grumeti

23.08.20 – Von Grumeti nach Seronera in die zentrale Serengeti

Das Abendessen im Grumeti Hills war köstlich und künstlerisch wertvoll. Der Koch hat für uns ein Viergänge Menu gezaubert und alles wunderschön angerichtet. Wieder mal waren wir die einzigen Gäste, es ist wirklich ein Jammer. Wo sonst funktioniert Social Distancing so gut wie auf Safari. Alles ist offen und an der frischen Luft, man ist mehr oder weniger nur mit den Insassen des eigenen Jeeps zusammen und trotzdem gibt es die Reisewarnung.

Unser Tag hat wieder mal früh begonnen, um 06:30 Uhr hatten wir einen Kaffee und herzhafte Zimtschnecken und sind dann von der Grumeti Hills Lodge in Begleitung eines Guides von der Lodge und eines bewaffneten Rangers los spaziert.


Grumeti ist eine WMA – Wildlife Management Area – im Gegensatz zu den Nationalparks ist hier z.B. Offroad Driving erlaubt (aber Vorsicht! Auch hier liegen viele Felsen und Steine). Auch Nachtfahrten werden angeboten. Das Grumeti Hille verfügt hierfür über Elektro Jeeps, die die Tiere nicht so sehr stören. Das Scheinwerferlicht, mag den ein oder anderen beim Schlummern stören, aber die nachtaktiven Tiere lassen sich wohl nicht stören. Fransisca und Said hatten sich auch noch die Solaranlage mit gut 200 Solarpanelen zeigen lassen (während ich den Sonnenuntergang genossen habe). Das ganze Camp inklusive Pool und die Elektrofahrzeuge wird über Solar betrieben, für das Brunnenwasser gibt es eine Osmoseanlage, die das Wasser in Trinkwasserqualität aufbereitet. Das nenne ich mal Nature Responsible!


Interessant war auch der Blick von oben. Wie mit einem Lineal gezogen war der uns naheliegende Teil der Ebene grün und das dahinter liegende Gebiet goldbraun mit trockenem Gras bewachsen. In der WMA, wie auch in den Nationalparks werden immer wieder mal Gebiete abgebrannt. Den Bäumen scheint es nicht zu schaden und nach den ersten Regenfällen wird alles wieder saftig grün. Macht man das nicht, bleiben die alten, trockenen Gräser stehen und das neue, saftige Gras, das die kleineren Antilopen bevorzugen, tut sich schwer zu wachsen. Die größeren Tiere entgehen den Flammen, aber kleine, langsame Tiere werden ihnen unter Umständen zum Opfer fallen. Des einen Freud des anderen Leid, auch hier in der Wildnis.
Auf unserer Wanderung sind uns Zebras, Giraffen, Topis und Impalas begegnet, für den alten Büffel haben wir einen Umweg gemacht, man zieht sich den Zorn dieser Tiere besser nicht zu. Nach knapp 90 Minuten endete unser Spaziergang am Grumeti Fluss, wo ein Frühstück auf uns wartete. Kann ein Tag schöner beginnen, als an einem sonnigen Morgen unter einem schattigen Baum am Flussufer zu sitzen und bewirtet zu werden? Auf einer mobilen, mit Kohle betriebenen Kochstation wurden Eierspeisen zubereitet, dazu gab es Toast, Pancakes, Obst und Cerealien. Dazu Kaffee, Tee, Milch und Saft. War das herrlich! Sogar eine Camping Toilette war da und wie überall eine Handwaschstation- es wurde an alles gedacht! Im Gegensatz zu den Kollegen am Ngorongoro Gate, waren die Paviane sehr sittsam und haben uns ungestört gewähren lassen.


John hat uns gegen 09:30 Uhr eingesammelt und wir sind zum Grumeti Migration Camp gefahren, um uns das Camp anzusehen. Sehr schöne Lage am Hügel, mir aber eine Spur zu viel Stein und indisches Design. Unser nächster Stopp, eigentlich nur 10 Minuten entfernt, musste etwas auf uns warten. Eine Elefantenherde kreuzte unseren Weg und das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Kurz danach entdeckten Bonna und Said ein Löwenrudel, das so gut getarnt in den Felsen lag, dass es kaum zu erkennen war. Wir zählten 15 Tiere und der Chef war noch nicht mal zu sehen. Wer weiß, ob er nicht auch noch Damen seines Harems bei sich hatte.


In der Simba Lodge, in die wir nun mir Verspätung ankamen, hatte man natürlich Verständnis, dass wir bei den Löwen verweilt haben – heißt doch Löwe auf Suaheli Simba!
Hier gibt es neben des großen Lobby-Restaurant-Pool Areals 15 Zelte und ein Steinhaus mit 6 Zimmern. Auch wenn die Zelte mit der Außendusche authentischer sind, die Aussicht aus dem Steinhaus ist der Hammer. 180 Grad Blick über die Grumeti Ebene – Wahnsinn!


Von allen Lodges fährt man ca. 45 Minuten bis zum Ikoma Gate und fährt direkt von der WMA in die Serengeti. Auf unserem Weg zu unserem heutigen Camp haben wir einen Abstecher zur Four Seasons Lodge gemacht. Ich wollte mir diese Luxusunterkunft mal ansehen, um zu verstehen, warum die Übernachtungen hier so teuer sind. Der Abstecher hat uns zu einer schönen Begegnung mit einem alten Elefantenbullen verholfen, aber ansonsten nichts gebracht.

Die Lodge war verschlossen. Ein Gärtner (allein auf weiter Flur mit Maske) schickte uns zur Personaleinfahrt. Dort saß ein schmucker Wachmann mit Handschuhen und Maske und musste nachfragen, ob wir eintreten dürfen. Durften wir nicht – also wieder zurück und ins Thorntree Camp gefahren. Hier wohnen Bonna und ich in einem der drei Familienzelte, haben erstmal ausgiebig geduscht und geschrieben, den Sonnenuntergang und das Lagerfeuer genossen. Unser Camp hat insgesamt 14 Zelte, ein Restaurant/Bar Zelt mit Wifi, 24 Stunden Strom und warmes Wasser.
Jetzt warte ich auf das Abendessen, bevor es früh ins Bett geht. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk

22.08.20 Serengeti Kogatende – Mara Fluss 3. und letzte Chance das Crossing zu sehen

Ein bisschen Gamedrive auf dem Weg zum Tabora Gate und dann Weiterfahrt zu unserer nächsten Unterkunft in Grumeti. Der Tag begann (wie fast immer) um 06:00 Uhr, aber ganz gemütlich. Taschen packen, Emails checken, Fotos schicken und in Ruhe frühstücken. Um 08:15 saßen wir wieder im Jeep und fuhren den Mara Fluss entlang. Wie gestern, nichts Spektakuläres – ein paar Hippos, Warzenschweine, Antilopen, Giraffen. Viel mehr hatte ich für heute auch nicht erwartet.
Dann kam die erste Meldung, an Crossing Nummer 7 sei eine größere Herde bereit sich in die Fluten zu stürzen. Hmm? Da haben wir ja gestern schon Stunden drauf gewartet. Einige Jeeps standen in Position, die Gnus wirkten entspannt. Dann kam die nächste Meldung, an Crossing 10 geht’s los. Der uns unbekannte Sprecher war ganz aufgeregt und sehr lustig: „Kommt, kommt! Hier sind tausende, die ersten haben die Flussseite schon gewechselt. Schnell, schnell! Es sind Milliarden. Los jetzt, es sind 123.567!“
Also los! Ca. 20 Minuten hat die Fahrt gedauert und wir rätselten, ob die Aussage a) stimmt und wir b) schnell genug sind.
Je näher wir an die 10 kamen (man zählt die Zuflüsse zum Mara River von 0 – 13, um sich orientieren zu können) umso mehr Gnus und Zebras sahen wir an der gegenüberliegenden Flussseite. Und dann sahen und hörten wir, wofür tausende Menschen zwischen Juli und Oktober in die nördliche Serengeti kommen.

Ist es das wert? Das viele Geld, das man für eine solche Reise ausgibt? Die Anreise in Coronazeiten mit stundenlangem Masken tragen im Flugzeug und auf den Flughäfen? Stundenlanges fahren auf teils sehr holprigen Pisten, wenn man sich den Luxus des Fliegens zum Kogatende Airstrip nicht gönnt? Ja, ja und nochmal ja!


Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was sich unseren Augen und Ohren bot. Tausende Gnus hatten sich am gegenüberliegenden Ufer versammelt, dazwischen lautstark einige Zebras. Die Überquerung des Mara Flusses hatte begonnen. Was für eine Dynamik, was für ein Gewusel, was für eine Geräuschkulisse, was für ein Kampf! Ich bin so dankbar, dass es solche Gebiete noch gibt, wo der Natur freien Lauf gelassen wird. Gleichzeitig immer wieder demütig und manchmal auch etwas traurig, weil der Mensch immer mehr zerstört.
Jetzt war es aber an der Zeit, dieses Spektakel zu betrachten und natürlich zu dokumentieren. Ich bin mal gespannt, wieviele Fotos und wieviele Videominuten Fransisca, Said und ich am Ende zählen werden.


Die Choreografie war wieder unverständlich und erinnerte teilweise an einen Ameisenhaufen, in den man ein Stöckchen steckt. Einige sprangen ins Wasser, schwammen ans andere Ufer und liefen das Ufer hoch. Als wenn sie rufen würden, „hej, ich habs geschafft – kommt rüber!“ machte scheinbar jedes Gnu seine schafähnlichen Geräusche. An manchen Stellen war die Strömung relativ stark, vor allem dort wo größere Felsen im Wasser waren. Dafür war es dort nicht so tief und das Schwimmen könnte einem eventuell erspart bleiben. Zuerst querten nur die Gnus, die Zebras liefen wie Zeremonienmeister laut brüllend hin und her. Die Gnus gehen immer hintereinander in den Fluss, sobald ein Mutiger den Anfang macht, folgt der ganze Tross. Lassen sie sich von etwas ablenken oder erschrecken vor etwas, bleiben alle stehen und ein neuer Anführer muss gefunden werden. Oft findet dieser sich an einer anderen Stelle, sodass die Gnus immer wieder woanders ins Wasser gehen oder springen und die ganze Herde gerät wieder in Bewegung. Warum einige der Tiere wieder zurück auf die andere Seite schwimmen, bleibt ihr Geheimnis. Zwischendurch ging es ziemlich durcheinander und nachdem die Gnus eben noch von rechts nach links an uns vorbei das Ufer hochgerannt sind, kommen andere von links nach rechts runter und machen sich bereit den Fluss in Gegenrichtung zu queren. Einige trieben in der Strömung ab und mussten kämpfen ans Ufer zu kommen. Manche verloren den Kampf, teils durch eigenes Unvermögen, teils fielen sie den Krokodilen zum Opfer, von denen es hier einige sehr Große gibt. Unglaublich wie schnell ein Gnu unter Wasser verschwindet, dass passiert teilweise in einer Sekunde. Manchmal sieht man die Gnus in merkwürdigen Positionen durchs Wasser schwimmen und verzweifelt nach Luft schnappen. Auch in diesem Fall ist es wahrscheinlich, dass ein Krokodil im Spiel war. Die Nilpferde auf einer Insel im Fluss, ließen alles stoisch an sich vorbeiziehen, sie fühlten sich offensichtlich nicht gestört. Immer wieder wurden neue Stellen bestimmt, von denen die Gnus ins Wasser sprangen, manchmal von drei Stellen gleichzeitig, teils mit Gegenverkehr. Nach über einer Stunde hatten die Zebras wohl das Vertrauen, dass die Krokodile satt waren und überquerten nun auch den Fluss, schön eingereiht zwischen den Gnus. Mittlerweile trieben schon einige Kadaver durchs Wasser, die von den Geiern flussabwärts sehnlichst erwartet wurden. Auf der von Wasser überspülten Brücke, die auf Höhe des Flughafens zum Asilia Camp auf der anderen Flussseite führt , hatten wir schon morgens mehrere tote Gnus liegen sehen.


Es war ein unglaubliches Erlebnis diesem Naturspektakel zusehen zu dürfen – quasi auf den letzten Drücker, nachdem wir 2,5 Tage gehofft und gewartet haben. Ich bin sehr dankbar! Und ich bin sehr froh, dieses Schauspiel jetzt erlebt zu haben – es waren ca. 15 Safarijeeps um uns herum, die Fahrer waren sehr kollegial miteinander und haben sich gegenseitig Platz gegeben, dass jeder eine gute Sicht hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es hier in „normalen“ Zeiten zugeht, wenn sich hunderte Jeeps am Ufer drängen – da wird es mit der Kollegialität schnell vorbei sein. Was schade war, ist das ein Fahrer einen Gast auf dem Dach des Jeeps haben stehen lassen, manche saßen darauf und es wurde auch ausgestiegen für das Selfie mit „Migrationshintergrund“. Auch wenn man viel Geld für so eine Reise bezahlt, man sollte nicht alles dürfen und die Guides sollten dafür Sorge tragen, dass die Regeln eingehalten werden. Selbst als wir uns im Auto schnell bewegt haben, waren einige Gnus irritiert und der Mensch außerhalb des Autos hat einige Gnus zum Umkehren bewogen. So ein Verhalten geht gar nicht! Soll man die Safarifirma jetzt anzeigen? Nach langen Monaten ohne Arbeit wird ein gutes Trinkgeld dringend gebraucht – ach ich weiß auch nicht. Corona macht so Vieles so schwer.


Aber zurück zu den großartigen Momenten des Tages. Wir konnten uns nicht los reißen von der heutigen traumhaften Choreographie der Gnus und haben unser Mittagessen mit Gnus und Zebras genossen. Wie gut, dass Social Distancing an der frischen Luft kein Thema ist;-)

 

Über 2,5 Stunden haben wir das Highlight der Migration erleben dürfen, dann mussten wir wirklich los, wir mussten noch bis Grumeti, wo die traumhaft auf einem Hügel gelegene Grumeti Hills Lodge liegt. 21 Zimmer auf einem Hügel, 2 Familienzimmer, 1 Honeymoonzimmer mit freistehender Badewanne, ein Pool mit Aussicht. Alles wird mit einer riesigen Solaranlage betrieben, sogar die Safarifahrzeuge, mit denen auch Nachtsafaris angeboten werden. Wir haben genug Jeepstrecke hinter uns und lassen die Tieren ihre verdiente Nachtruhe. Aber morgen machen wir eine Walking Safari zum Grumeti Fluss, nachdem unser Muskelkater aus den Usambara Bergen verschwunden ist, freuen wir uns alle auf ein bisschen Bewegung.


Hier sind übrigens erstmalig Mücken unterwegs, Tse Tse hatten wir in der Nähe des Kogatende Airstrips hingegen täglich.
Jetzt gibt es noch Abendessen und dann geht´s ab in´s Bett. Ich wette, ich zähle Gnus zum einschlafen (Schäfchen sind out!) und träume vom Hmä, Mhm, Mhe der Gnus.
Gute Nacht nach einem großartigen Tag – Lala Salama!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk