kogatende

22.08.20 Serengeti Kogatende – Mara Fluss 3. und letzte Chance das Crossing zu sehen

Ein bisschen Gamedrive auf dem Weg zum Tabora Gate und dann Weiterfahrt zu unserer nächsten Unterkunft in Grumeti. Der Tag begann (wie fast immer) um 06:00 Uhr, aber ganz gemütlich. Taschen packen, Emails checken, Fotos schicken und in Ruhe frühstücken. Um 08:15 saßen wir wieder im Jeep und fuhren den Mara Fluss entlang. Wie gestern, nichts Spektakuläres – ein paar Hippos, Warzenschweine, Antilopen, Giraffen. Viel mehr hatte ich für heute auch nicht erwartet.
Dann kam die erste Meldung, an Crossing Nummer 7 sei eine größere Herde bereit sich in die Fluten zu stürzen. Hmm? Da haben wir ja gestern schon Stunden drauf gewartet. Einige Jeeps standen in Position, die Gnus wirkten entspannt. Dann kam die nächste Meldung, an Crossing 10 geht’s los. Der uns unbekannte Sprecher war ganz aufgeregt und sehr lustig: „Kommt, kommt! Hier sind tausende, die ersten haben die Flussseite schon gewechselt. Schnell, schnell! Es sind Milliarden. Los jetzt, es sind 123.567!“
Also los! Ca. 20 Minuten hat die Fahrt gedauert und wir rätselten, ob die Aussage a) stimmt und wir b) schnell genug sind.
Je näher wir an die 10 kamen (man zählt die Zuflüsse zum Mara River von 0 – 13, um sich orientieren zu können) umso mehr Gnus und Zebras sahen wir an der gegenüberliegenden Flussseite. Und dann sahen und hörten wir, wofür tausende Menschen zwischen Juli und Oktober in die nördliche Serengeti kommen.

Ist es das wert? Das viele Geld, das man für eine solche Reise ausgibt? Die Anreise in Coronazeiten mit stundenlangem Masken tragen im Flugzeug und auf den Flughäfen? Stundenlanges fahren auf teils sehr holprigen Pisten, wenn man sich den Luxus des Fliegens zum Kogatende Airstrip nicht gönnt? Ja, ja und nochmal ja!


Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was sich unseren Augen und Ohren bot. Tausende Gnus hatten sich am gegenüberliegenden Ufer versammelt, dazwischen lautstark einige Zebras. Die Überquerung des Mara Flusses hatte begonnen. Was für eine Dynamik, was für ein Gewusel, was für eine Geräuschkulisse, was für ein Kampf! Ich bin so dankbar, dass es solche Gebiete noch gibt, wo der Natur freien Lauf gelassen wird. Gleichzeitig immer wieder demütig und manchmal auch etwas traurig, weil der Mensch immer mehr zerstört.
Jetzt war es aber an der Zeit, dieses Spektakel zu betrachten und natürlich zu dokumentieren. Ich bin mal gespannt, wieviele Fotos und wieviele Videominuten Fransisca, Said und ich am Ende zählen werden.


Die Choreografie war wieder unverständlich und erinnerte teilweise an einen Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen steckt. Einige sprangen ins Wasser, schwammen ans andere Ufer und liefen das Ufer hoch. Als wenn sie rufen würden, „hej, ich habs geschafft – kommt rüber!“ machte scheinbar jedes Gnu seine schafähnlichen Geräusche. An manchen Stellen war die Strömung relativ stark, vor allem dort wo größere Felsen im Wasser waren. Dafür war es dort nicht so tief und das Schwimmen könnte einem eventuell erspart bleiben. Zuerst querten nur die Gnus, die Zebras liefen wie Zeremonienmeister laut brüllend hin und her. Die Gnus gehen immer hintereinander in den Fluss, sobald ein Mutiger den Anfang macht, folgt der ganze Tross. Lassen sie sich von etwas ablenken oder erschrecken vor etwas, bleiben alle stehen und ein neuer Anführer muss gefunden werden. Oft findet dieser sich an einer anderen Stelle, sodass die Gnus immer wieder woanders ins Wasser gehen oder springen und die ganze Herde gerät wieder in Bewegung. Warum einige der Tiere wieder zurück auf die andere Seite schwimmen, bleibt ihr Geheimnis. Zwischendurch ging es ziemlich durcheinander und nachdem die Gnus eben noch von rechts nach links an uns vorbei das Ufer hochgerannt sind, kommen andere von links nach rechts runter und machen sich bereit den Fluss in Gegenrichtung zu queren. Einige trieben in der Strömung ab und mussten kämpfen ans Ufer zu kommen. Manche verloren den Kampf, teils durch eigenes Unvermögen, teils fielen sie den Krokodilen zum Opfer, von denen es hier einige sehr Große gibt. Unglaublich wie schnell ein Gnu unter Wasser verschwindet, dass passiert teilweise in einer Sekunde. Manchmal sieht man die Gnus in merkwürdigen Positionen durchs Wasser schwimmen und verzweifelt nach Luft schnappen. Auch in diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass ein Krokodil im Spiel war. Die Nilpferde auf einer Insel im Fluss, ließen alles stoisch an sich vorbeiziehen, sie fühlten sich offensichtlich nicht gestört. Immer wieder wurden neue Stellen bestimmt, von denen die Gnus ins Wasser sprangen, manchmal von drei Stellen gleichzeitig, teils mit Gegenverkehr. Nach über einer Stunde hatten die Zebras wohl das Vertrauen, dass die Krokodile satt waren und überquerten nun auch den Fluss, schön eingereiht zwischen den Gnus. Mittlerweile trieben schon einige Kadaver durchs Wasser, die von den Geiern flussabwärts sehnlichst erwartet wurden. Auf der von Wasser überspülten Brücke, die auf Höhe des Flughafens zum Asilia Camp auf der anderen Flussseite führt , hatten wir schon morgens mehrere tote Gnus liegen sehen.


Es war ein unglaubliches Erlebnis diesem Naturspektakel zusehen zu dürfen – quasi auf den letzten Drücker, nachdem wir 2,5 Tage gehofft und gewartet haben. Ich bin sehr dankbar! Und ich bin sehr froh, dieses Schauspiel jetzt erlebt zu haben – es waren ca. 15 Safarijeeps um uns herum, die Fahrer waren sehr kollegial miteinander und haben sich gegenseitig Platz gegeben, dass jeder eine gute Sicht hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier in „normalen“ Zeiten zugeht, wenn sich hunderte Jeeps am Ufer drängen – da wird es mit der Kollegialität schnell vorbei sein. Was schade war, ist das ein Fahrer einen Gast auf dem Dach des Jeeps haben stehen lassen, manche saßen darauf und es wurde auch ausgestiegen für das Selfie mit „Migrationshintergrund“. Auch wenn man viel Geld für so eine Reise bezahlt, man sollte nicht alles dürfen und die Guides sollten dafür Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden. Selbst als wir uns im Auto schnell bewegt haben, waren einige Gnus irritiert und der Mensch außerhalb des Autos hat einige Gnus zum Umkehren bewogen. So ein Verhalten geht gar nicht! Soll man die Safarifirma jetzt anzeigen? Nach langen Monaten ohne Arbeit wird ein gutes Trinkgeld dringend gebraucht – ach ich weiß auch nicht. Corona macht so Vieles so schwer.


Aber zurück zu den großartigen Momenten des Tages. Wir konnten uns nicht los reißen von der heutigen traumhaften Choreographie der Gnus und haben unser Mittagessen mit Gnus und Zebras genossen. Wie gut, dass Social Distancing an der frischen Luft kein Thema ist;-)

 

Über 2,5 Stunden haben wir das Highlight der Migration erleben dürfen, dann mussten wir wirklich los, wir mussten noch bis Grumeti, wo die traumhaft auf einem Hügel gelegene Grumeti Hills Lodge liegt. 21 Zimmer auf einem Hügel, 2 Familienzimmer, 1 Honeymoonzimmer mit freistehender Badewanne, ein Pool mit Aussicht. Alles wird mit einer riesigen Solaranlage betrieben, sogar die Safarifahrzeuge, mit denen auch Nachtsafaris angeboten werden. Wir haben genug Jeepstrecke hinter uns und lassen die Tieren ihre verdiente Nachtruhe. Aber morgen machen wir eine Walking Safari zum Grumeti Fluss, nachdem unser Muskelkater aus den Usambara Bergen verschwunden ist, freuen wir uns alle auf ein bisschen Bewegung.


Hier sind übrigens erstmalig Mücken unterwegs, Tse Tse hatten wir in der Nähe des Kogatende Airstrips hingegen täglich.
Jetzt gibt es noch Abendessen und dann geht´s ab in´s Bett. Ich wette, ich zähle Gnus zum einschlafen (Schäfchen sind out!) und träume vom Hmä, Mhm, Mhe der Gnus.
Gute Nacht nach einem großartigen Tag – Lala Salama!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

21.08.20 Serengeti Kogatende – zweiter Versuch das River Crossing am Mara Fluss zu erleben

Wie immer auf Safari, klingelte der Wecker früh um 6:00 Uhr. Leider gab es heute nicht den persönlichen Weckservice mit Kaffee oder Tee. Die ersten Anzeichen der Dämmerung waren draußen über dem Fluss schon zu sehen. Schnell haben wir uns fertig gemacht und sind zum Frühstück gegangen. In dem offenen Raum war es noch ganz schön kalt, so dass wir uns nicht lange aufgehalten haben. Wunderschön war der Sonnenaufgang direkt über dem Fluss. 

Um kurz nach sieben sind wir losgefahren, Fransiska hat sich entschieden, in der Lodge zu bleiben um etwas zu arbeiten. Um kurz nach sieben sind wir losgefahren und hatten aufgrund der kühlen Temperaturen das Dach erst noch zugelassen. Morgens ist es noch ganz schön kalt, vor allem im Fahrtwind. Die erste Stunde haben wir nicht viel gesehen, außer ein paar Gazellen und Gnus. Die Raubkatzen verrieten nur durch die zahlreichen Kadaver, dass sie in der Nähe sein müssten. Irgendwann hatte John ein Ziel und gemeinsam mit einem anderen Jeep machten wir uns auf die Suche nach dem großen Fragezeichen. Die Fahrer sagen nicht immer auf welcher Suche sie sind, um a) die Kunden zu überraschen und b) nicht zu enttäuschen, wenn das Gesuchte nicht gefunden wird. Wir haben erraten, dass es sich wohl um Geparden handeln muss, die wir auch tatsächlich nach einer guten halben Stunde zwischen den Büschen am Flussufer entdeckten. Es war ein Bruderpaar, dass sich durch die mittlerweile fünf Jeeps nicht stören ließen und ein bisschen schmusten, ein Stück gemeinsam spazierten, sich unter einen Busch in den Schatten legten, wieder ein Stück liefen, bis sie das Flussufer herunter gingen und unserem Blickfeld entschwanden. Was für wunderbare und elegante Tiere!



Weiter ging unsere Fahrt durch Kogatende am Ufer des Mara Flusses entlang. Es waren wieder mehr Gnus zu sehen. Die Herde, auf deren Crossing gestern einige, teils vergeblich, gewartet haben ist noch weiter gezogen und hat den Fluss gegen 18 Uhr an einer anderen Stelle überquert. Eigentlich hätten da schon alle Gamedrives beendet sein müssen, aber derzeit scheint es nicht so viele Kontrollen zu geben.
Gegen 12:30 trafen wir auf eine große Gruppe Gnus, die sich am anderen Mara Ufer auf einer Klippe sammelten. Während unseres Mittagessen im Jeep beobachteten wir die für uns völlig unverständliche Choreografie der Gnus und einiger Zebras. Die Herde zog nach links und dann nach rechts, einige blieben stehen, um dann umso schneller hinterher zu rennen. Diverse Jeeps warteten in einiger Entfernung, um die Tiere nicht zu stören. Immer wieder dachten wir, dass es jetzt los geht und die Tiere den Fluss überqueren, aber der eine Mutige, der den Anfang machen muss, war leider noch nicht gefunden. Verständlich – warten im Fluss ja nicht nur die Krokodile sondern auch Nilpferde, die ebenfalls sehr unangenehm werden können, sobald sie sich gestört fühlen.
Die Herden werden oft von Zebras angeführt, die über ein größeres Erinnerungsvermögen verfügen. Wenn es aber zur Flussüberquerung kommt, werden die Gnus vorgelassen. Sie folgen erst, wenn die Krokodile satt sind.


Nach über einer Stunde sind einige Zebras die Klippe runter zum Wasser gelaufen, die Gnus folgten sofort und nach einiger Zeit war die kleine Landzunge voll. Doch anstatt den Fluss zu queren, gingen die ersten Gnus die Klippen wieder hoch. Es herrschte ein ziemliches Gedränge bis die Zebras nach links abschwenkten und über flaches Gelände weiterzogen. Die Herde teilte sich, einige gingen wieder zurück auf die hohe Klippe nach rechts, die anderen zogen nach links.
Wieder einige Zeit später zogen die von der rechten Klippe ins freie Gelände und machten nicht mehr den Eindruck heute auf die andere Seite zu wechseln. Also fuhren wir wieder nach Westen, von Crossing Point Nummer 7 zu 6, in der Hoffnung, dass die andere Gruppe sich heute noch auf zu anderen Ufern macht. Es wurde 16, es wurde 16:30 Uhr. Ca. 10 Autos folgten der Herde, das gleiche machte auch eine kleine Gruppe Gnus auf unserer Flussseite. Sie fanden wohl ihre Gruppe zu klein und hofften auf Verstärkung.
Irgendwann gab die kleine Gnuherde auf, wir aber folgten weiter – alle Jeeps langsam hintereinander her – ein bisschen wie im Disneyland, wo die Menschen in kleinen Booten oder Karren im gleichen Abstand durch die animierte Welt befördert werden.
Vielleicht hätten wir auch aufgeben sollen. Aber gestern ist die Herde nach einigem Wandern ja auch noch über den Mara Fluss gekommen.
Leider hat alles Warten und Hoffen nichts genutzt, jedes Tier blieb auf seiner Seite des Flusses. So kann es gehen aus Safari, mal sieht man unglaublich viel ohne großartig suchen zu müssen und mal bringt man soviel Geduld und Zeit auf und wird doch nicht belohnt. Ein Grund wieder zu Kommen ;-)!
Wir sind den Fluss noch weiter entlang gefahren und haben immer wieder Gnus gesehen, die aber nicht zur Mutprobe über den Fluss bereit waren. Endlich kamen wir am kleinen „Flughafen“ an, mit der einzigen Toilette weit und breit. Hätte ich gewusst, dass das Warten auf die Gnus vergeblich war, hätte ich mich nicht so lange gequält und wäre schon früher hier gewesen. Alternative ist natürlich immer die Buschtoilette, aber wenn alle Jeeps so schön zusammenstehen, um auf die Herden zu warten, ist das irgendwie auch blöd 😉


Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es in normalen Zeiten hier sein mag. Laut John sind dann hunderte von Jeeps unterwegs – jetzt haben wir den ganzen Tag maximal 20 gesehen. Meine Frage, ob es öfters zu Unfällen kommt, wenn alle Fahrer mit Abstand vom Fluss auf das Crossing warten und dann auf einmal losfahren, um ihren Kunden die bestmögliche Sicht auf das Spektakel zu ermöglichen, wurde eindeutig mit ja beantwortet. Ich bin froh, dass wir genau jetzt die Möglichkeit hatten hier zu sein, auch wenn wir das Crossing nicht erlebt haben. Als die Gnus mittags die Klippe runter (und dann auch wieder hoch) sind, konnte man ja schon ganz gut erahnen, wie es sein würde, wenn die Tiere wirklich in den für sie gefährlichen Fluss springen.


Es ging jetzt wieder zurück zur Lodge. Nach einem kurzen Regenschauer war die Sicht ganz klar und die Sonne tauchte die Ebenen, die teils goldfarben waren – wie reifes Korn – und teils leuchtend grün an den Stellen die vor ca. 4 Wochen abgebrannt wurden. Unsere Kunden berichteten vor drei Wochen von großen, schwarzen, verbrannten Flächen. Nach einigen kurzen Regenschauern explodiert die Natur wieder und das Grün kommt leuchtend aus dem schwarzen Boden geschossen. Dunkelgraue Regenwolken, gleißendes Sonnenlicht, das saftige Grün, ein Regenbogen und die leuchtenden Zebras und zahlreichen Gnus zauberten eine stimmungsvolle Szenerie. Nach über 11 Stunden Safari kamen wir zum Sonnenuntergang in der Lodge an. Emails checken, duschen, Abendessen, das Nötigste arbeiten und müde ins Bett inmitten der unfassbaren Natur Tansanias. Lala salama – gute Nacht!

 

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk