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13.08.20 Reisen in Corona Zeiten – es geht tatsächlich wieder los

Wie ist die Lage in Tansania? Offizielle Zahlen zu Coronainfektionen gibt es nicht, alle meine Kontakte vor Ort sagen, das Leben geht weiter wie bisher, die Schulen sind wieder geöffnet und die Menschen gehen zur Kirche, in die Moschee und auf die Märkte.
Wer bislang vom Tourismus lebte, muss mitunter kreativ werden und sich eine andere Verdienstmöglichkeit suchen, Verwandte haben die einen unterstützen oder sich sehr stark einschränken. Manch ein Jeep ist wohl zu einem mobilen Gemüsestand geworden;-)

Es ist an der Zeit, mich selbst vor Ort umzusehen und mir selbst ein Bild zu machen!

Das Fliegen ist heutzutage (eigentlich) Routine, nur „Erstflieger“ und Menschen mit Flugangst empfinden eine Flugreise noch als ein Abenteuer. Aber unser „Normal“ ist nicht mehr da und eine Flugreise gibt Anlass zu ausschweifenden Diskussionen. Unverantwortlich – „Du gefährdest die Menschen vor Ort, Du gefährdest Dich, ist es denn so schwer, mal zu Hause zu bleiben…„ Und natürlich gibt es auch die Neider, die sich insgeheim weg träumen aus diesem Irrsinn, der jetzt unser neues „Normal“ ist.
Die Entscheidung jetzt in ein Land mit Reisewarnung zu reisen muss jeder für sich selbst treffen. Wie sehe ich mein eigenes Risiko und wie sehe ich das Risiko Andere mit meiner Reise zu gefährden?
Zu 1) Corona ist ein gefährlicher Virus, das weiß ich aus meinem direkten Umfeld. Mein Mann ist im März an Corona erkrankt, der Krankheitsverlauf war kein Spaziergang, aber er konnte sich zu Hause auskurieren. Den Rest der Familie hat er nicht angesteckt, vermutlich war er in dem hoch infizierenden Zeitraum noch im Schwabenländle bei der Arbeit (wo er auch niemanden angesteckt hat). Immer noch fühlt er sich schlapp und ausgelaugt, ist kurzatmig, hat bei Anstrengung Schmerzen in der Brust und wird von Arzt zu Arzt weitergereicht.
Ich nehme das Risiko einer Ansteckung also nicht auf die leichte Schulter und denke trotzdem, dass die Gefahr sich anzustecken in Berlin, Wien, Mallorca oder an unseren Ostseestränden nicht höher ist als in Tansania. Wer des Öfteren mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Berlin fährt und sich über die laxen Kontrollen der Maskenpflicht wundert, wer in den seltensten Fällen in (oft sehr vollen) Restaurants nach Kontaktdaten gefragt wird und wer die nächtliche Partyszene in Spätis (die typischen Berliner Spätverkaufsstellen, die mit billigen gekühlten Getränken die nächtlichen Parkgänger versorgen), Parks und Flussufern sieht, der sieht in einer Reise auch kein höheres Risiko als in seiner geliebten (und manchmal wegen der behördlichen Unstrukturiertheit auch weniger geliebten) Heimatstadt.
Die meisten Reisenden zieht es nach Tansania, um die weitläufige und großartige Natur zu erleben, die derzeit fast menschenleer ist. Sich auf einer privaten Jeepsafari anzustecken, wo man mit seinem Fahrer alleine in einem meist offenen Fahrzeug unterwegs ist und in weitläufigen Zeltcamps oder Lodges übernachtet, halte ich für sehr unwahrscheinlich. Märkte, Menschenansammlungen und allzu nahe Kontakte sollte man meiden oder, wie auch für den Flug, eine FFP2 Maske mitnehmen. Die Modelle ohne Ventil schützen den Träger und die Kontaktpersonen.

Diese Masken bringen mich auch zu Punkt 2 – wie kann ich Andere schützen? In dem man 14 Tage vor Abreise seine sozialen Kontakte einschränkt um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Maske tragen, wo immer es eng wird und ein Coronatest, der wohl bei Einreise in Tansania vorgezeigt werden muss. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage – was mache ich, wenn der Test positiv ausfällt? Nicht reisen!!! Auch wenn man viel Geld für die Reise bezahlt hat und sich sicherlich sehr darauf gefreut hat. Wer aus egoistischen Gründen trotzdem reist handelt grob fahrlässig und kann seine Reise aufgrund der eigenen trüben Gedanken sicherlich nicht wirklich genießen.

Jeder, der sich dazu entschließt zu reisen, sollte sich bewusst sein, dass viele Reiseversicherungen bei Reisewarnung und Pandemie nicht haften. Auch unsere Veranstalterhaftpflicht haftet nicht bei allem was Corona betrifft. Der Beinbruch, der durch unser Verschulden passiert ist aber weiterhin versichert;-).
Als Reiseversicherung beweist sich gerade die Hanse Merkur, die ihre Leistungen bei Pandemie und Reisewarnung nicht ausschließt. So ist ein Rücktritt aufgrund einer Coronaerkrankung abgesichert und durch einen Corona Zusatzschutz kann man auch den Rücktritt bei Quarantäneverordnung absichern.

Alle die jetzt reisen, erleben ein Tierparadies ohne Jeepansammlungen – der Parkplatz des Ngorongoro Picknickplatzes gleicht manchmal einem Automarkt für gebrauchte Safarijeeps. Die Autos denen man begegnet sind meist von Einheimischen genutzt und die paar ausländischen Touristen genießen die gesamte, teils auch erdrückende Aufmerksamkeit der lokalen Souvenirverkäufer und Markthändler. Reisen in Coronazeiten ist sicherlich auch abenteuerlicher, manchmal fühlt man sich ja auch sicherer, wenn immer andere Fahrzeuge in Sichtweite sind, man könnte ja auch mal eine Panne haben, zumal die Pisten teilweise in einem desolaten Zustand sein sollen. Nach dem vielen Regen im Frühjahr wurde bezüglich Instandsetzung kaum etwas gemacht. Warum auch, wenn man nicht weiß was zuerst wieder kommt – die Touristen oder der nächste Regen, der alle Bemühungen wieder zunichte machen würde.

Ich habe mich also entschieden zu reisen. Der Coronatest war unangenehm, da die Proben tief im Rachen und der Nase genommen werden. Das Ergebnis habe ich am nächsten Tag bekommen. KLM hat das Dokument nicht sehen wollen, genausowenig wie das „Health Screening Form“ das ausgefüllt mitgeführt werden sollte.

Der Online CheckIn hat wie immer funktioniert und um 04:30 Uhr erwartete mich mein Taxi in der Dunkelheit. Der Flughafen Tegel war weit von früherer Geschäftigkeit entfernt, die einzige Maskenträger-Schlange (eine neue, aber in letzter Zeit häufiger anzutreffende Spezie) war bei der Sicherheitskontrolle zu unserem Flug. Der Tegelerfahrene weiß aber, dass jedes Gate zwei Eingänge hat und schon hatte ich nur noch 4 Fluggäste vor mir. Das Einsteigen war nach Zonen geregelt, die sich mir nicht erschlossen haben – wäre es nicht sinnvoll zuerst die hinteren Reihen – erst Fenster, dann Mitte (ja, diese Plätze waren auch zum Teil belegt), dann Gang und dann die vorderen Reihen zu füllen. Nun durften die Herrschaften in den teuren vorderen Reihen, wie immer, sämtliche Passagiere an sich vorbei ziehen lassen. Ich saß in der vorletzten Reihe und hatte Boarding Gruppe 4🤷🏼‍♀‍. Egal – mit meiner FFP2 Maske ausgestattet zwängte ich mich also durch den gut besuchten Mittelgang nach hinten.
Der Abflug in den Sonnenaufgang war wunderschön und Berlin zeigte sich sehr fotogen in der aufgehenden, Hitze versprechenden Sonne – was bin ich froh den erwarteten 35 Grad heute entkommen zu sein. Wem der deutsche Sommer zu heiß ist, ist in Tansania übrigens sehr gut aufgehoben – in Arusha werden heute 25 Grad erwartet, wie herrlich!
Für die Getränke konnte man die Maske mal absetzen – (Hurra), den Blick von oben ganz bewusst genießen (Nichts ist mehr selbstverständlich) und schon landeten wir in Amsterdam. Durch die Flugrichtung gen Westen war auch hier noch Sonnenaufgang. Der Blick aus dem Fenster verriet mir, dass mein Gepäck es auch bis nach Amsterdam geschafft hat. Der Flughafen ist verhältnismäßig leer, der Flugplan überraschend umfangreich und einige Restaurants sind geschlossen. Die Passkontrolle war schnell erledigt – ich liebe diese Automaten, in die man seinen Pass legt und abgescannt wird. Kurz die Maske runter, trotz der Müdigkeitsfalten erkannt worden und weiter geht’s. Was mich wunderte – es hat keine weitere Kontrolle gegeben, kein Scanner und keine Durchleuchtung des Handgepäcks. Wird das Personal jetzt dazu gebraucht auf Abstandsregeln zu achten und den korrekten Sitz der Masken zu überprüfen?
Die knapp 3 Stunden Wartezeit gehen schnell vorbei, Emails checken, Facebook posten, Bericht schreiben, teuren Kaffee trinken und noch teureres Brötchen essen und schon ist es wieder Zeit sich zum Gate zu begeben. Hoffentlich geht es so reibungslos weiter.

Ich hatte lange überlegt, welchen Platz ich mir beim Online CheckIn für die Langstrecke wähle, weiter vorne ist es meist voller, weiter hinten kommt man später raus und steht bei der Einreise länger in der Schlange. Habe mich für weiter hinten entschieden und wurde mit einer Dreierreihe für mich alleine belohnt. Auch hier wurden Zonen auf den Bordkarten vermerkt, aber alle stiegen „unsortiert“ ein – könnte man besser machen.
Der Abflug war pünktlich um 10:50 und um 12:00 Uhr gab es ein Essen, zu dem man dann die Masken absetzen durfte. Eine Auswahl gab es nicht, alle bekamen Nudelsalat, mit Käse überbackene Nudeln mit etwas Gemüse (wirken Nudeln gegen Corona oder wieso so viel davon???) und einen leckeren Nachtisch. Danach wurde der Service eingeschränkt und für den Rest des Fluges eine Snacktüte verteilt – Dose Cola, Muffin, Nüsse, Obstriegel. Wer darüber hinaus etwas wollte, konnte nach der Stewardess klingeln oder nach hinten in die Bordküche gehen, um sich etwas zu holen. Auch der Sinn hinter dieser Vorgehensweise erschließt sich mir nicht, aber muss ja auch nicht;-).
Es hätte wirklich ein super entspannter Flug sein können, wäre da nicht die Familie mit den 3 Söhnen aus Burundi gewesen. Sohn Nr 3, ca. ein Jahr alt, hatte irgendein Problem. Er brüllte von Amsterdam bis nach Ägypten, die Mutter saß relaxt neben dem mittleren Sohn und der Vater kämpfte mit dem armen Zwerg, der ihm immer die Maske abreißen wollte, worauf es Ärger mit der Stewardess gab. Die Beißattacken ließen darauf schließen, dass der Kleine Zähne bekam. Die Zeiten, dass ich Dentinox dabei hatte, sind erfreulicherweise schon länger vorbei, so konnte ich nicht helfen. Nach einem Film habe ich mich dann auf meinen drei Sitzen ausgestreckt, die Oropax in die Ohren und habe herrlich geschlafen. Der Zwerg ist zwischenzeitlich auch der Erschöpfung erlegen und war endlich still.

Da nur ein Teil der Passagiere, übrigens mehrere Familien mit Kindern und auch Mutter und Tochter mit kleinem Hund, in Kilimanjaro ausgestiegen ist, hielt es sich mit den Schlangen bei der Einreise in Grenzen.
Vor dem Flughafengebäude wurden die Hände desinfiziert und dann reihte man sich ein zur Gesundheitskontrolle. Das dauerte schon mal. Im Flugzeug gab es ein Gesundheitsformular welches dort eingesammelt wurde und darauf wurde die dann gemessene Körpertemperatur eingetragen. 36,8 – berechtigt zur Einreise. Das Einreiseformular gab es auch schon im Flugzeug, ein extra Visaantrag war nicht mehr vonnöten.
An der 2. Station wurde das Foto (ohne Maske;-) und die Fingerabdrücke genommen, an der 3. Konnte man bezahlen – trotz großer Visawerbung oben drüber nur in US Dollar in bar zu zahlen. An Station 4 gab es dann den Stempel in den Pass. Meinen Covid19 Test wollte auf der ganzen Reise niemand sehen.
Wir haben die Vorschriften so verstanden: wer bei Rückreise in seinem Heimatland einen negativen Covid19 Test vorlegen oder in Quarantäne muss, von dem wird der Test auch bei Einreise in Tansania verlangt.
Ich habe dann noch einen sehr offiziell aussehenden Mann gefragt, wie denn die Regeln mit dem Test seien. Etwas verwundert meinte er, es gibt doch die „Gesundheitsstation“. Da sei aber gar nicht nach einem Test gefragt worden. „Hm. Die Regeln sind nicht so klar.“ Aha! Scheint mir auch so. Ich empfehle auf jeden Fall den Test vor Abreise zu machen, auch wenn er vielleicht nicht verlangt wird. Sicher ist sicher! Gelbfieberimpfung hat auch niemanden interessiert, aber die ist auch definitiv nicht vorgeschrieben. Wird aber des Öfteren verlangt, vor Allem auf Sansibar. Nicht beirren lassen und selbstbewusst sagen, dass diese Impfung nicht vorgeschrieben ist. Wird weiter insistiert nach dem Vorgesetzten fragen.

Das Gepäck stand schon bereit, bei Verlassen des Flughafens wird es nochmal durchleuchtet und nach ca. 40 Minuten war ich draußen. Mein Fahrer von der KIA Airport Lodge erwartete mich bereits und ich folgte ihm zum Auto. Wie aus der Ferne hörte ich meinen Namen und da stand auch schon Heriel, einer unserer Fahrer vor mir. (Erst jetzt fiel mir auf, dass ich die Oropax immer noch drin hatte! Und ich dachte, dass liegt an den Masken, dass die bei der Einreise alle so schlecht verständlich sprachen;-)
Das war jetzt ein komischer Moment, da die sonst übliche herzliche Umarmung ausfiel und dem „Ellenbogengruß“ weichen musste. Heriel wartete auf Kunden aus Frankreich, die mit derselben Maschine gelandet waren. Laut meinen Gesprächen mit Kunden und auch später in der Lodge, sind die Franzosen generell wohl die Furchtlosen und derzeit wohl die größte Gruppe an Touristen, wobei groß natürlich sehr klein ist;-)

Bis zur KIA Lodge sind es nur 5 Minuten Fahrzeit und um kurz nach 21 Uhr saß ich schon mit einem kalten Kilimanjaro Bier im Restaurant – angekommen!!!

 

 

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk