Reise Tansania 2019

29.05.2019 Arusha – Willkommen in der afrikanischen Großfamilie

Der Abflug mit KLM in Tegel war verspätet und Erinnerungen an meine Reise im Oktober 2017 wurden wach, als meine Eltern nach einem ebenfalls verspäteten Zubringerflug in Amsterdam gestrandet waren. Eine gute Stunde blieb mir also nur noch zum Umsteigen und in Amsterdam kann man ganz schöne Strecken zurücklegen. Erfreulicherweise war es bei Sicherheitskontrolle recht leer. Ohne Schmuck, Jacke, Schuhe und Gürtel geht man in den Ganzkörperscanner und nach 3 Sekunden durfte ich weiter. Ähnlich anonym läuft es bei der Passkontrolle – für die Europäer (bis auf einige Ausnahmen) komplett elektronisch. Man betritt eine Schranke, legt den Pass in einen Scanner, muss auf einen Bildschirm starren und wenn der Computer eine gewisse Ähnlichkeit feststellt öffnet sich die Schranke nach vorne und man darf in den internationalen Bereich. Vorbei am Duty Free und den Pralinen, auch für Käse aus Holland blieb keine Zeit – lieber mal Zähneputzen und aufs Klo und dann direkt in den Flieger der Kenya Airways nach Nairobi.

Der Sitzabstand ist erfreulicherweise großzügig bemessen, leider ging meine Rückenlehne nicht nach hinten zu stellen und die Maschine war bis auf den letzten Platz besetzt, so gab es keine Alternative. Immerhin saß ich am Fenster und hatte somit nur einen Nachbarn. Gesehen habe ich natürlich nicht mehr viel bei einer Abflugzeit von 20:35 Uhr. Ein paar Windräder von oben, eine schöne Sonnenuntergangsstimmung und hohe Wolkentürme, dann gab´s nix mehr zu sehen. Zeit sich dem Unterhaltungsprogramm zu widmen. Der neueste Film war glaube ich Bohemian Rhapsody und A Star is Born. Nix auf deutsch und englisch bei der Tonqualität mäßig zu verstehen. Also habe ich „The secret life of bees“ rausgesucht – Bienensummen versteh ich auch auf Englisch;-)

Das Abendessen war wie früher bei Oma, wenn wir Enkel zu Besuch kamen: Erbsen und Möhren, Kartoffelbrei, „Buletten“ und Soße – welcome to Africa!

Geschlafen habe ich nicht viel und habe die Aussicht genossen, nachdem wir Europa hinter uns gelassen haben, wurde es immer dunkler. Immer wieder faszinierend, welche riesigen Flächen in Afrika ohne künstliche Lichtquellen ausgestattet sind. Toll!

In Nairobi hatte ich nochmal knapp 2 Stunden Transferzeit, dann ging es mit Precision Air in einer Propellermaschine zum Flughafen Kilimanjaro und gleichnamiger Berg ragte doch tatsächlich für eine Fotolänge aus den Wolkenfeldern hervor. Es gibt noch Schnee auf dem Kilimanjaro!

In Tansania gelandet, bekam jeder Passagier auf der Stirn Fieber gemessen (Vorsorge wegen Ebola im Kongo), musste sich die Hände desinfizieren und durfte dann in das Flughafengebäude zur Einreise. Da bei Precision keine Einreiseformulare verteilt werden, mussten alle erstmal zum Schreiben und ich konnte mit meinem elektronischen Visum, dass ich mir mühsam über den Onlineweg erkämpft habe, zum Schalter vorgehen. 3 Seiten müssen vorgelegt werden – neben der Visa Grant Notice und der Entry Declaration Form auch noch das Anschreiben der Visaerteilung:

RE: Visa Application Notification. Ich habe mal gefragt, wie lange es das Visa on Arrival noch gibt und die Antwort war: „bis Juni“. An der Aussage darf gezweifelt werden – wir versuchen auf der Reisemesse am 7.6. genaue Informationen zu bekommen.

20 Minuten nach Landung (Rekord!!!) war ich mit Gepäck draußen und wurde von meiner Partnerin Fransisca und Ihrer Schwester Bona empfangen. Die Fahrt nach Arusha verlief reibungslos und „Oh Wunder!“, es gibt neue Straßen in Arusha – aus Teer!!! Nachdem Fransisca aus ihrem alten Haus im März umgezogen ist, gibt es selbst dort die lang ersehnte geteerte Zufahrt – jetzt für uns zu spät! Eine neue Umgehungsstraße gibt es auch, die Reisenden auf der Fahrt vom Kili Airport in Richtung Tarangire oder Serengeti, das Verkehrschaos von Arusha erspart. Was die Chinesen nicht so alles erledigt haben, während meiner kurzen Abwesenheit!

Wir sind trotzdem noch nach Arusha reingefahren, Fransisca musste noch Tickets für Kunden bei Air Tanzania bezahlen. Damit kann man auch schon mal eine Stunde zubringen – bei der Bank mittels Scheck Bargeld abheben und dieses dann bar einzahlen (da war es endlich wieder: Pole Pole! Ich bin angekommen;-)

Da wir gerade vorbei kamen, haben wir uns noch die Ausstellung „Tanzanite Experience“ angesehen. Hier erfährt man wie und wo die extrem seltenen Edelsteine abgebaut werden und kann sie auch gleich käuflich erwerben – wenn man die ausreichende Deckungssumme auf seiner Kreditkarte zur Verfügung hat.

Gegen Mittag kamen wir dann endlich in Fransisca Haus und Büro an. Ein etwas schlechtes Gewissen hatte ich, als ich mit Bona etwas zu Mittag gegessen habe, während Fransisca und Ihre Schwiegereltern, die zum Ramadan zu ihnen gezogen sind, fasten mussten. Schön aber, dass die Religionen hier friedlich zusammen leben. Fransisca ist christlich aufgewachsen und mit der Hochzeit zum Islam konvertiert. Die Schwestern und der Bruder Gustav (wie mein Opa) sind Christen geblieben.

Wir haben dann noch ein bisschen gearbeitet, mit Blick auf die Handwerker, die im Hof noch an den Möbeln für das neue Haus werkelten, aber so richtig effektiv war ich nicht – war doch eine sehr kurze Nacht.

Gut für die fastenden Muslime ist ja, dass die Sonne bereits um 18:30 unter geht und man früh Fasten brechen kann. Es wurde ordentlich „aufgetischt“ – da der Esstisch noch nicht fertig ist standen die großen Schüsseln mit Suppe, gekochtem Yams, Reis, Salat, Gemüse und Fisch, frischer Saft, Kaffee und Tee für 10 Personen auf dem Boden. Jetzt war ich aber so richtig angekommen: die Kinderfinger erst im Fisch und dann auf dem Lego, Tee floss über die Plastikdecke (leider aus geflochtenem Material mit „Ausgang“ zum Teppich), die Gräten aus dem Fisch werden wieder ausgespuckt und alle lassen es sich beim Essen mit den Fingern hörbar schmecken. Meine Großfamilie in Afrika!

Ich liege schon im Bett und schreibe – und wärme mich auf, es ist schließlich „Winter“ hier -während die anderen in die Moschee gegangen sind. Aber jetzt muss ich schlafen, morgen geht´s weiter!

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

30.05.2019 Arusha – Alltag im Ramadan

Der Feiertag Himmelfahrt ist in Tansania gänzlich unbekannt. Ist Jesus nicht Ostern in den Himmel aufgefahren? Selbst Fransisca christliche Schwester Bona konnte mit dem Tag nichts anfangen. Also wurde gearbeitet!

Der Ramadan bestimmt hier das Leben und alles erscheint noch etwas langsamer als sonst. Die Eltern von Said (Fransiscas Mann) sind zum Ramadan eingezogen und sind tagsüber außerhalb des Hauses kaum zu sehen. Oma kümmert sich um den kleinen Zaem, der leider auch das Tageslicht nicht zu sehen kriegt. Sein größerer Bruder Zayed (3 Jahre) besucht den privaten Kindergarten, der gerade mal 200 Meter entfernt liegt.

Zum Mittag war ich mit Bona im nahe gelegenen und bei den in Arusha lebenden Ausländern äußerst beliebten Supermarkt Foodlovers. Leider darf man nicht fotografieren, aber auf Facebook bekommt man einen Eindruck: https://web.facebook.com/Foodlovers-Arusha-121412588642447/

Wunderbares Obst und Gemüse, sowie frische Kräuter und Brot werden wunderschön präsentiert. Man bekommt frische Smoothies mit Maracuja, Mango, Ananas…, dazu haben wir uns einen Mango- / Hähnchensalat ausgesucht. Köstlich! In der alkoholischen Abteilung gibt es tolle südafrikanische Weine – und auch ein paar tansanische, sowie diverse Whiskeys, Baileys und Jägermeister. Von Babywindeln, über Waschpulver, Zahnbürsten und Konserven, Fleisch und Fisch gibt es alles was das Herz begehrt. Und das zu erfreulich günstigen Preisen. Für ein Sonnenblumenkernbrot (leider genau so weich wie jedes andere Brot hier), 2 Salate und einen Smoothie habe ich umgerechnet € 6,40 bezahlt.

Zurück im Büro war die Schwägerin mit einer Freundin zu Besuch und hatte auch noch mal Essen mitgebracht – arme Fransisca, sie hat tapfer weiter gefastet. Es gab gegrilltes Rind mit Pili Pili Sauce und eine Art Tortilla – Kartoffeln mit Ei gebacken. Auch sehr lecker, aber ich war mit meinem Salat satt.

Nachmittags hatte ich mit unserem Fahrer John eine erste Probefahrt mit dem Jeep. Ich habe mir vorgestellt, dass diese großen Autos schwer zu fahren sind, aber die Schaltung ist super weich und die Servolenkung bringt die große Kiste easy „um die Ecke“. Lediglich die Dimensionen des Autos, die schlechte Übersicht und natürlich der Linksverkehr machen mir etwas zu schaffen.

Das Abendessen lief nach dem gleichen Muster wie gestern ab. Alles stand auf dem Fußboden als ich zum Essen gebeten wurde. Typisch deutsch, kommt man dann in der Erwartung, dass es dann auch gleich losgeht. Alle wuselten herum, nein! Ich kann nicht helfen und man schaut dem Treiben zu. Ich solle mich doch bitte schon setzen, immerhin saßen die beiden Jungs auch schon da. Dann sind alle Erwachsenen wieder verschwunden und ich sitze da etwas verloren. Opa ist der erste der wieder kommt und fragt, warum ich noch nichts gegessen habe. Ich erklärte, dass wir in Deutschland eigentlich alle gemeinsam essen, fand er wohl komisch und knallte sich den Teller voll. Nach und nach kamen auch alle anderen, Oma, Fransisca, Said, Rashid der sich um den Garten und die Hunde kümmert, und die beiden „Hausmädchen“, die sich eigentlich um alles im Haus kümmern – Kinder, Wäsche, putzen, Küche aufräumen und spülen. Lediglich das Kochen übernehmen zum Teil Fransisca und Said.

Wieder wurde ich gefragt, warum ich denn nicht esse, wieder erklärte ich, dass ich es so kenne, dass alle gemeinsam essen und ich etwas verwundert bin, dass alle immer gehen, wenn das Essen bereit steht. Es ist Ramadan – wir müssen doch vor dem Essen beten! Morgen komme ich eine halbe Stunde später!

Das Essen war wieder reichlich: Eintopf mit vorher gegrilltem Ziegenfleisch, Bohnen, aus Linsenteig gebackene, krapfenähnliche Teile, Salat mit Apfel und Orange, Reis, ein Yams/Kartoffelbrei, tansanische Nudeln, Datteln und Samosas. Boah! Ich glaube, wenn ich soviel wie die anderen essen würde, müsste ich auch die nächsten 20 Stunden fasten;-)

Die Männer sind noch in die Moschee gegangen, Fransisca hat mir den Bewegungsablauf beim Beten „vorgeturnt“ – erinnert ein bisschen an den Yoga Sonnengruß (in sehr abgespeckter Form) und Oma hat die Position gewechselt und saß wieder (wie den ganzen Tag) vor dem riesigen Fernseher, der den ganzen Tag mit Kinderprogramm läuft. Parallel dazu schaute Zayed auf dem Handy die Teletubbies – auf italienisch! Willkommen in der globalisierten Welt!

Fransisca und ich hatten endlich mal Zeit uns in Ruhe zu unterhalten – wie soll es mit der Firma weitergehen, wie managt man die Doppelbelastung Mutter, Haushalt, Ehefrau und Selbständigkeit, die Rolle von Mann und Frau in unseren beiden Gesellschaften usw. Auch wenn bei den wohlhabenderen Familien in Afrika einem der Großteil der Arbeiten abgenommen wird, heißt das nicht, dass man sich dann gemütlich zurücklehnen kann. Eigenverantwortliches Arbeiten ist hier nicht so verbreitet. Man muss immer hinterher sein und genaue Anweisungen geben – sonst läuft der Laden nicht. Diese Woche z.B. bekommen die Hausmädchen Putzunterricht. Das neue und moderne Haus im europäisch-arabischen Stil braucht eine andere Pflege, als eine kleine afrikanische Hütte. Hier ist es mit durchfegen nicht getan und dass man vielleicht auch mal die Möbel verrücken muss um drunter oder dahinter sauber zu machen erklärt sich nicht von selbst. Eine „Big Mama“ beobachtet also mit Argusaugen, was die Mädels so treiben – das alles im Zeitlupentempo – herrlich!

Die afrikanischen Familien sind groß und es gibt viel zu erzählen. Über Said, dessen Vater kaum gearbeitet hat und den Sohn nicht zur Schule schicken wollte. Über seine Mutter, die es durch ihre Arbeit doch ermöglicht hat, dass Said eine gute Ausbildung bekam und sogar ein Haus finanziert hat. Über den Bruder der dem Alkohol zugetan ist und immer um Essen für seine Kinder bettelt. Ihm wurde jetzt von Fransisca und Said ein kleiner Laden finanziert, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten soll anstatt zu betteln. Über die Schwester von Fransisca, der sie eine Maschine gekauft hat, mit der sie nun 50 statt 10 Pullover der Schuluniformen herstellen kann, über die andere Schwester, der sie bei Nature Responsible Safari einen Bürojob gegeben hat und dadurch ihrem Leben die so wichtige Struktur verpasst hat. Die Schwester von Said, die an Aids gestorben ist und einen 4jährigen und eine 13jährige mit Baby (aus einer Vergewaltigung) hinterlassen hat. Als niemand aus der Verwandtschaft sich um das Mädchen kümmern wollte, kam sie kurzerhand ebenfalls zu Fransisca und Said. Sie geht jetzt in Moshi auf eine Internatsschule und ist glücklich, endlich jemanden gefunden zu haben, der sich um sie kümmert. Über die Grundstücke, die sie gekauft haben und auf die Namen ihrer 3 Töchter eingetragen haben, sodass die Mädchen eine finanzielle Sicherheit haben, falls den Eltern mal was passiert. Über eine Verwandte, die nach dem Tod des Ehemannes vor dem Nichts stand – nach dem Tod kam die Familie des Mannes und hat alles an Besitz mitgenommen und das Haus zerstört, als Familienfremde sollte sie nicht profitieren. Alles Geschichten, wie es sie 1000fach gibt und doch zeigt es, dass es Hoffnung gibt, wenn jemand eine gute Ausbildung bekommt und fleißig ist.

Ich freue mich, dass ich einen Beitrag leisten kann und durch meine Arbeit auch das Leben von so einigen hier positiv beeinflussen kann.

Das Wetter ist übrigens recht kühl, ich freue mich den dünnen Kashmirpullover eingepackt zu haben. Es ist größtenteils bewölkt, aber regnet nicht und zum Abend zeigt sich der mächtige Mount Meru wolkenlos in der Abendsonne.

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

31.05.2019 Arusha – Alltag in Tansania

Ein weiterer Bürotag stand an. Es ist für mich interessant zu sehen, wie einerseits die Technik in Tansania Einzug gehalten hat, andererseits manche Prozesse unglaublich langwierig sind.

Man könnte fast meinen, dass die deutsche Bürokratie sich in der ehemaligen Kolonie Deutschostafrika ausbreitet. Tansanias Präsident Magufuli – genannt der Bulldozer, regiert einerseits für unser Verständnis recht autokratisch und geht mit der Opposition und Kritikern nicht gerade zimperlich um. Projekte wie Straßenbau und auch der Staudamm im Selous werden kurzerhand durchgezogen, anscheinend ohne Rücksicht auf Verluste. Kritische Journalisten verschwinden schon mal, Lesben und Schwulen droht Gefängnis, Mädchen die ein Kind bekommen haben, ob durch freiwilligen Sex oder Vergewaltigung, bleibt ein weiterer Schulbesuch verwehrt. Andererseits macht er sein Versprechen wahr gegen Korruption vorzugehen. Bei der Polizei wohl noch nicht so erfolgreich, der Bildungsgrad der Polizisten ist wohl auch eher niedrig, massige Gestalt zählt mehr als gute Noten und ein hoher Schulabschluss. In anderen Bereichen merkt man aber die Veränderungen: Händler und Dienstleister sind mittlerweile verpflichtet Quittungen auszustellen und dem Kunden mitzugeben. Der Kunde muss diese auf Nachfragen der Polizei vorzeigen können, wenn er das Geschäft verlässt, die Straßenhändler und Marktverkäufer müssen ihre Steueranmeldung sichtbar tragen. So soll Schwarzgeld reduziert werden und die Steuereinnahmen steigen. Abgeschafft wurden die Wechselstuben, da dort offensichtlich Schwarzgeld getauscht wurde. In einer konzertierten Aktion wurden alle Wechselstuben gleichzeitig kontrolliert, Unmengen von US Dollar und anderen Währungen gefunden und die Stuben geschlossen. Geldwechsel ist nur noch in den offiziellen Banken und für kleine Beträge auch in den Hotels möglich. Auch an den Flughäfen gibt es noch eine Möglichkeit Geld zu wechseln, in Kilimanjaro im 24 Stunden Service. Alle Stellen müssen zum offiziellen Wechselkurs tauschen! Im autonomen Sansibar gibt es die Wechselstuben weiterhin, hier gelten teils andere Gesetze.

