reisebericht

13.08.20 Reisen in Corona Zeiten – es geht tatsächlich wieder los

Wie ist die Lage in Tansania? Offizielle Zahlen zu Coronainfektionen gibt es nicht, alle meine Kontakte vor Ort sagen, das Leben geht weiter wie bisher, die Schulen sind wieder geöffnet und die Menschen gehen zur Kirche, in die Moschee und auf die Märkte.
Wer bislang vom Tourismus lebte, muss mitunter kreativ werden und sich eine andere Verdienstmöglichkeit suchen, Verwandte haben die einen unterstützen oder sich sehr stark einschränken. Manch ein Jeep ist wohl zu einem mobilen Gemüsestand geworden;-)

Es ist an der Zeit, mich selbst vor Ort umzusehen und mir selbst ein Bild zu machen!

Das Fliegen ist heutzutage (eigentlich) Routine, nur „Erstflieger“ und Menschen mit Flugangst empfinden eine Flugreise noch als ein Abenteuer. Aber unser „Normal“ ist nicht mehr da und eine Flugreise gibt Anlass zu ausschweifenden Diskussionen. Unverantwortlich – „Du gefährdest die Menschen vor Ort, Du gefährdest Dich, ist es denn so schwer, mal zu Hause zu bleiben…„ Und natürlich gibt es auch die Neider, die sich insgeheim weg träumen aus diesem Irrsinn, der jetzt unser neues „Normal“ ist.
Die Entscheidung jetzt in ein Land mit Reisewarnung zu reisen muss jeder für sich selbst treffen. Wie sehe ich mein eigenes Risiko und wie sehe ich das Risiko Andere mit meiner Reise zu gefährden?
Zu 1) Corona ist ein gefährlicher Virus, das weiß ich aus meinem direkten Umfeld. Mein Mann ist im März an Corona erkrankt, der Krankheitsverlauf war kein Spaziergang, aber er konnte sich zu Hause auskurieren. Den Rest der Familie hat er nicht angesteckt, vermutlich war er in dem hoch infizierenden Zeitraum noch im Schwabenländle bei der Arbeit (wo er auch niemanden angesteckt hat). Immer noch fühlt er sich schlapp und ausgelaugt, ist kurzatmig, hat bei Anstrengung Schmerzen in der Brust und wird von Arzt zu Arzt weitergereicht.
Ich nehme das Risiko einer Ansteckung also nicht auf die leichte Schulter und denke trotzdem, dass die Gefahr sich anzustecken in Berlin, Wien, Mallorca oder an unseren Ostseestränden nicht höher ist als in Tansania. Wer des Öfteren mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin fährt und sich über die laxen Kontrollen der Maskenpflicht wundert, wer in den seltensten Fällen in (oft sehr vollen) Restaurants nach Kontaktdaten gefragt wird und wer die nächtliche Partyszene in Spätis (die typischen Berliner Spätverkaufsstellen, die mit billigen gekühlten Getränken die nächtlichen Parkgänger versorgen), Parks und Flussufern sieht, der sieht in einer Reise auch kein höheres Risiko als in seiner geliebten (und manchmal wegen der behördlichen Unstrukturiertheit auch weniger geliebten) Heimatstadt.
Die meisten Reisenden zieht es nach Tansania, um die weitläufige und großartige Natur zu erleben, die derzeit fast menschenleer ist. Sich auf einer privaten Jeepsafari anzustecken, wo man mit seinem Fahrer alleine in einem meist offenen Fahrzeug unterwegs ist und in weitläufigen Zeltcamps oder Lodges übernachtet, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Märkte, Menschenansammlungen und allzu nahe Kontakte sollte man meiden oder, wie auch für den Flug, eine FFP2 Maske mitnehmen. Die Modelle ohne Ventil schützen den Träger und die Kontaktpersonen.

Diese Masken bringen mich auch zu Punkt 2 – wie kann ich Andere schützen? In dem man 14 Tage vor Abreise seine sozialen Kontakte einschränkt um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Maske tragen, wo immer es eng wird und ein Coronatest, der wohl bei Einreise in Tansania vorgezeigt werden muss. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage – was mache ich, wenn der Test positiv ausfällt? Nicht reisen!!! Auch wenn man viel Geld für die Reise bezahlt hat und sich sicherlich sehr darauf gefreut hat. Wer aus egoistischen Gründen trotzdem reist handelt grob fahrlässig und kann seine Reise aufgrund der eigenen trüben Gedanken sicherlich nicht wirklich genießen.

Jeder, der sich dazu entschließt zu reisen, sollte sich bewusst sein, dass viele Reiseversicherungen bei Reisewarnung und Pandemie nicht haften. Auch unsere Veranstalterhaftpflicht haftet nicht bei allem was Corona betrifft. Der Beinbruch, der durch unser Verschulden passiert ist aber weiterhin versichert;-).
Als Reiseversicherung beweist sich gerade die Hanse Merkur, die ihre Leistungen bei Pandemie und Reisewarnung nicht ausschließt. So ist ein Rücktritt aufgrund einer Coronaerkrankung abgesichert und durch einen Corona Zusatzschutz kann man auch den Rücktritt bei Quarantäneverordnung absichern.

Alle die jetzt reisen, erleben ein Tierparadies ohne Jeepansammlungen – der Parkplatz des Ngorongoro Picknickplatzes gleicht manchmal einem Automarkt für gebrauchte Safarijeeps. Die Autos denen man begegnet sind meist von Einheimischen genutzt und die paar ausländischen Touristen genießen die gesamte, teils auch erdrückende Aufmerksamkeit der lokalen Souvenirverkäufer und Markthändler. Reisen in Coronazeiten ist sicherlich auch abenteuerlicher, manchmal fühlt man sich ja auch sicherer, wenn immer andere Fahrzeuge in Sichtweite sind, man könnte ja auch mal eine Panne haben, zumal die Pisten teilweise in einem desolaten Zustand sein sollen. Nach dem vielen Regen im Frühjahr wurde bezüglich Instandsetzung kaum etwas gemacht. Warum auch, wenn man nicht weiß was zuerst wieder kommt – die Touristen oder der nächste Regen, der alle Bemühungen wieder zunichte machen würde.

Ich habe mich also entschieden zu reisen. Der Coronatest war unangenehm, da die Proben tief im Rachen und der Nase genommen werden. Das Ergebnis habe ich am nächsten Tag bekommen. KLM hat das Dokument nicht sehen wollen, genausowenig wie das „Health Screening Form“ das ausgefüllt mitgeführt werden sollte.

Der Online CheckIn hat wie immer funktioniert und um 04:30 Uhr erwartete mich mein Taxi in der Dunkelheit. Der Flughafen Tegel war weit von früherer Geschäftigkeit entfernt, die einzige Maskenträger-Schlange (eine neue, aber in letzter Zeit häufiger anzutreffende Spezie) war bei der Sicherheitskontrolle zu unserem Flug. Der Tegelerfahrene weiß aber, dass jedes Gate zwei Eingänge hat und schon hatte ich nur noch 4 Fluggäste vor mir. Das Einsteigen war nach Zonen geregelt, die sich mir nicht erschlossen haben – wäre es nicht sinnvoll zuerst die hinteren Reihen – erst Fenster, dann Mitte (ja, diese Plätze waren auch zum Teil belegt), dann Gang und dann die vorderen Reihen zu füllen. Nun durften die Herrschaften in den teuren vorderen Reihen, wie immer, sämtliche Passagiere an sich vorbei ziehen lassen. Ich saß in der vorletzten Reihe und hatte Boarding Gruppe 4🤷🏼‍♀‍. Egal – mit meiner FFP2 Maske ausgestattet zwängte ich mich also durch den gut besuchten Mittelgang nach hinten.
Der Abflug in den Sonnenaufgang war wunderschön und Berlin zeigte sich sehr fotogen in der aufgehenden, Hitze versprechenden Sonne – was bin ich froh den erwarteten 35 Grad heute entkommen zu sein. Wem der deutsche Sommer zu heiß ist, ist in Tansania übrigens sehr gut aufgehoben – in Arusha werden heute 25 Grad erwartet, wie herrlich!
Für die Getränke konnte man die Maske mal absetzen – (Hurra), den Blick von oben ganz bewusst genießen (Nichts ist mehr selbstverständlich) und schon landeten wir in Amsterdam. Durch die Flugrichtung gen Westen war auch hier noch Sonnenaufgang. Der Blick aus dem Fenster verriet mir, dass mein Gepäck es auch bis nach Amsterdam geschafft hat. Der Flughafen ist verhältnismäßig leer, der Flugplan überraschend umfangreich und einige Restaurants sind geschlossen. Die Passkontrolle war schnell erledigt – ich liebe diese Automaten, in die man seinen Pass legt und abgescannt wird. Kurz die Maske runter, trotz der Müdigkeitsfalten erkannt worden und weiter geht’s. Was mich wunderte – es hat keine weitere Kontrolle gegeben, kein Scanner und keine Durchleuchtung des Handgepäcks. Wird das Personal jetzt dazu gebraucht auf Abstandsregeln zu achten und den korrekten Sitz der Masken zu überprüfen?
Die knapp 3 Stunden Wartezeit gehen schnell vorbei, Emails checken, Facebook posten, Bericht schreiben, teuren Kaffee trinken und noch teureres Brötchen essen und schon ist es wieder Zeit sich zum Gate zu begeben. Hoffentlich geht es so reibungslos weiter.

Ich hatte lange überlegt, welchen Platz ich mir beim Online CheckIn für die Langstrecke wähle, weiter vorne ist es meist voller, weiter hinten kommt man später raus und steht bei der Einreise länger in der Schlange. Habe mich für weiter hinten entschieden und wurde mit einer Dreierreihe für mich alleine belohnt. Auch hier wurden Zonen auf den Bordkarten vermerkt, aber alle stiegen „unsortiert“ ein – könnte man besser machen.
Der Abflug war pünktlich um 10:50 und um 12:00 Uhr gab es ein Essen, zu dem man dann die Masken absetzen durfte. Eine Auswahl gab es nicht, alle bekamen Nudelsalat, mit Käse überbackene Nudeln mit etwas Gemüse (wirken Nudeln gegen Corona oder wieso so viel davon???) und einen leckeren Nachtisch. Danach wurde der Service eingeschränkt und für den Rest des Fluges eine Snacktüte verteilt – Dose Cola, Muffin, Nüsse, Obstriegel. Wer darüber hinaus etwas wollte, konnte nach der Stewardess klingeln oder nach hinten in die Bordküche gehen, um sich etwas zu holen. Auch der Sinn hinter dieser Vorgehensweise erschließt sich mir nicht, aber muss ja auch nicht;-).
Es hätte wirklich ein super entspannter Flug sein können, wäre da nicht die Familie mit den 3 Söhnen aus Burundi gewesen. Sohn Nr 3, ca. ein Jahr alt, hatte irgendein Problem. Er brüllte von Amsterdam bis nach Ägypten, die Mutter saß relaxt neben dem mittleren Sohn und der Vater kämpfte mit dem armen Zwerg, der ihm immer die Maske abreißen wollte, worauf es Ärger mit der Stewardess gab. Die Beißattacken ließen darauf schließen, dass der Kleine Zähne bekam. Die Zeiten, dass ich Dentinox dabei hatte, sind erfreulicherweise schon länger vorbei, so konnte ich nicht helfen. Nach einem Film habe ich mich dann auf meinen drei Sitzen ausgestreckt, die Oropax in die Ohren und habe herrlich geschlafen. Der Zwerg ist zwischenzeitlich auch der Erschöpfung erlegen und war endlich still.

Da nur ein Teil der Passagiere, übrigens mehrere Familien mit Kindern und auch Mutter und Tochter mit kleinem Hund, in Kilimanjaro ausgestiegen ist, hielt es sich mit den Schlangen bei der Einreise in Grenzen.
Vor dem Flughafengebäude wurden die Hände desinfiziert und dann reihte man sich ein zur Gesundheitskontrolle. Das dauerte schon mal. Im Flugzeug gab es ein Gesundheitsformular welches dort eingesammelt wurde und darauf wurde die dann gemessene Körpertemperatur eingetragen. 36,8 – berechtigt zur Einreise. Das Einreiseformular gab es auch schon im Flugzeug, ein extra Visaantrag war nicht mehr vonnöten.
An der 2. Station wurde das Foto (ohne Maske;-) und die Fingerabdrücke genommen, an der 3. Konnte man bezahlen – trotz großer Visawerbung oben drüber nur in US Dollar in bar zu zahlen. An Station 4 gab es dann den Stempel in den Pass. Meinen Covid19 Test wollte auf der ganzen Reise niemand sehen.
Wir haben die Vorschriften so verstanden: wer bei Rückreise in seinem Heimatland einen negativen Covid19 Test vorlegen oder in Quarantäne muss, von dem wird der Test auch bei Einreise in Tansania verlangt.
Ich habe dann noch einen sehr offiziell aussehenden Mann gefragt, wie denn die Regeln mit dem Test seien. Etwas verwundert meinte er, es gibt doch die „Gesundheitsstation“. Da sei aber gar nicht nach einem Test gefragt worden. „Hm. Die Regeln sind nicht so klar.“ Aha! Scheint mir auch so. Ich empfehle auf jeden Fall den Test vor Abreise zu machen, auch wenn er vielleicht nicht verlangt wird. Sicher ist sicher! Gelbfieberimpfung hat auch niemanden interessiert, aber die ist auch definitiv nicht vorgeschrieben. Wird aber des Öfteren verlangt, vor Allem auf Sansibar. Nicht beirren lassen und selbstbewusst sagen, dass diese Impfung nicht vorgeschrieben ist. Wird weiter insistiert nach dem Vorgesetzten fragen.

Das Gepäck stand schon bereit, bei Verlassen des Flughafens wird es nochmal durchleuchtet und nach ca. 40 Minuten war ich draußen. Mein Fahrer von der KIA Airport Lodge erwartete mich bereits und ich folgte ihm zum Auto. Wie aus der Ferne hörte ich meinen Namen und da stand auch schon Heriel, einer unserer Fahrer vor mir. (Erst jetzt fiel mir auf, dass ich die Oropax immer noch drin hatte! Und ich dachte, dass liegt an den Masken, dass die bei der Einreise alle so schlecht verständlich sprachen;-)
Das war jetzt ein komischer Moment, da die sonst übliche herzliche Umarmung ausfiel und dem „Ellenbogengruß“ weichen musste. Heriel wartete auf Kunden aus Frankreich, die mit derselben Maschine gelandet waren. Laut meinen Gesprächen mit Kunden und auch später in der Lodge, sind die Franzosen generell wohl die Furchtlosen und derzeit wohl die größte Gruppe an Touristen, wobei groß natürlich sehr klein ist;-)

Bis zur KIA Lodge sind es nur 5 Minuten Fahrzeit und um kurz nach 21 Uhr saß ich schon mit einem kalten Kilimanjaro Bier im Restaurant – angekommen!!!

 

 

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

14.08.20 Von Kilimanjaro in die Usambara Berge

Entweder lag es am frühen Aufstehen am Vortag, oder an dem längeren Schläfchen im Flugzeug. Um 05:30 Uhr war ich wach, hörte dem Vogelkonzert zu und stand um 6 Uhr auf. Meine Hoffnung den Kilimanjaro in der Morgensonne bewundern zu können hat sich leider nicht bewahrheitet. Ein wolkiger, kühler Morgen begrüßte mich. Am Aussichtspunkt am Pool war grauer Himmel und ein grauer, leerer Pool zu sehen. Wenn kaum Flugzeuge fliegen, hat auch ein Flughafenhotel keine Kundschaft und die Lodge befand sich irgendwie noch im Aufwachprozess. Das Frühstück, das ab 06:00 Uhr angekündigt wurde, war dann um 06:50 Uhr komplett, aufgebaut, aber solange es Kaffee gibt, bin ich ja schon zufrieden.
Fransisca wollte gegen 8 Uhr kommen, also hatte ich meine Taschen gepackt und bin aus meinem kleinen Gartenhäuschen ausgezogen.
Die KIA Lodge liegt noch auf dem Flughafen in einem dicht bewachsenen Garten, die 40 Zimmer sind in kleinen Bungalows mitten im Grünen, immer 2 Zimmer in einem Häuschen.
Die Betten sind groß und gemütlich, die Beleuchtung etwas dunkel und die Badezimmer könnten eine Renovierung vertragen. Der Pool ist etwas höher gelegen und wenn in Betrieb ein schöner Ort um nach der Ankunft oder dem Abflug zu verweilen – mit Kilimanjaro Blick, wenn man Glück hat. Jetzt war der Pool leer und auch der Blick in die Ferne ging in die Leere, kein Berg weit und breit zu sehen.
Pole Pole Afrika (das Tempo ist einfach etwas langsamer hier) kamen Fransisca, Said ihr Mann, Isolde (die gerade von der Safaritour in der Serengeti und Tarangire zurück kam) und John unser Fahrer und Guide um 09:00 Uhr in der Lodge an. Um 09:30 machten wir uns auf den Weg Richtung Usambara Berge. In Moshi, wo die meisten Touren zum Kilimanjaro starten, haben wir unsere erste Pause gemacht – da waren wir gerade mal eine knappe Stunde unterwegs. Fransisca und Said kamen zwar später, hatten aber noch nicht gefrühstückt. Wie gut, dass ich schon gesättigt war, auf Hühnchen mit Kohlgemüse stand mir der Sinn noch nicht.
Bislang habe ich noch niemanden mit Maske gesehen. Im Hotel wurde auf Handdesinfektion wert gelegt, aber auch das Personal trug keine Masken. Nun war es auch sehr überschaubar, außer mir war noch eine indische Familie in der Lodge, die zu Dritt aber lauter waren als ein Kindergeburtstag.
Die Devise hier scheint folgende zu sein: a) der Präsident ist der Held, der Corona weggebetet hat. b) Neben vielen anderen teils tödlichen Krankheiten gibt es jetzt noch eine die Corona heißt. Wir waschen und desinfizieren ein bisschen, trinken viel Ingwertee und machen ansonsten weiter wie bisher. Mal sehen, was ich zu dem Thema noch herausfinden kann…

Auf google.maps sieht alles immer so nah aus, aber unsere Fahrt zog sich ganz schön hin. Um 10:30 hatten wir Moshi verlassen und waren um 16:15 in Lushoto in den Usambara Bergen. Der Ort erinnert noch an die deutsche Vergangenheit. Die Kolonialisten hatten hier ein malariafreies und fruchtbares Gebiet gefunden und Wilhelmsthal, das heutige Lushoto gegründet. Auf dem Weg nach oben durchfährt man eine wunderschöne Bergwelt mit steilen Hängen und Wasserfällen. In Lushoto selbst haben wir uns das Lawns Hotel angesehen – sieht im Internet irgendwie netter aus, was ein guter Fotograf doch so alles verschönern kann;-).
Für die 70 Kilometer von Lushoto nach Mambo brauchten wir nochmal 2 Stunden. Ach, wie hatte ich diese Schaukelei im Jeep doch vermisst!
Um Lushoto gibt es Asphaltstraßen, je weiter man weg fährt, umso schlechter wird die Fahrbahn, die dann irgendwann nur noch Buckelpiste zu nennen ist. Gesäumt werden die Straßen von großen Eukalyptusbäumen, die wohl anfangs von den Deutschen angepflanzt wurden. Die Berge gehen hier über 2000 Meter hoch und die fruchtbare Erde wird an den Hängen im Terrassenbau bepflanzt, im Tal sieht man größere Felder mit Kohl, Mais, Kartoffeln und Karotten, fast so wie zu Hause. Der Unterschied ist, dass es hier keine Trecker gibt und viel Handarbeit geleistet wird. Die Menschen hier sind etwas scheuer und schüchterner, als in Arusha oder Moshi, begrüßen uns aber durchweg freundlich und fröhlich.
Nach einem langen Fahrtag sind wir leider erst kurz nach Sonnenuntergang in unserer heutigen Unterkunft, der Mambo View Eco Lodge angekommen. Das Essen stand schon neben der großen Feuerstelle berereit. Die Temperaturen hier oben sind recht kühl. Das hätte ich mir vor 2 Tagen nicht denken lassen, dass ich hier jetzt mit Fließ und Steppjacke vor dem Kaminfeuer sitze;-)
Also schnell ab ins Bett – Lala Salama, schlaft gut!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

15.08.20 Usambara Berge – Mambo View Eco Lodge

Ich bin ja schon mal kurz in der Mambo View Eco Lodge gewesen, als ich letztes Jahr im Februar von Lushoto nach Mambo gewandert bin und es hatte mir sehr gut gefallen. Die Lage ist unglaublich, direkt an einer Klippe von wo aus man eine fantastische Aussicht auf die gut 1.200 Meter tiefer liegende Ebene hat.
Nachdem ich letztes Mal einen kleinen Bungalow hatte, bekamen wir jetzt das Amani Haus, zweistöckig mit einem Schlafzimmer mit großem Balkon oben und einem Schlafzimmer und einer Wohnküche mit offenem Kamin unten. Eigentlich sehr schön, aber – im Badezimmer unten hat man aufgrund der Beleuchtung kaum was gesehen, die Tür zum Bad hat so laut geknarrt, dass der andere fast aus dem Bett gefallen ist, wenn man sie aufgemacht hat. Das Wasser war eiskalt, wie die Temperaturen so sind, wenn man auf 1900 Metern ist. Da Isolde und ich uns noch abends den Kamin anmachen lassen haben, konnte der auch gleich den Ofen draußen anmachen, damit Fransisca und Said Duschen konnte. Alle anderen Zimmer haben warmes Wasser über Solar, unseres über einen mit Holz befeuerten Ofen. Das Duschen führte bei Fransisca und Said zu einer Überschwemmung im Bad. Nachts war es so kalt, dass ich mit Socken und Fließjacke geschlafen habe.
Das Management ist wohl neu, die verantwortliche Dame wohl mit Kunden im Mkomazi park unterwegs und die Vertretung war stets sehr bemüht aber das war es dann auch.
Am nächsten Abend haben wir gefragt, ob es denn keine Wärmflaschen gibt – jaja, natürlich. Warum wir keine haben – da hätten wir ja nach fragen können. Normalerweise liegen die in den Lodges wo es abends kalt wird ja im Bett – versprochen, machen wir heute. (Sie lagen dann auf dem Tisch, direkt am kalten Fenster;-(.


Für den Rest lasse ich mal Bilder sprechen. Wir haben morgens einen 3 stündigen Village Walk gemacht und einige der Projekte gesehen, die über die Mambo View Eco Lodge finanziert werden. Die Töpferei wird unterstützt, Brücken und Brunnen gebaut, Frauenprojekte und natürlich die Arbeiter der Lodge, die alle aus den umliegenden Dörfern sind. Da ist dann vom Können her noch Luft nach oben, aber wer den Background sieht, hat dafür Verständnis.
Mittags haben wir in der Sonne auf der Terrasse gegessen und Said, John und ich sind wieder los in den Shagayu Forrest. Die Fahrt sollte 30 Minuten dauern – es war das Doppelte – und nachdem wir gestern den Sonnenuntergang verpasst haben, wollte ich unbedingt pünktlich zurück sein. Wir sind also im Expresstempo durch den Regenwald und haben bei dem Auf und Ab ganz schön gepustet, bis uns die Holzträgerfrauen entgegen kamen. Unglaublich, wie diese zarten Personen große und lange Kanthölzer barfuß oder in Flipflops durch die engen Wege tragen. Über 30 Kilo werden auf diese Weise auf dem Kopf getragen und schon die ganz kleinen begegnen uns mit Lasten auf dem Kopf. Das Leben ist hart und anstrengend in den Usambara Bergen, der Fortschritt ist noch ganz weit weg und es wird immer noch nach den alten Traditionen gelebt, nicht mal Esel gibt es hier. Mein Gang wurde nach der Begegnung ganz leicht und wieder einmal kam tiefe Demut in mir hoch.


Unser Ziel, den Wasserfall haben wir nach einer Stunde erreicht und nach einer kurzen Pause ging es wieder zurück zum Dorf, wo unser Jeep geparkt war. Hier kam wieder das allgengewärtige Kinderrufen: „ Muzungu“ – Fremde! Touristen sind hier nicht so häufig anzutreffen, in Coronazeiten schon gar nicht und ich war die wandelnde Attraktion für den Tag. Wir haben es pünktlich zum Sonnenuntergang geschafft, dafür gibt es extra eine hoch gebaute Terrasse, nur das mit den Drinks war etwas schwierig. Dafür war dann sehr, sehr wenig Tonic im Gin;-)
Nach einem leckeren Abendessen fielen wir früh in unsere Betten – mit Wärmflasche! Lala Salama!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

18.08.20 Von Arusha zum Lake Natron

Mit einer halben Stunde Verspätung – alleine die Verabschiedung bei so vielen Familienmitgliedern dauert ja schon – sind wir um 08:00 Uhr zum Lake Natron aufgebrochen. Die ersten 107 Kilometer Strecke auf Asphaltstraßen hatten wir nach gut 1,5 Stunden hinter uns gebracht. Die weiteren 100 dauerten dann 3,5 Stunden.


Kurz hinter Arusha tauchen die ersten Viehherden der Maasai auf, die morgens von den Bomas in die weite Steppe getrieben werden.
Hinter Mto wa Mbu wurde die Straße zur Schotterpiste, die zum Ende immer mehr zur Buckelpiste wurde. Menschen wurden hier immer weniger, lediglich einige kleine Dörfer haben wir durchfahren. Die Fahrt geht an der Klippe des afrikanischen Grabenbruchs entlang und ist mit den Felsen und den größeren und kleineren Vulkanbergen wieder wunderschön. Der Ol Doinyo Lengai, der heilige Berg der Massai begleitete uns die letzten zwei Stunden der Reise mit seiner imposanten Erscheinung. Fransisca hatte früh schon unser Mittagessen vorbereitet – Reis, Hähnchen und Spinat – das wir in der tollen Kulisse eines trockenen Flusses mit Blick auf den mächtigen Berg genossen haben. Durch die heftigen Regenfälle in diesem Winter/Frühjahr war die Fahrtpiste in keinem guten Zustand und wir wurden ganz schön durchgeschüttelt. Auch wurde es zusehends staubiger und ich war erstmals froh über die Klimaanlage im Jeep, sodass wir die Fenster geschlossen halten konnten. Wie schon beim letzten Mal finde ich es unglaublich, dass der klapprige öffentliche Bus auf dieser Strecke unterwegs ist.


Der in der Gegenrichtung hat es allerdings nicht geschafft und die Fahrer winkten uns zu, als wir ihnen entgegen kamen. Sie freuten sich über zwei Flaschen Wasser und ich hoffe, dass sie den beiden Fahrgästen, die noch im Bus saßen ebenfalls damit versorgt haben. Den anderen Passagieren begegneten wir dann etwas später, eine Gruppe mit 5 Personen hätte ich ja gleich mitgenommen, aber das ist hier nicht üblich. Wenigstens die 3 Frauen? Nein, wir können die Männer doch nicht stehen lassen und die Frauen mitnehmen. Als ich das kleine Baby auf dem Rücken einer Maasai entdeckte, durfte sie mit uns mitfahren. Wir haben abends noch lange diskutiert, wie alt sie wohl war – das Gesicht schon älter, die Stimme wie eine 8jährige, aber das Baby war ihr viertes.


Unser Camp, das Moivaro Lake Natron Tented Camp ist eine grüne Oase in der staubtrockenen Gegend am Sodasee. Die Zelte sind neu und schön (die Hütten wurden „ausgemuster“ und stehen jetzt als Unterkunft für die Fahrer zur Verfügung), teils mit Blick zum See und der Naturwasserpool, gespeist vom Wasserfall zu dem man eine schöne Wanderung machen kann, war zu verlockend. Wir gönnten uns also eine Pause – es war auch zu warm für weitere Aktivitäten und schwammen ein paar Runden. Gegen 16 Uhr starteten wir wieder, erst zur Maasai Giraffe Lodge – wir wollten mal sehen, ob sich etwas geändert hat oder es etwas Neues gibt (gab´s aber nicht) und dann zum Lake Natron Camp, welches aufgrund des Hochwassers direkt am See liegt. Die letzten 12 Monate hatte es in Tansania erheblich mehr geregnet als sonst, was nicht nur den Viktoriasee über die Ufer treten ließ, sondern auch den Lake Natron erheblich ansteigen ließ. Vier Zelte mussten abgebaut werden. Nun aber konnte man das Spektakel der Pelikane und Flamingos gleich von dem schönen Camp aus betrachten. Was für ein schöner und besonderer Ort dieser Lake Natron!
Das Abendessen im Camp haben wir auch hier als einzige Gäste eingenommen und sind früh ins Bett – Abfahrt morgen um 06:00 Uhr. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

19.08.20 Vom Lake Natron zur Serengeti

Wir waren ja schon vorgewarnt, da Kunden diese Strecke nach den vielen Regenfällen auch schon gefahren sind. Um kurz nach 6 sind wir los und um 13:30 waren im am Kleins Gate der Serengeti angekommen. Eine Stunde hatten wir Pause gemacht, Frühstück, Tankversuch (Diesel war aus), Apotheke und „Supermarkt“ für Wasser. Supermarkt auf dem Dorf ist eine kleine Bude, so groß wie bei uns ein Bäcker.


Das war keine African Massage, das war der Schleudergang. Trotzdem: der Schlenker zum Lake Natron ist der Mühen wert. Aber ich muss gestehen, dass die Tour eine ganz schöne Tortur ist – nicht nur für den Fahrer, auch für die, die hinten durchgeschüttelt werden. Das Wasser ist augenscheinlich in Sturzbächen runtergekommen und hat die Sand-, Schotter und Felspisten ausgewaschen und teils ausgehöhlt. Immerhin gab es tolle Landschaften und neben den Nutztieren wie Kuh, Ziege, Schaf, Esel, Dromedar auch Zebras, Giraffen, Perlhühner und Antilopen zu sehen. Unser Mittagspicknick machten wir direkt am Kleins Gate und sahen von dort schon Gnus und Zebras. Um 14:30 ging die Fahrt weiter durch die nördliche Serengeti in Richtung Westen zum Mara Fluss.


Beim Anblick der vielen Zebras und Gnus habe ich die Strapazen der Anreise fast schon wieder vergessen. Diese Vielzahl an Tieren ist einfach unglaublich und sucht seines Gleichen. Zwischendurch mal eine Giraffe, ein paar Elefanten, Büffel, Topis, Impalas, Sekretärvögel, eine Hyäne (beim Schreiben höre ich gerade auch welche), Warzenschweine, Geier und kurz vor unserem Ziel, der Lamai Serengeti Lodge von Nomad Tanzania, ein paar Klippspringer – Leibspeise der Leoparden.


Die Camps von Nomad sind uns seit unserer Reise im Oktober 2019 schon bekannt und der außerordentliche und persönliche Service hat uns da schon begeistert.
Als wir ankamen standen 3 fröhlich winkende Männer mit Gesichtsmasken! Und schwankend wie Seemänner kletterten wir 11 Stunden nach Abfahrt am Lake Natron aus dem Jeep. Das erste Mal auf der Tour erfolgte hier die (eigentlich) vorgeschriebene Prozedur mit Fiebermessen und Händewaschen, bevor es in die Lodge ging.


Wow! Ist das schön! Das Design, die Liebe zum Detail, dieser Ausblick! So sieht der Traum von einer Safariunterkunft aus und wir dürfen das jetzt bis morgen genießen. Nach einem ausführlichen, aber eloquenten Briefing, ging es kurz auf die „Zimmer“. Es gibt 10 einzeln stehende Unterkünfte auf Plattformen, die hinten gemauert und nach vorne zur Serengeti nur mit Moskitogaze versehen sind, sodass man von überall, selbst von der Dusche und der Toilette in die Serengeti guckt.

Schnell feste Schuhe anziehen – wir waren zum Sundowner Spaziergang geladen. Es ging auf den höchsten Felsen (Kopje) des Hügels, so ein großer, abgerundeter auf dem eigentlich ein Löwe liegen müsste. Gut beschützt standen wir auf diesem exponierten Felsen, die Serengeti uns zu Füßen und konnten nur noch gut bewacht genießen.


Vor dem Abendessen trifft man sich am Kaminfeuer, serviert wurde auf der Terrasse, das Essen und der Rotwein waren fantastisch, der Service liebevoll und aufmerksam, aus der Dunkelheit hört man die Tiere und über uns funkeln die Sterne. Besser geht nicht!!!
Danke Nomad Tanzania für diesen großartigen Abend.
Ich liege jetzt im Bett und höre Gnus, Löwengebrüll, das Lachen der Hyänen und ganz viel Gezwitscher und Gezirpe. Oh ja, die Fahrt hat sich gelohnt! Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

20.08.20 Serengeti Kogatende

Ein perfekter Morgen auf Safari beginnt mit einem Kaffee oder Tee, der ins Zimmer / Zelt gebracht wird. Im Lamai Serengeti gibt es eine Luke von außen, wo das „Heißgetränk“ reingestellt wird, welches man von der Zimmerseite aus rausnehmen kann.
Heute habe ich den „Corona Tee“ gewählt“ – sehr scharf nach Ingwer, Zimt und Kräutern schmeckend. Die Tansanier glauben, dass damit alles ungesunde vernichtet wird. In der Tat, war der Tee so scharf vom Ingwer, dass ich das Gefühl hatte, es brennt mir den Rachenraum weg – und das noch vor 06:00 Uhr!
Der Ranger von Nomad hat uns begleitet. Gestern hatte ich schon gedacht, dass er mir bekannt vorkam, vor allem der Name Pius und mittags habe ich dann die Fotos gecheckt – Pius hat mich schon auf meiner Walking Safari in Ruaha im Oktober 2019 begleitet. Er arbeitet eigentlich dort, aber aufgrund von Corona, ist das Camp noch geschlossen. Das ist wirklich traurig zu sehen – alle Camps haben kaum Buchungen, normalerweise sollte um diese Jahreszeit fast alles ausgebucht sein.


Unser Morgen verlief spannend, unsere beiden Guides standen über Funk mit einem weiteren Fahrer von Nomad in Verbindung, der mit einem professionellen Fotografen unterwegs war – irgendwas hatten die Beiden bereits entdeckt. Das Gelände hier ist hügelig, es gibt viele Gräben und überall sind größere und kleinere Felsen und große Steine, als hätte ein Riese in seine Kiste gegriffen und die Steine wahllos in die Gegend geworfen. Zwei junge Leoparden kamen uns entgegen, liefen am Auto vorbei und tollten die Wiese herunter. John, unser Fahrer wollte ihnen folgen und „Rumms“! saßen wir fest. Vorwärts, rückwärts, Vierradantrieb – nichts funktionierte. Sofort kam der Nomad Jeep mit dem Fotografen, der die Leoparden nun ziehen lassen musste, zur Hilfe. Von hinten geschoben, von vorne geschoben – nichts. Alle Männer raus aus den Autos und gucken. Abschleppseil angebracht, Abschleppseil gerissen und immer dieses furchtbarre knarrende Geräusch, wenn der Jeep über den Felsen kratzte. Pius suchte jetzt zwei große Steine, auf die das Hinterrad versuchen sollte hochzufahren. Drei Männer dirigierten John vor, zurück, Lenkrad links, Lenkrad rechts und tatsächlich, wir bekamen wieder freie Fahrt. Toll zu sehen, wie die Fahrer zusammenhalten, sobald einer in Not ist, wird geholfen. Und wie schön, dass es doch nicht ganz so einsam in der Serengeti ist.

Nach dem Schreck entdeckten wir noch einen jungen Leoparden auf einem Felsen liegen, der sich geduldig fotografieren und filmen ließ. Ob es einer von den Beiden vorher gesehenen war, kann ich nicht sagen. Meine kleine Lumix Kamera hat leider den Geist aufgegeben – ich fotografiere jetzt nur noch mit dem Handy und habe noch die Videokamera – und verlasse mich auf Saids Fotokünste.


Jetzt war es aber Zeit für´s Frühstück, das auf dem Jeep unter einer Akazie angerichtet wurde. Pius hatte sogar noch Klappstühle für uns mitgenommen und wir genossen ein tolles Frühstück mit Blick auf den Marafluss. Das sind Momente, die man ewig festhalten möchte!
Nachdem wir uns gestärkt hatten ging unsere Pirschfahrt weiter und wir sahen (wie man hier so schön sagt) das Übliche: Zebras, Gnus, Elefanten, Giraffen, unterschiedliche Antilopen, Geier und Hyänen. Die Löwen, der Gebrüll wir die Nacht über gehört haben und an deren Beuteresten sich die Hyänen und Geier vergnügten, bekamen wir nicht zu sehen.
Am Marafluss hatten sich schon einige Jeeps eingefunden, da eine Herde Gnus auf der anderen Flussseite den Eindruck machten diesen queren zu wollen.


Eigentlich geht die Migration jetzt in Richtung Norden nach Kenia in die Massai Mara, diese Gruppe war offensichtlich auf dem Weg zurück nach Süden. Einige kräftige Regenschauer in den letzten Tagen bringen die Tiere wohl durcheinander, die Gnus folgen meist dem Regen und haben ein feines Gespür dafür. Alle Jeeps warteten ein ganzes Stück vom Ufer entfernt, um die Tiere nicht zu verschrecken. Einmal in Bewegung ist die Herde wohl nicht mehr (oder nur schwer) zu Stoppen und die Autos preschen nach vorne, damit die Gäste das Spektakel der Flussquerung sehen können.
Die Gnus wirkten etwas unentschlossen, die Positionen wurden mehrfach gewechselt, aber kein Tier näherte sich dem Mara Fluss, in dem wir die Nilpferde und Krokodile schon erspäht haben.
Nach einer Zeit beschlossen wir nicht länger zu warten und zum Lunch wie verabredet in die Lodge zu fahren. Wir haben uns noch die Familienzimmer angesehen, ein paar Fotos vom Pool gemacht und uns schweren Herzens aus der wunderschönen Lamai Lodge und den herzlichen Mitarbeitern verabschiedet.


Unser erster Stopp war bei den Giraffen, eigentlich nichts Spektakuläres, aber ein jüngerer Bulle, wollte eine ältere Dame beglücken. Ob es seine Unerfahrenheit war oder man als Giraffenbulle einfach größer sein muss entzieht sich meiner Kenntnis. In der halben Stunde wo wir zuschauten, mühte er sich redlich aber ohne Erfolg. Ein älterer Bulle schlenderte vorbei, sah sich das Geschehen aus der Nähe an und spazierte weiter. Wäre er ein Mensch gewesen, hätte er wahrscheinlich den Kopf geschüttelt 😉
Ansonsten gab es auf unserem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, der Mara River Post Lodge nichts Besonderes zu sehen, außer natürlich Zebras, Gnus, Gazellen und wunderschöne Landschaft.
Die Mara River Post Lodge ist die letzte Unterkunft im Westen von Kogatene, der nördlichen Serengeti und liegt direkt am Mara Fluss. Von jedem Zelt aus, kam man den Fluss sehen, der hier eine Kehre macht, sodass auf jeder Seite des Hügels 8 Zelte sind, die jeweils über ein eigenes Restaurant verfügen. So kann man größere Gruppen von Individualreisenden trennen und es wirkt persönlicher und privater. Der Pool wird von beiden Seiten genutzt und die dazu gehörende Terrasse bietet fast einen Rundumblick.
Die Zelte sind schön und zweckmäßig eingerichtet, alle haben Blick auf den Mara Fluss und das Solarsystem sorgt für 24 Stunden warmes Wasser und Strom.


Beim Abendessen wurden wir mit einem drei Gängemenue verwöhnt und lauschten unter dem großen Strohdach dem Regen und Gewitter draußen.
Müde fielen wir in unsere Betten, Fransisca und Said in einem Zelt, Bonna und ich in dem daneben. Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

21.08.20 Serengeti Kogatende – zweiter Versuch das River Crossing am Mara Fluss zu erleben

Wie immer auf Safari, klingelte der Wecker früh um 6:00 Uhr. Leider gab es heute nicht den persönlichen Weckservice mit Kaffee oder Tee. Die ersten Anzeichen der Dämmerung waren draußen über dem Fluss schon zu sehen. Schnell haben wir uns fertig gemacht und sind zum Frühstück gegangen. In dem offenen Raum war es noch ganz schön kalt, so dass wir uns nicht lange aufgehalten haben. Wunderschön war der Sonnenaufgang direkt über dem Fluss. 

Um kurz nach sieben sind wir losgefahren, Fransiska hat sich entschieden, in der Lodge zu bleiben um etwas zu arbeiten. Um kurz nach sieben sind wir losgefahren und hatten aufgrund der kühlen Temperaturen das Dach erst noch zugelassen. Morgens ist es noch ganz schön kalt, vor allem im Fahrtwind. Die erste Stunde haben wir nicht viel gesehen, außer ein paar Gazellen und Gnus. Die Raubkatzen verrieten nur durch die zahlreichen Kadaver, dass sie in der Nähe sein müssten. Irgendwann hatte John ein Ziel und gemeinsam mit einem anderen Jeep machten wir uns auf die Suche nach dem großen Fragezeichen. Die Fahrer sagen nicht immer auf welcher Suche sie sind, um a) die Kunden zu überraschen und b) nicht zu enttäuschen, wenn das Gesuchte nicht gefunden wird. Wir haben erraten, dass es sich wohl um Geparden handeln muss, die wir auch tatsächlich nach einer guten halben Stunde zwischen den Büschen am Flussufer entdeckten. Es war ein Bruderpaar, dass sich durch die mittlerweile fünf Jeeps nicht stören ließen und ein bisschen schmusten, ein Stück gemeinsam spazierten, sich unter einen Busch in den Schatten legten, wieder ein Stück liefen, bis sie das Flussufer herunter gingen und unserem Blickfeld entschwanden. Was für wunderbare und elegante Tiere!



Weiter ging unsere Fahrt durch Kogatende am Ufer des Mara Flusses entlang. Es waren wieder mehr Gnus zu sehen. Die Herde, auf deren Crossing gestern einige, teils vergeblich, gewartet haben ist noch weiter gezogen und hat den Fluss gegen 18 Uhr an einer anderen Stelle überquert. Eigentlich hätten da schon alle Gamedrives beendet sein müssen, aber derzeit scheint es nicht so viele Kontrollen zu geben.
Gegen 12:30 trafen wir auf eine große Gruppe Gnus, die sich am anderen Mara Ufer auf einer Klippe sammelten. Während unseres Mittagessen im Jeep beobachteten wir die für uns völlig unverständliche Choreografie der Gnus und einiger Zebras. Die Herde zog nach links und dann nach rechts, einige blieben stehen, um dann umso schneller hinterher zu rennen. Diverse Jeeps warteten in einiger Entfernung, um die Tiere nicht zu stören. Immer wieder dachten wir, dass es jetzt los geht und die Tiere den Fluss überqueren, aber der eine Mutige, der den Anfang machen muss, war leider noch nicht gefunden. Verständlich – warten im Fluss ja nicht nur die Krokodile sondern auch Nilpferde, die ebenfalls sehr unangenehm werden können, sobald sie sich gestört fühlen.
Die Herden werden oft von Zebras angeführt, die über ein größeres Erinnerungsvermögen verfügen. Wenn es aber zur Flussüberquerung kommt, werden die Gnus vorgelassen. Sie folgen erst, wenn die Krokodile satt sind.


Nach über einer Stunde sind einige Zebras die Klippe runter zum Wasser gelaufen, die Gnus folgten sofort und nach einiger Zeit war die kleine Landzunge voll. Doch anstatt den Fluss zu queren, gingen die ersten Gnus die Klippen wieder hoch. Es herrschte ein ziemliches Gedränge bis die Zebras nach links abschwenkten und über flaches Gelände weiterzogen. Die Herde teilte sich, einige gingen wieder zurück auf die hohe Klippe nach rechts, die anderen zogen nach links.
Wieder einige Zeit später zogen die von der rechten Klippe ins freie Gelände und machten nicht mehr den Eindruck heute auf die andere Seite zu wechseln. Also fuhren wir wieder nach Westen, von Crossing Point Nummer 7 zu 6, in der Hoffnung, dass die andere Gruppe sich heute noch auf zu anderen Ufern macht. Es wurde 16, es wurde 16:30 Uhr. Ca. 10 Autos folgten der Herde, das gleiche machte auch eine kleine Gruppe Gnus auf unserer Flussseite. Sie fanden wohl ihre Gruppe zu klein und hofften auf Verstärkung.
Irgendwann gab die kleine Gnuherde auf, wir aber folgten weiter – alle Jeeps langsam hintereinander her – ein bisschen wie im Disneyland, wo die Menschen in kleinen Booten oder Karren im gleichen Abstand durch die animierte Welt befördert werden.
Vielleicht hätten wir auch aufgeben sollen. Aber gestern ist die Herde nach einigem Wandern ja auch noch über den Mara Fluss gekommen.
Leider hat alles Warten und Hoffen nichts genutzt, jedes Tier blieb auf seiner Seite des Flusses. So kann es gehen aus Safari, mal sieht man unglaublich viel ohne großartig suchen zu müssen und mal bringt man soviel Geduld und Zeit auf und wird doch nicht belohnt. Ein Grund wieder zu Kommen ;-)!
Wir sind den Fluss noch weiter entlang gefahren und haben immer wieder Gnus gesehen, die aber nicht zur Mutprobe über den Fluss bereit waren. Endlich kamen wir am kleinen „Flughafen“ an, mit der einzigen Toilette weit und breit. Hätte ich gewusst, dass das Warten auf die Gnus vergeblich war, hätte ich mich nicht so lange gequält und wäre schon früher hier gewesen. Alternative ist natürlich immer die Buschtoilette, aber wenn alle Jeeps so schön zusammenstehen, um auf die Herden zu warten, ist das irgendwie auch blöd 😉


Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es in normalen Zeiten hier sein mag. Laut John sind dann hunderte von Jeeps unterwegs – jetzt haben wir den ganzen Tag maximal 20 gesehen. Meine Frage, ob es öfters zu Unfällen kommt, wenn alle Fahrer mit Abstand vom Fluss auf das Crossing warten und dann auf einmal losfahren, um ihren Kunden die bestmögliche Sicht auf das Spektakel zu ermöglichen, wurde eindeutig mit ja beantwortet. Ich bin froh, dass wir genau jetzt die Möglichkeit hatten hier zu sein, auch wenn wir das Crossing nicht erlebt haben. Als die Gnus mittags die Klippe runter (und dann auch wieder hoch) sind, konnte man ja schon ganz gut erahnen, wie es sein würde, wenn die Tiere wirklich in den für sie gefährlichen Fluss springen.


Es ging jetzt wieder zurück zur Lodge. Nach einem kurzen Regenschauer war die Sicht ganz klar und die Sonne tauchte die Ebenen, die teils goldfarben waren – wie reifes Korn – und teils leuchtend grün an den Stellen die vor ca. 4 Wochen abgebrannt wurden. Unsere Kunden berichteten vor drei Wochen von großen, schwarzen, verbrannten Flächen. Nach einigen kurzen Regenschauern explodiert die Natur wieder und das Grün kommt leuchtend aus dem schwarzen Boden geschossen. Dunkelgraue Regenwolken, gleißendes Sonnenlicht, das saftige Grün, ein Regenbogen und die leuchtenden Zebras und zahlreichen Gnus zauberten eine stimmungsvolle Szenerie. Nach über 11 Stunden Safari kamen wir zum Sonnenuntergang in der Lodge an. Emails checken, duschen, Abendessen, das Nötigste arbeiten und müde ins Bett inmitten der unfassbaren Natur Tansanias. Lala salama – gute Nacht!

 

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

22.08.20 Serengeti Kogatende – Mara Fluss 3. und letzte Chance das Crossing zu sehen

Ein bisschen Gamedrive auf dem Weg zum Tabora Gate und dann Weiterfahrt zu unserer nächsten Unterkunft in Grumeti. Der Tag begann (wie fast immer) um 06:00 Uhr, aber ganz gemütlich. Taschen packen, Emails checken, Fotos schicken und in Ruhe frühstücken. Um 08:15 saßen wir wieder im Jeep und fuhren den Mara Fluss entlang. Wie gestern, nichts Spektakuläres – ein paar Hippos, Warzenschweine, Antilopen, Giraffen. Viel mehr hatte ich für heute auch nicht erwartet.
Dann kam die erste Meldung, an Crossing Nummer 7 sei eine größere Herde bereit sich in die Fluten zu stürzen. Hmm? Da haben wir ja gestern schon Stunden drauf gewartet. Einige Jeeps standen in Position, die Gnus wirkten entspannt. Dann kam die nächste Meldung, an Crossing 10 geht’s los. Der uns unbekannte Sprecher war ganz aufgeregt und sehr lustig: „Kommt, kommt! Hier sind tausende, die ersten haben die Flussseite schon gewechselt. Schnell, schnell! Es sind Milliarden. Los jetzt, es sind 123.567!“
Also los! Ca. 20 Minuten hat die Fahrt gedauert und wir rätselten, ob die Aussage a) stimmt und wir b) schnell genug sind.
Je näher wir an die 10 kamen (man zählt die Zuflüsse zum Mara River von 0 – 13, um sich orientieren zu können) umso mehr Gnus und Zebras sahen wir an der gegenüberliegenden Flussseite. Und dann sahen und hörten wir, wofür tausende Menschen zwischen Juli und Oktober in die nördliche Serengeti kommen.

Ist es das wert? Das viele Geld, das man für eine solche Reise ausgibt? Die Anreise in Coronazeiten mit stundenlangem Masken tragen im Flugzeug und auf den Flughäfen? Stundenlanges fahren auf teils sehr holprigen Pisten, wenn man sich den Luxus des Fliegens zum Kogatende Airstrip nicht gönnt? Ja, ja und nochmal ja!


Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was sich unseren Augen und Ohren bot. Tausende Gnus hatten sich am gegenüberliegenden Ufer versammelt, dazwischen lautstark einige Zebras. Die Überquerung des Mara Flusses hatte begonnen. Was für eine Dynamik, was für ein Gewusel, was für eine Geräuschkulisse, was für ein Kampf! Ich bin so dankbar, dass es solche Gebiete noch gibt, wo der Natur freien Lauf gelassen wird. Gleichzeitig immer wieder demütig und manchmal auch etwas traurig, weil der Mensch immer mehr zerstört.
Jetzt war es aber an der Zeit, dieses Spektakel zu betrachten und natürlich zu dokumentieren. Ich bin mal gespannt, wieviele Fotos und wieviele Videominuten Fransisca, Said und ich am Ende zählen werden.


Die Choreografie war wieder unverständlich und erinnerte teilweise an einen Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen steckt. Einige sprangen ins Wasser, schwammen ans andere Ufer und liefen das Ufer hoch. Als wenn sie rufen würden, „hej, ich habs geschafft – kommt rüber!“ machte scheinbar jedes Gnu seine schafähnlichen Geräusche. An manchen Stellen war die Strömung relativ stark, vor allem dort wo größere Felsen im Wasser waren. Dafür war es dort nicht so tief und das Schwimmen könnte einem eventuell erspart bleiben. Zuerst querten nur die Gnus, die Zebras liefen wie Zeremonienmeister laut brüllend hin und her. Die Gnus gehen immer hintereinander in den Fluss, sobald ein Mutiger den Anfang macht, folgt der ganze Tross. Lassen sie sich von etwas ablenken oder erschrecken vor etwas, bleiben alle stehen und ein neuer Anführer muss gefunden werden. Oft findet dieser sich an einer anderen Stelle, sodass die Gnus immer wieder woanders ins Wasser gehen oder springen und die ganze Herde gerät wieder in Bewegung. Warum einige der Tiere wieder zurück auf die andere Seite schwimmen, bleibt ihr Geheimnis. Zwischendurch ging es ziemlich durcheinander und nachdem die Gnus eben noch von rechts nach links an uns vorbei das Ufer hochgerannt sind, kommen andere von links nach rechts runter und machen sich bereit den Fluss in Gegenrichtung zu queren. Einige trieben in der Strömung ab und mussten kämpfen ans Ufer zu kommen. Manche verloren den Kampf, teils durch eigenes Unvermögen, teils fielen sie den Krokodilen zum Opfer, von denen es hier einige sehr Große gibt. Unglaublich wie schnell ein Gnu unter Wasser verschwindet, dass passiert teilweise in einer Sekunde. Manchmal sieht man die Gnus in merkwürdigen Positionen durchs Wasser schwimmen und verzweifelt nach Luft schnappen. Auch in diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass ein Krokodil im Spiel war. Die Nilpferde auf einer Insel im Fluss, ließen alles stoisch an sich vorbeiziehen, sie fühlten sich offensichtlich nicht gestört. Immer wieder wurden neue Stellen bestimmt, von denen die Gnus ins Wasser sprangen, manchmal von drei Stellen gleichzeitig, teils mit Gegenverkehr. Nach über einer Stunde hatten die Zebras wohl das Vertrauen, dass die Krokodile satt waren und überquerten nun auch den Fluss, schön eingereiht zwischen den Gnus. Mittlerweile trieben schon einige Kadaver durchs Wasser, die von den Geiern flussabwärts sehnlichst erwartet wurden. Auf der von Wasser überspülten Brücke, die auf Höhe des Flughafens zum Asilia Camp auf der anderen Flussseite führt , hatten wir schon morgens mehrere tote Gnus liegen sehen.


Es war ein unglaubliches Erlebnis diesem Naturspektakel zusehen zu dürfen – quasi auf den letzten Drücker, nachdem wir 2,5 Tage gehofft und gewartet haben. Ich bin sehr dankbar! Und ich bin sehr froh, dieses Schauspiel jetzt erlebt zu haben – es waren ca. 15 Safarijeeps um uns herum, die Fahrer waren sehr kollegial miteinander und haben sich gegenseitig Platz gegeben, dass jeder eine gute Sicht hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier in „normalen“ Zeiten zugeht, wenn sich hunderte Jeeps am Ufer drängen – da wird es mit der Kollegialität schnell vorbei sein. Was schade war, ist das ein Fahrer einen Gast auf dem Dach des Jeeps haben stehen lassen, manche saßen darauf und es wurde auch ausgestiegen für das Selfie mit „Migrationshintergrund“. Auch wenn man viel Geld für so eine Reise bezahlt, man sollte nicht alles dürfen und die Guides sollten dafür Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden. Selbst als wir uns im Auto schnell bewegt haben, waren einige Gnus irritiert und der Mensch außerhalb des Autos hat einige Gnus zum Umkehren bewogen. So ein Verhalten geht gar nicht! Soll man die Safarifirma jetzt anzeigen? Nach langen Monaten ohne Arbeit wird ein gutes Trinkgeld dringend gebraucht – ach ich weiß auch nicht. Corona macht so Vieles so schwer.


Aber zurück zu den großartigen Momenten des Tages. Wir konnten uns nicht los reißen von der heutigen traumhaften Choreographie der Gnus und haben unser Mittagessen mit Gnus und Zebras genossen. Wie gut, dass Social Distancing an der frischen Luft kein Thema ist;-)

 

Über 2,5 Stunden haben wir das Highlight der Migration erleben dürfen, dann mussten wir wirklich los, wir mussten noch bis Grumeti, wo die traumhaft auf einem Hügel gelegene Grumeti Hills Lodge liegt. 21 Zimmer auf einem Hügel, 2 Familienzimmer, 1 Honeymoonzimmer mit freistehender Badewanne, ein Pool mit Aussicht. Alles wird mit einer riesigen Solaranlage betrieben, sogar die Safarifahrzeuge, mit denen auch Nachtsafaris angeboten werden. Wir haben genug Jeepstrecke hinter uns und lassen die Tieren ihre verdiente Nachtruhe. Aber morgen machen wir eine Walking Safari zum Grumeti Fluss, nachdem unser Muskelkater aus den Usambara Bergen verschwunden ist, freuen wir uns alle auf ein bisschen Bewegung.


Hier sind übrigens erstmalig Mücken unterwegs, Tse Tse hatten wir in der Nähe des Kogatende Airstrips hingegen täglich.
Jetzt gibt es noch Abendessen und dann geht´s ab in´s Bett. Ich wette, ich zähle Gnus zum einschlafen (Schäfchen sind out!) und träume vom Hmä, Mhm, Mhe der Gnus.
Gute Nacht nach einem großartigen Tag – Lala Salama!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

23.08.20 – Von Grumeti nach Seronera in die zentrale Serengeti

Das Abendessen im Grumeti Hills war köstlich und künstlerisch wertvoll. Der Koch hat für uns ein Viergänge Menu gezaubert und alles wunderschön angerichtet. Wieder mal waren wir die einzigen Gäste, es ist wirklich ein Jammer. Wo sonst funktioniert Social Distancing so gut wie auf Safari. Alles ist offen und an der frischen Luft, man ist mehr oder weniger nur mit den Insassen des eigenen Jeeps zusammen und trotzdem gibt es die Reisewarnung.

Unser Tag hat wieder mal früh begonnen, um 06:30 Uhr hatten wir einen Kaffee und herzhafte Zimtschnecken und sind dann von der Grumeti Hills Lodge in Begleitung eines Guides von der Lodge und eines bewaffneten Rangers los spaziert.


Grumeti ist eine WMA – Wildlife Management Area – im Gegensatz zu den Nationalparks ist hier z.B. Offroad Driving erlaubt (aber Vorsicht! Auch hier liegen viele Felsen und Steine). Auch Nachtfahrten werden angeboten. Das Grumeti Hille verfügt hierfür über Elektro Jeeps, die die Tiere nicht so sehr stören. Das Scheinwerferlicht, mag den ein oder anderen beim Schlummern stören, aber die nachtaktiven Tiere lassen sich wohl nicht stören. Fransisca und Said hatten sich auch noch die Solaranlage mit gut 200 Solarpanelen zeigen lassen (während ich den Sonnenuntergang genossen habe). Das ganze Camp inklusive Pool und die Elektrofahrzeuge wird über Solar betrieben, für das Brunnenwasser gibt es eine Osmoseanlage, die das Wasser in Trinkwasserqualität aufbereitet. Das nenne ich mal Nature Responsible!


Interessant war auch der Blick von oben. Wie mit einem Lineal gezogen war der uns naheliegende Teil der Ebene grün und das dahinter liegende Gebiet goldbraun mit trockenem Gras bewachsen. In der WMA, wie auch in den Nationalparks werden immer wieder mal Gebiete abgebrannt. Den Bäumen scheint es nicht zu schaden und nach den ersten Regenfällen wird alles wieder saftig grün. Macht man das nicht, bleiben die alten, trockenen Gräser stehen und das neue, saftige Gras, das die kleineren Antilopen bevorzugen, tut sich schwer zu wachsen. Die größeren Tiere entgehen den Flammen, aber kleine, langsame Tiere werden ihnen unter Umständen zum Opfer fallen. Des einen Freud des anderen Leid, auch hier in der Wildnis.
Auf unserer Wanderung sind uns Zebras, Giraffen, Topis und Impalas begegnet, für den alten Büffel haben wir einen Umweg gemacht, man zieht sich den Zorn dieser Tiere besser nicht zu. Nach knapp 90 Minuten endete unser Spaziergang am Grumeti Fluss, wo ein Frühstück auf uns wartete. Kann ein Tag schöner beginnen, als an einem sonnigen Morgen unter einem schattigen Baum am Flussufer zu sitzen und bewirtet zu werden? Auf einer mobilen, mit Kohle betriebenen Kochstation wurden Eierspeisen zubereitet, dazu gab es Toast, Pancakes, Obst und Cerealien. Dazu Kaffee, Tee, Milch und Saft. War das herrlich! Sogar eine Camping Toilette war da und wie überall eine Handwaschstation- es wurde an alles gedacht! Im Gegensatz zu den Kollegen am Ngorongoro Gate, waren die Paviane sehr sittsam und haben uns ungestört gewähren lassen.


John hat uns gegen 09:30 Uhr eingesammelt und wir sind zum Grumeti Migration Camp gefahren, um uns das Camp anzusehen. Sehr schöne Lage am Hügel, mir aber eine Spur zu viel Stein und indisches Design. Unser nächster Stopp, eigentlich nur 10 Minuten entfernt, musste etwas auf uns warten. Eine Elefantenherde kreuzte unseren Weg und das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Kurz danach entdeckten Bonna und Said ein Löwenrudel, das so gut getarnt in den Felsen lag, dass es kaum zu erkennen war. Wir zählten 15 Tiere und der Chef war noch nicht mal zu sehen. Wer weiß, ob er nicht auch noch Damen seines Harems bei sich hatte.


In der Simba Lodge, in die wir nun mir Verspätung ankamen, hatte man natürlich Verständnis, dass wir bei den Löwen verweilt haben – heißt doch Löwe auf Suaheli Simba!
Hier gibt es neben des großen Lobby-Restaurant-Pool Areals 15 Zelte und ein Steinhaus mit 6 Zimmern. Auch wenn die Zelte mit der Außendusche authentischer sind, die Aussicht aus dem Steinhaus ist der Hammer. 180 Grad Blick über die Grumeti Ebene – Wahnsinn!


Von allen Lodges fährt man ca. 45 Minuten bis zum Ikoma Gate und fährt direkt von der WMA in die Serengeti. Auf unserem Weg zu unserem heutigen Camp haben wir einen Abstecher zur Four Seasons Lodge gemacht. Ich wollte mir diese Luxusunterkunft mal ansehen, um zu verstehen, warum die Übernachtungen hier so teuer sind. Der Abstecher hat uns zu einer schönen Begegnung mit einem alten Elefantenbullen verholfen, aber ansonsten nichts gebracht.

Die Lodge war verschlossen. Ein Gärtner (allein auf weiter Flur mit Maske) schickte uns zur Personaleinfahrt. Dort saß ein schmucker Wachmann mit Handschuhen und Maske und musste nachfragen, ob wir eintreten dürfen. Durften wir nicht – also wieder zurück und ins Thorntree Camp gefahren. Hier wohnen Bonna und ich in einem der drei Familienzelte, haben erstmal ausgiebig geduscht und geschrieben, den Sonnenuntergang und das Lagerfeuer genossen. Unser Camp hat insgesamt 14 Zelte, ein Restaurant/Bar Zelt mit Wifi, 24 Stunden Strom und warmes Wasser.
Jetzt warte ich auf das Abendessen, bevor es früh ins Bett geht. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk

24.08.20 Serengeti Seronera

Bonna und ich starteten unseren „Early Morning Gamedrive“ um 06:00 Uhr in der Dunkelheit. Es war nach recht kühl und die Serengeti relativ leer. Eine Hyäne, ein paar Antilopen, das war´s. Rund um den Seronera Fluss trafen wir auf einige Nilpferde, die vom Land zurück ins Wasser gingen, wo sie in größerer Zahl zusammentreffen, verraten Sie sich durch ihren sehr strengen Geruch. Zum Ende unseres Ausflugs wurden wir dann doch noch mit 4 Geparden belohnt, die teils spielend an uns vorbei zogen.


Im Camp haben wir gemütlich gefrühstückt, bevor wir mit gepackten Taschen wieder aufbrachen, wir hatten noch ein paar Stationen auf unserem Plan. Zuerst fuhren wir zur Frankfurter Zoologischen Gesellschaft, die in der Serengeti eine Außenstation hat. Den Verantwortlichen Rian Labuschagne fanden wir letztlich im Fahrzeugbereich der Ranger. Glücklicherweise hat er sich Zeit für ein ausführliches Gespräch mit uns genommen, dass für alle von uns sehr lehrreich war und uns nochmals aufgezeigt hat, dass der fehlende Tourismus nicht nur den Menschen schadet, die nun keine oder kaum Arbeit haben, sondern auch den Tieren in den Nationalparks. Ohne die Einnahmen aus den Eintritts- und Campinggebühren in den Parks, fehlt es derzeit an Allem. Der Staat hat andere Sorgen und eine Unterstützung für die Parks und die Ranger gibt es kaum bis gar nicht. Die Gesellschaft zahlt (unter vielem Anderen) für Benzin und Reifen der Ranger, damit sie ihre wichtige Aufgabe im Naturschutz aufrecht erhalten können. Mit sinkenden Einkommen steigt die Zahl der Wilderei für „Bushmeat. In drei Tagen wurden in Kogatende, der nördlichen Serengeti 450 Fallen gefunden und entfernt. Ziel der Fallen sind häufig die Gnus, die ja in großer Zahl durchziehen, Opfer werden aber auch alle anderen Tiere, die in den Fallen landen.


Unsere nächste Station war das Tortillis Camp. Wir hatten etwas Mühe das Camp zu finden, die Beschilderung in der Serengeti ist sehr bescheiden und teilweise gibt es dieselben Namen mehrfach. Über Telefon haben wir eine genaue Beschreibung bekommen und die eindringliche Warnung nicht am Parkplatz auszusteigen – es sind Löwen in der Nähe. Das Tortillis Camp liegt in einer sehr wilden Gegend, mit vielen Bäumen und Sträuchern. Wir sahen viele Büffel, Giraffen und Antilopen auf dem Weg. Der Manager freute sich über die Abwechslung und die Möglichkeit ein bisschen erzählen zu können und uns das Camp zu zeigen. Die 14 Zelte liegen rechts und links von dem Restaurant und Loungezelt. Die Löwen konnten wir von unserem Spaziergang aus sehen und erledigten alle Wege etwas zügiger als üblich;-).
Als wir aus dem sicheren Jeep aus etwas näher fuhren, war klar, dass wir uns keine Sorgen hätten machen müssen. Das Rudel hatte einen großen Büffel erlegt, der stolze Mähnenlöwe war schon in der Ruhephase nach dem üppigen Mahl, drei andere mühten sich noch mit dem „unhandlichen“ Mittagessen.


Unser Mittagessen haben wir am Picknickplatz vom Visitor Center genossen, nachdem wir ein kurzes Treffen mit der Tanapa Chefin der Serengeti hatten (Tanapa managt die Nationalparks in Tansania). Wer schon mal da war, kennt den Trubel dort und die dicken Hyraxe (sehen aus wie Murmeltiere), die sich über die Lunchboxen der Touristen freuen.
Jetzt war hier gähnende Leere und die Hyraxe hatten den Platz für sich eingenommen und chillten auf den Tischen und Banken. Selbst zum Betteln waren sie zu bequem – irgendwie lustig, wie die Natur auf Änderungen reagiert.

Wie immer dauerte alles viel länger als sonst und es wurde schon knapp mit der Zeit. Wir haben uns noch das Corona Notfallcenter / Erste Hilfe Station angesehen. Für die Erstversorgung ist hier gesorgt, ein Verdachtsfall auf Corona wurde hier noch nicht eingeliefert.
Auf dem direkten Weg ging es dann zum Naabi Hill, wo wir aus der Serengeti aus- und in die Ngorongoro Conservancy eincheckten. Es war schon nach 17 Uhr, als wir uns zu den Ngorongoro Highlands aufmachten. Zwei Geparde, die quasi am Wegesrande auf uns gewartet zu haben schienen, haben uns ein paar Minuten aufgehalten. Sie zogen an uns vorbei in die Steppe, es schien als ob sie jagen wollten, aber wir mussten weiter.

Die Olduvai Ndogo Lodge erreichten wir kurz vor 18:30 Uhr, den Sundowner Walk hatten wir leider verpasst, aber den Sonnenuntergang haben wir gerade noch gesehen. Die Lodge besteht aus acht wunderschönen Zelten mit Blick in die unendlich weite Steppe. Vom obersten Punkt des Hügels hat man fast einen Rundumblick. Ein großes Lagerfeuer wurde von den Massai angezündet und wir haben uns über das Leben, die Sitten und die Veränderungen durch die Moderne im Leben der Massai unterhalten.


Das Essen (wie immer zu reichlich) war fantastisch und auch dieser Tag ging mit vielen Eindrücken in dieser unglaublichen Natur zu Ende. Ab ins Bett – um 07:00 Uhr wird Morgen gewandert. Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Reise - Tansania August 2020 | von: Martina Volk
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