nicht mal zu sehen. Wer weiß, ob er nicht auch noch Damen seines Harems bei sich hatte.


In der Simba Lodge, in die wir nun mir Verspätung ankamen, hatte man natürlich Verständnis, dass wir bei den Löwen verweilt haben – heißt doch Löwe auf Suaheli Simba!
Hier gibt es neben des großen Lobby-Restaurant-Pool Areals 15 Zelte und ein Steinhaus mit 6 Zimmern. Auch wenn die Zelte mit der Außendusche authentischer sind, die Aussicht aus dem Steinhaus ist der Hammer. 180 Grad Blick über die Grumeti Ebene – Wahnsinn!


Von allen Lodges fährt man ca. 45 Minuten bis zum Ikoma Gate und fährt direkt von der WMA in die Serengeti. Auf unserem Weg zu unserem heutigen Camp haben wir einen Abstecher zur Four Seasons Lodge gemacht. Ich wollte mir diese Luxusunterkunft mal ansehen, um zu verstehen, warum die Übernachtungen hier so teuer sind. Der Abstecher hat uns zu einer schönen Begegnung mit einem alten Elefantenbullen verholfen, aber ansonsten nichts gebracht.

Die Lodge war verschlossen. Ein Gärtner (allein auf weiter Flur mit Maske) schickte uns zur Personaleinfahrt. Dort saß ein schmucker Wachmann mit Handschuhen und Maske und musste nachfragen, ob wir eintreten dürfen. Durften wir nicht – also wieder zurück und ins Thorntree Camp gefahren. Hier wohnen Bonna und ich in einem der drei Familienzelte, haben erstmal ausgiebig geduscht und geschrieben, den Sonnenuntergang und das Lagerfeuer genossen. Unser Camp hat insgesamt 14 Zelte, ein Restaurant/Bar Zelt mit Wifi, 24 Stunden Strom und warmes Wasser.
Jetzt warte ich auf das Abendessen, bevor es früh ins Bett geht. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

22.08.20 Serengeti Kogatende – Mara Fluss 3. und letzte Chance das Crossing zu sehen

Ein bisschen Gamedrive auf dem Weg zum Tabora Gate und dann Weiterfahrt zu unserer nächsten Unterkunft in Grumeti. Der Tag begann (wie fast immer) um 06:00 Uhr, aber ganz gemütlich. Taschen packen, Emails checken, Fotos schicken und in Ruhe frühstücken. Um 08:15 saßen wir wieder im Jeep und fuhren den Mara Fluss entlang. Wie gestern, nichts Spektakuläres – ein paar Hippos, Warzenschweine, Antilopen, Giraffen. Viel mehr hatte ich für heute auch nicht erwartet.
Dann kam die erste Meldung, an Crossing Nummer 7 sei eine größere Herde bereit sich in die Fluten zu stürzen. Hmm? Da haben wir ja gestern schon Stunden drauf gewartet. Einige Jeeps standen in Position, die Gnus wirkten entspannt. Dann kam die nächste Meldung, an Crossing 10 geht’s los. Der uns unbekannte Sprecher war ganz aufgeregt und sehr lustig: „Kommt, kommt! Hier sind tausende, die ersten haben die Flussseite schon gewechselt. Schnell, schnell! Es sind Milliarden. Los jetzt, es sind 123.567!“
Also los! Ca. 20 Minuten hat die Fahrt gedauert und wir rätselten, ob die Aussage a) stimmt und wir b) schnell genug sind.
Je näher wir an die 10 kamen (man zählt die Zuflüsse zum Mara River von 0 – 13, um sich orientieren zu können) umso mehr Gnus und Zebras sahen wir an der gegenüberliegenden Flussseite. Und dann sahen und hörten wir, wofür tausende Menschen zwischen Juli und Oktober in die nördliche Serengeti kommen.

Ist es das wert? Das viele Geld, das man für eine solche Reise ausgibt? Die Anreise in Coronazeiten mit stundenlangem Masken tragen im Flugzeug und auf den Flughäfen? Stundenlanges fahren auf teils sehr holprigen Pisten, wenn man sich den Luxus des Fliegens zum Kogatende Airstrip nicht gönnt? Ja, ja und nochmal ja!


Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was sich unseren Augen und Ohren bot. Tausende Gnus hatten sich am gegenüberliegenden Ufer versammelt, dazwischen lautstark einige Zebras. Die Überquerung des Mara Flusses hatte begonnen. Was für eine Dynamik, was für ein Gewusel, was für eine Geräuschkulisse, was für ein Kampf! Ich bin so dankbar, dass es solche Gebiete noch gibt, wo der Natur freien Lauf gelassen wird. Gleichzeitig immer wieder demütig und manchmal auch etwas traurig, weil der Mensch immer mehr zerstört.
Jetzt war es aber an der Zeit, dieses Spektakel zu betrachten und natürlich zu dokumentieren. Ich bin mal gespannt, wieviele Fotos und wieviele Videominuten Fransisca, Said und ich am Ende zählen werden.


Die Choreografie war wieder unverständlich und erinnerte teilweise an einen Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen steckt. Einige sprangen ins Wasser, schwammen ans andere Ufer und liefen das Ufer hoch. Als wenn sie rufen würden, „hej, ich habs geschafft – kommt rüber!“ machte scheinbar jedes Gnu seine schafähnlichen Geräusche. An manchen Stellen war die Strömung relativ stark, vor allem dort wo größere Felsen im Wasser waren. Dafür war es dort nicht so tief und das Schwimmen könnte einem eventuell erspart bleiben. Zuerst querten nur die Gnus, die Zebras liefen wie Zeremonienmeister laut brüllend hin und her. Die Gnus gehen immer hintereinander in den Fluss, sobald ein Mutiger den Anfang macht, folgt der ganze Tross. Lassen sie sich von etwas ablenken oder erschrecken vor etwas, bleiben alle stehen und ein neuer Anführer muss gefunden werden. Oft findet dieser sich an einer anderen Stelle, sodass die Gnus immer wieder woanders ins Wasser gehen oder springen und die ganze Herde gerät wieder in Bewegung. Warum einige der Tiere wieder zurück auf die andere Seite schwimmen, bleibt ihr Geheimnis. Zwischendurch ging es ziemlich durcheinander und nachdem die Gnus eben noch von rechts nach links an uns vorbei das Ufer hochgerannt sind, kommen andere von links nach rechts runter und machen sich bereit den Fluss in Gegenrichtung zu queren. Einige trieben in der Strömung ab und mussten kämpfen ans Ufer zu kommen. Manche verloren den Kampf, teils durch eigenes Unvermögen, teils fielen sie den Krokodilen zum Opfer, von denen es hier einige sehr Große gibt. Unglaublich wie schnell ein Gnu unter Wasser verschwindet, dass passiert teilweise in einer Sekunde. Manchmal sieht man die Gnus in merkwürdigen Positionen durchs Wasser schwimmen und verzweifelt nach Luft schnappen. Auch in diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass ein Krokodil im Spiel war. Die Nilpferde auf einer Insel im Fluss, ließen alles stoisch an sich vorbeiziehen, sie fühlten sich offensichtlich nicht gestört. Immer wieder wurden neue Stellen bestimmt, von denen die Gnus ins Wasser sprangen, manchmal von drei Stellen gleichzeitig, teils mit Gegenverkehr. Nach über einer Stunde hatten die Zebras wohl das Vertrauen, dass die Krokodile satt waren und überquerten nun auch den Fluss, schön eingereiht zwischen den Gnus. Mittlerweile trieben schon einige Kadaver durchs Wasser, die von den Geiern flussabwärts sehnlichst erwartet wurden. Auf der von Wasser überspülten Brücke, die auf Höhe des Flughafens zum Asilia Camp auf der anderen Flussseite führt , hatten wir schon morgens mehrere tote Gnus liegen sehen.


Es war ein unglaubliches Erlebnis diesem Naturspektakel zusehen zu dürfen – quasi auf den letzten Drücker, nachdem wir 2,5 Tage gehofft und gewartet haben. Ich bin sehr dankbar! Und ich bin sehr froh, dieses Schauspiel jetzt erlebt zu haben – es waren ca. 15 Safarijeeps um uns herum, die Fahrer waren sehr kollegial miteinander und haben sich gegenseitig Platz gegeben, dass jeder eine gute Sicht hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier in „normalen“ Zeiten zugeht, wenn sich hunderte Jeeps am Ufer drängen – da wird es mit der Kollegialität schnell vorbei sein. Was schade war, ist das ein Fahrer einen Gast auf dem Dach des Jeeps haben stehen lassen, manche saßen darauf und es wurde auch ausgestiegen für das Selfie mit „Migrationshintergrund“. Auch wenn man viel Geld für so eine Reise bezahlt, man sollte nicht alles dürfen und die Guides sollten dafür Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden. Selbst als wir uns im Auto schnell bewegt haben, waren einige Gnus irritiert und der Mensch außerhalb des Autos hat einige Gnus zum Umkehren bewogen. So ein Verhalten geht gar nicht! Soll man die Safarifirma jetzt anzeigen? Nach langen Monaten ohne Arbeit wird ein gutes Trinkgeld dringend gebraucht – ach ich weiß auch nicht. Corona macht so Vieles so schwer.


Aber zurück zu den großartigen Momenten des Tages. Wir konnten uns nicht los reißen von der heutigen traumhaften Choreographie der Gnus und haben unser Mittagessen mit Gnus und Zebras genossen. Wie gut, dass Social Distancing an der frischen Luft kein Thema ist;-)

 

Über 2,5 Stunden haben wir das Highlight der Migration erleben dürfen, dann mussten wir wirklich los, wir mussten noch bis Grumeti, wo die traumhaft auf einem Hügel gelegene Grumeti Hills Lodge liegt. 21 Zimmer auf einem Hügel, 2 Familienzimmer, 1 Honeymoonzimmer mit freistehender Badewanne, ein Pool mit Aussicht. Alles wird mit einer riesigen Solaranlage betrieben, sogar die Safarifahrzeuge, mit denen auch Nachtsafaris angeboten werden. Wir haben genug Jeepstrecke hinter uns und lassen die Tieren ihre verdiente Nachtruhe. Aber morgen machen wir eine Walking Safari zum Grumeti Fluss, nachdem unser Muskelkater aus den Usambara Bergen verschwunden ist, freuen wir uns alle auf ein bisschen Bewegung.


Hier sind übrigens erstmalig Mücken unterwegs, Tse Tse hatten wir in der Nähe des Kogatende Airstrips hingegen täglich.
Jetzt gibt es noch Abendessen und dann geht´s ab in´s Bett. Ich wette, ich zähle Gnus zum einschlafen (Schäfchen sind out!) und träume vom Hmä, Mhm, Mhe der Gnus.
Gute Nacht nach einem großartigen Tag – Lala Salama!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

21.08.20 Serengeti Kogatende – zweiter Versuch das River Crossing am Mara Fluss zu erleben

Wie immer auf Safari, klingelte der Wecker früh um 6:00 Uhr. Leider gab es heute nicht den persönlichen Weckservice mit Kaffee oder Tee. Die ersten Anzeichen der Dämmerung waren draußen über dem Fluss schon zu sehen. Schnell haben wir uns fertig gemacht und sind zum Frühstück gegangen. In dem offenen Raum war es noch ganz schön kalt, so dass wir uns nicht lange aufgehalten haben. Wunderschön war der Sonnenaufgang direkt über dem Fluss. 

Um kurz nach sieben sind wir losgefahren, Fransiska hat sich entschieden, in der Lodge zu bleiben um etwas zu arbeiten. Um kurz nach sieben sind wir losgefahren und hatten aufgrund der kühlen Temperaturen das Dach erst noch zugelassen. Morgens ist es noch ganz schön kalt, vor allem im Fahrtwind. Die erste Stunde haben wir nicht viel gesehen, außer ein paar Gazellen und Gnus. Die Raubkatzen verrieten nur durch die zahlreichen Kadaver, dass sie in der Nähe sein müssten. Irgendwann hatte John ein Ziel und gemeinsam mit einem anderen Jeep machten wir uns auf die Suche nach dem großen Fragezeichen. Die Fahrer sagen nicht immer auf welcher Suche sie sind, um a) die Kunden zu überraschen und b) nicht zu enttäuschen, wenn das Gesuchte nicht gefunden wird. Wir haben erraten, dass es sich wohl um Geparden handeln muss, die wir auch tatsächlich nach einer guten halben Stunde zwischen den Büschen am Flussufer entdeckten. Es war ein Bruderpaar, dass sich durch die mittlerweile fünf Jeeps nicht stören ließen und ein bisschen schmusten, ein Stück gemeinsam spazierten, sich unter einen Busch in den Schatten legten, wieder ein Stück liefen, bis sie das Flussufer herunter gingen und unserem Blickfeld entschwanden. Was für wunderbare und elegante Tiere!



Weiter ging unsere Fahrt durch Kogatende am Ufer des Mara Flusses entlang. Es waren wieder mehr Gnus zu sehen. Die Herde, auf deren Crossing gestern einige, teils vergeblich, gewartet haben ist noch weiter gezogen und hat den Fluss gegen 18 Uhr an einer anderen Stelle überquert. Eigentlich hätten da schon alle Gamedrives beendet sein müssen, aber derzeit scheint es nicht so viele Kontrollen zu geben.
Gegen 12:30 trafen wir auf eine große Gruppe Gnus, die sich am anderen Mara Ufer auf einer Klippe sammelten. Während unseres Mittagessen im Jeep beobachteten wir die für uns völlig unverständliche Choreografie der Gnus und einiger Zebras. Die Herde zog nach links und dann nach rechts, einige blieben stehen, um dann umso schneller hinterher zu rennen. Diverse Jeeps warteten in einiger Entfernung, um die Tiere nicht zu stören. Immer wieder dachten wir, dass es jetzt los geht und die Tiere den Fluss überqueren, aber der eine Mutige, der den Anfang machen muss, war leider noch nicht gefunden. Verständlich – warten im Fluss ja nicht nur die Krokodile sondern auch Nilpferde, die ebenfalls sehr unangenehm werden können, sobald sie sich gestört fühlen.
Die Herden werden oft von Zebras angeführt, die über ein größeres Erinnerungsvermögen verfügen. Wenn es aber zur Flussüberquerung kommt, werden die Gnus vorgelassen. Sie folgen erst, wenn die Krokodile satt sind.


Nach über einer Stunde sind einige Zebras die Klippe runter zum Wasser gelaufen, die Gnus folgten sofort und nach einiger Zeit war die kleine Landzunge voll. Doch anstatt den Fluss zu queren, gingen die ersten Gnus die Klippen wieder hoch. Es herrschte ein ziemliches Gedränge bis die Zebras nach links abschwenkten und über flaches Gelände weiterzogen. Die Herde teilte sich, einige gingen wieder zurück auf die hohe Klippe nach rechts, die anderen zogen nach links.
Wieder einige Zeit später zogen die von der rechten Klippe ins freie Gelände und machten nicht mehr den Eindruck heute auf die andere Seite zu wechseln. Also fuhren wir wieder nach Westen, von Crossing Point Nummer 7 zu 6, in der Hoffnung, dass die andere Gruppe sich heute noch auf zu anderen Ufern macht. Es wurde 16, es wurde 16:30 Uhr. Ca. 10 Autos folgten der Herde, das gleiche machte auch eine kleine Gruppe Gnus auf unserer Flussseite. Sie fanden wohl ihre Gruppe zu klein und hofften auf Verstärkung.
Irgendwann gab die kleine Gnuherde auf, wir aber folgten weiter – alle Jeeps langsam hintereinander her – ein bisschen wie im Disneyland, wo die Menschen in kleinen Booten oder Karren im gleichen Abstand durch die animierte Welt befördert werden.
Vielleicht hätten wir auch aufgeben sollen. Aber gestern ist die Herde nach einigem Wandern ja auch noch über den Mara Fluss gekommen.
Leider hat alles Warten und Hoffen nichts genutzt, jedes Tier blieb auf seiner Seite des Flusses. So kann es gehen aus Safari, mal sieht man unglaublich viel ohne großartig suchen zu müssen und mal bringt man soviel Geduld und Zeit auf und wird doch nicht belohnt. Ein Grund wieder zu Kommen ;-)!
Wir sind den Fluss noch weiter entlang gefahren und haben immer wieder Gnus gesehen, die aber nicht zur Mutprobe über den Fluss bereit waren. Endlich kamen wir am kleinen „Flughafen“ an, mit der einzigen Toilette weit und breit. Hätte ich gewusst, dass das Warten auf die Gnus vergeblich war, hätte ich mich nicht so lange gequält und wäre schon früher hier gewesen. Alternative ist natürlich immer die Buschtoilette, aber wenn alle Jeeps so schön zusammenstehen, um auf die Herden zu warten, ist das irgendwie auch blöd 😉


Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es in normalen Zeiten hier sein mag. Laut John sind dann hunderte von Jeeps unterwegs – jetzt haben wir den ganzen Tag maximal 20 gesehen. Meine Frage, ob es öfters zu Unfällen kommt, wenn alle Fahrer mit Abstand vom Fluss auf das Crossing warten und dann auf einmal losfahren, um ihren Kunden die bestmögliche Sicht auf das Spektakel zu ermöglichen, wurde eindeutig mit ja beantwortet. Ich bin froh, dass wir genau jetzt die Möglichkeit hatten hier zu sein, auch wenn wir das Crossing nicht erlebt haben. Als die Gnus mittags die Klippe runter (und dann auch wieder hoch) sind, konnte man ja schon ganz gut erahnen, wie es sein würde, wenn die Tiere wirklich in den für sie gefährlichen Fluss springen.


Es ging jetzt wieder zurück zur Lodge. Nach einem kurzen Regenschauer war die Sicht ganz klar und die Sonne tauchte die Ebenen, die teils goldfarben waren – wie reifes Korn – und teils leuchtend grün an den Stellen die vor ca. 4 Wochen abgebrannt wurden. Unsere Kunden berichteten vor drei Wochen von großen, schwarzen, verbrannten Flächen. Nach einigen kurzen Regenschauern explodiert die Natur wieder und das Grün kommt leuchtend aus dem schwarzen Boden geschossen. Dunkelgraue Regenwolken, gleißendes Sonnenlicht, das saftige Grün, ein Regenbogen und die leuchtenden Zebras und zahlreichen Gnus zauberten eine stimmungsvolle Szenerie. Nach über 11 Stunden Safari kamen wir zum Sonnenuntergang in der Lodge an. Emails checken, duschen, Abendessen, das Nötigste arbeiten und müde ins Bett inmitten der unfassbaren Natur Tansanias. Lala salama – gute Nacht!

 

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

20.08.20 Serengeti Kogatende

Ein perfekter Morgen auf Safari beginnt mit einem Kaffee oder Tee, der ins Zimmer / Zelt gebracht wird. Im Lamai Serengeti gibt es eine Luke von außen, wo das „Heißgetränk“ reingestellt wird, welches man von der Zimmerseite aus rausnehmen kann.
Heute habe ich den „Corona Tee“ gewählt“ – sehr scharf nach Ingwer, Zimt und Kräutern schmeckend. Die Tansanier glauben, dass damit alles ungesunde vernichtet wird. In der Tat, war der Tee so scharf vom Ingwer, dass ich das Gefühl hatte, es brennt mir den Rachenraum weg – und das noch vor 06:00 Uhr!
Der Ranger von Nomad hat uns begleitet. Gestern hatte ich schon gedacht, dass er mir bekannt vorkam, vor allem der Name Pius und mittags habe ich dann die Fotos gecheckt – Pius hat mich schon auf meiner Walking Safari in Ruaha im Oktober 2019 begleitet. Er arbeitet eigentlich dort, aber aufgrund von Corona, ist das Camp noch geschlossen. Das ist wirklich traurig zu sehen – alle Camps haben kaum Buchungen, normalerweise sollte um diese Jahreszeit fast alles ausgebucht sein.


Unser Morgen verlief spannend, unsere beiden Guides standen über Funk mit einem weiteren Fahrer von Nomad in Verbindung, der mit einem professionellen Fotografen unterwegs war – irgendwas hatten die Beiden bereits entdeckt. Das Gelände hier ist hügelig, es gibt viele Gräben und überall sind größere und kleinere Felsen und große Steine, als hätte ein Riese in seine Kiste gegriffen und die Steine wahllos in die Gegend geworfen. Zwei junge Leoparden kamen uns entgegen, liefen am Auto vorbei und tollten die Wiese herunter. John, unser Fahrer wollte ihnen folgen und „Rumms“! saßen wir fest. Vorwärts, rückwärts, Vierradantrieb – nichts funktionierte. Sofort kam der Nomad Jeep mit dem Fotografen, der die Leoparden nun ziehen lassen musste, zur Hilfe. Von hinten geschoben, von vorne geschoben – nichts. Alle Männer raus aus den Autos und gucken. Abschleppseil angebracht, Abschleppseil gerissen und immer dieses furchtbarre knarrende Geräusch, wenn der Jeep über den Felsen kratzte. Pius suchte jetzt zwei große Steine, auf die das Hinterrad versuchen sollte hochzufahren. Drei Männer dirigierten John vor, zurück, Lenkrad links, Lenkrad rechts und tatsächlich, wir bekamen wieder freie Fahrt. Toll zu sehen, wie die Fahrer zusammenhalten, sobald einer in Not ist, wird geholfen. Und wie schön, dass es doch nicht ganz so einsam in der Serengeti ist.

Nach dem Schreck entdeckten wir noch einen jungen Leoparden auf einem Felsen liegen, der sich geduldig fotografieren und filmen ließ. Ob es einer von den Beiden vorher gesehenen war, kann ich nicht sagen. Meine kleine Lumix Kamera hat leider den Geist aufgegeben – ich fotografiere jetzt nur noch mit dem Handy und habe noch die Videokamera – und verlasse mich auf Saids Fotokünste.


Jetzt war es aber Zeit für´s Frühstück, das auf dem Jeep unter einer Akazie angerichtet wurde. Pius hatte sogar noch Klappstühle für uns mitgenommen und wir genossen ein tolles Frühstück mit Blick auf den Marafluss. Das sind Momente, die man ewig festhalten möchte!
Nachdem wir uns gestärkt hatten ging unsere Pirschfahrt weiter und wir sahen (wie man hier so schön sagt) das Übliche: Zebras, Gnus, Elefanten, Giraffen, unterschiedliche Antilopen, Geier und Hyänen. Die Löwen, der Gebrüll wir die Nacht über gehört haben und an deren Beuteresten sich die Hyänen und Geier vergnügten, bekamen wir nicht zu sehen.
Am Marafluss hatten sich schon einige Jeeps eingefunden, da eine Herde Gnus auf der anderen Flussseite den Eindruck machten diesen queren zu wollen.


Eigentlich geht die Migration jetzt in Richtung Norden nach Kenia in die Massai Mara, diese Gruppe war offensichtlich auf dem Weg zurück nach Süden. Einige kräftige Regenschauer in den letzten Tagen bringen die Tiere wohl durcheinander, die Gnus folgen meist dem Regen und haben ein feines Gespür dafür. Alle Jeeps warteten ein ganzes Stück vom Ufer entfernt, um die Tiere nicht zu verschrecken. Einmal in Bewegung ist die Herde wohl nicht mehr (oder nur schwer) zu Stoppen und die Autos preschen nach vorne, damit die Gäste das Spektakel der Flussquerung sehen können.
Die Gnus wirkten etwas unentschlossen, die Positionen wurden mehrfach gewechselt, aber kein Tier näherte sich dem Mara Fluss, in dem wir die Nilpferde und Krokodile schon erspäht haben.
Nach einer Zeit beschlossen wir nicht länger zu warten und zum Lunch wie verabredet in die Lodge zu fahren. Wir haben uns noch die Familienzimmer angesehen, ein paar Fotos vom Pool gemacht und uns schweren Herzens aus der wunderschönen Lamai Lodge und den herzlichen Mitarbeitern verabschiedet.


Unser erster Stopp war bei den Giraffen, eigentlich nichts Spektakuläres, aber ein jüngerer Bulle, wollte eine ältere Dame beglücken. Ob es seine Unerfahrenheit war oder man als Giraffenbulle einfach größer sein muss entzieht sich meiner Kenntnis. In der halben Stunde wo wir zuschauten, mühte er sich redlich aber ohne Erfolg. Ein älterer Bulle schlenderte vorbei, sah sich das Geschehen aus der Nähe an und spazierte weiter. Wäre er ein Mensch gewesen, hätte er wahrscheinlich den Kopf geschüttelt 😉
Ansonsten gab es auf unserem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, der Mara River Post Lodge nichts Besonderes zu sehen, außer natürlich Zebras, Gnus, Gazellen und wunderschöne Landschaft.
Die Mara River Post Lodge ist die letzte Unterkunft im Westen von Kogatene, der nördlichen Serengeti und liegt direkt am Mara Fluss. Von jedem Zelt aus, kam man den Fluss sehen, der hier eine Kehre macht, sodass auf jeder Seite des Hügels 8 Zelte sind, die jeweils über ein eigenes Restaurant verfügen. So kann man größere Gruppen von Individualreisenden trennen und es wirkt persönlicher und privater. Der Pool wird von beiden Seiten genutzt und die dazu gehörende Terrasse bietet fast einen Rundumblick.
Die Zelte sind schön und zweckmäßig eingerichtet, alle haben Blick auf den Mara Fluss und das Solarsystem sorgt für 24 Stunden warmes Wasser und Strom.


Beim Abendessen wurden wir mit einem drei Gängemenue verwöhnt und lauschten unter dem großen Strohdach dem Regen und Gewitter draußen.
Müde fielen wir in unsere Betten, Fransisca und Said in einem Zelt, Bonna und ich in dem daneben. Lala Salama – gute Nacht!

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19.08.20 Vom Lake Natron zur Serengeti

Wir waren ja schon vorgewarnt, da Kunden diese Strecke nach den vielen Regenfällen auch schon gefahren sind. Um kurz nach 6 sind wir los und um 13:30 waren im am Kleins Gate der Serengeti angekommen. Eine Stunde hatten wir Pause gemacht, Frühstück, Tankversuch (Diesel war aus), Apotheke und „Supermarkt“ für Wasser. Supermarkt auf dem Dorf ist eine kleine Bude, so groß wie bei uns ein Bäcker.


Das war keine African Massage, das war der Schleudergang. Trotzdem: der Schlenker zum Lake Natron ist der Mühen wert. Aber ich muss gestehen, dass die Tour eine ganz schöne Tortur ist – nicht nur für den Fahrer, auch für die, die hinten durchgeschüttelt werden. Das Wasser ist augenscheinlich in Sturzbächen runtergekommen und hat die Sand-, Schotter und Felspisten ausgewaschen und teils ausgehöhlt. Immerhin gab es tolle Landschaften und neben den Nutztieren wie Kuh, Ziege, Schaf, Esel, Dromedar auch Zebras, Giraffen, Perlhühner und Antilopen zu sehen. Unser Mittagspicknick machten wir direkt am Kleins Gate und sahen von dort schon Gnus und Zebras. Um 14:30 ging die Fahrt weiter durch die nördliche Serengeti in Richtung Westen zum Mara Fluss.


Beim Anblick der vielen Zebras und Gnus habe ich die Strapazen der Anreise fast schon wieder vergessen. Diese Vielzahl an Tieren ist einfach unglaublich und sucht seines Gleichen. Zwischendurch mal eine Giraffe, ein paar Elefanten, Büffel, Topis, Impalas, Sekretärvögel, eine Hyäne (beim Schreiben höre ich gerade auch welche), Warzenschweine, Geier und kurz vor unserem Ziel, der Lamai Serengeti Lodge von Nomad Tanzania, ein paar Klippspringer – Leibspeise der Leoparden.


Die Camps von Nomad sind uns seit unserer Reise im Oktober 2019 schon bekannt und der außerordentliche und persönliche Service hat uns da schon begeistert.
Als wir ankamen standen 3 fröhlich winkende Männer mit Gesichtsmasken! Und schwankend wie Seemänner kletterten wir 11 Stunden nach Abfahrt am Lake Natron aus dem Jeep. Das erste Mal auf der Tour erfolgte hier die (eigentlich) vorgeschriebene Prozedur mit Fiebermessen und Händewaschen, bevor es in die Lodge ging.


Wow! Ist das schön! Das Design, die Liebe zum Detail, dieser Ausblick! So sieht der Traum von einer Safariunterkunft aus und wir dürfen das jetzt bis morgen genießen. Nach einem ausführlichen, aber eloquenten Briefing, ging es kurz auf die „Zimmer“. Es gibt 10 einzeln stehende Unterkünfte auf Plattformen, die hinten gemauert und nach vorne zur Serengeti nur mit Moskitogaze versehen sind, sodass man von überall, selbst von der Dusche und der Toilette in die Serengeti guckt.

Schnell feste Schuhe anziehen – wir waren zum Sundowner Spaziergang geladen. Es ging auf den höchsten Felsen (Kopje) des Hügels, so ein großer, abgerundeter auf dem eigentlich ein Löwe liegen müsste. Gut beschützt standen wir auf diesem exponierten Felsen, die Serengeti uns zu Füßen und konnten nur noch gut bewacht genießen.


Vor dem Abendessen trifft man sich am Kaminfeuer, serviert wurde auf der Terrasse, das Essen und der Rotwein waren fantastisch, der Service liebevoll und aufmerksam, aus der Dunkelheit hört man die Tiere und über uns funkeln die Sterne. Besser geht nicht!!!
Danke Nomad Tanzania für diesen großartigen Abend.
Ich liege jetzt im Bett und höre Gnus, Löwengebrüll, das Lachen der Hyänen und ganz viel Gezwitscher und Gezirpe. Oh ja, die Fahrt hat sich gelohnt! Lala Salama – gute Nacht!

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