Die Safariunternehmen müssen die Eintrittsgebühren für die Nationalparks online entrichten und Datum und Personenzahl müssen genau übereinstimmen – es nimmt leider etwas Flexibilität und ist sehr zeitaufwendig. So aber wird gewährleistet, dass die Gelder auch bei der Nationalparkbehörde und nicht in den Taschen der Parkwächter landen. Manche Dienstleistungen müssen in den Büros gezahlt werden und Fransisca oder ein Vertreter muss mit Schecks oder Bargeld ausgestattet eine Rundtour in Arusha starten und die einzelnen Stationen abklappern.  Und das in Zeiten des Internets und Zahlsystemen wie das weit verbreitete Mpesa aus Kenia. Hiermit können Zahlungen über das Smartphone abgewickelt werden, für die man kein Bankkonto braucht. Ein solches haben viele Tansanier nämlich nicht.

Beim heutigen Besuch des Supermarktes (es gab Hähnchen Wrap und Grillgemüse) durfte ich mich weiter im Linksverkehr üben und habe Bonas riesigen Toyota gesteuert – wir sind heil wieder zurück gekommen;-)

Im Büro wartete dann schon ein junger Lehrer, der uns seine Projektarbeit vorstellen wollte und um Unterstützung warb. Ziel des Projektes ist die Stärkung von Kindern und Jugendlichen auf dem Weg in die Berufstätigkeit. Gesucht werden Talente, Kinder die über besondere Fähigkeiten verfügen und denen man z.B. eine künstlerische oder auch wissenschaftliche Karriere zutraut. Die angehenden Sänger, Tänzer oder auch Schönheitsköniginnen (es werden gerade 2 junge Damen auf die Miss Arusha Wahl vorbereitet) bekommen einen Mentor, der Ihnen neben den künstlerischen Fertigkeiten auch das mentale Rüstzeug mit auf den Weg geben sollen. Das Selbstbewusstsein wird gestärkt, der Umgang mit sozialen Medien – die hier genauso beliebt sind wie bei uns, mit denen aber sehr sorglos umgegangen wird – wird geübt und es wird darauf geachtet, dass die Kinder keinen Schaden nehmen. Seit die Organisation der Wahlen zur Miss Tanzania in den Händen einer Frau liegt, können die Mädchen recht unbeschadet durch den Wettbewerb gehen. Vorher lag das komplette Verfahren in den Händen von Männern und ich möchte mir nicht ausmalen, was manch einem Mädchen versprochen wurde und was es dafür auf sich nehmen musste. Fransisca hat bei einem der Aktionen mal einen Vortrag vor einer Mädchenklasse gehalten, den jungen Damen sollte ein Beispiel gezeigt werden, dass auch eine Frau mit einer eigenen Firma erfolgreich sein kann. Es braucht nur Mut, Ehrgeiz und Selbstdisziplin.

Mal sehen, ob wir ihn weiter unterstützen können,  meine letzte Spende ging ja an den Kindergarten und die Wohngruppe in Karatu, die vom Verein Kinder in Tansania e.V. aufopferungsvoll unterstützt wird.

Das Abendessen lief im gleichen Stil ab wie den Tag zuvor, aber ich wurde erst gerufen, als alle mit Beten fertig waren und auf dem Boden um das Essen herum saßen – geht doch;-)

Da ich am nächsten Tag früh raus muss, wollte ich noch duschen und habe gemerkt, wie kalt es abends doch wird. Wir haben tansanischen „Winter“ und Arusha liegt auf 1300 Metern Höhe. Die Häuser sind natürlich nicht isoliert und eine Heizung gibt es auch nicht. Jetzt hieß es noch Taschen packen und den Wecker auf 05:20 Uhr stellen. Morgen geht es auf Safari, was nichts anderes heißt als Reise.

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

01.06.2019 Arusha Nationalpark – Besuch der legendären Hatari Lodge

Ganz schön dunkel ist es noch draußen, als der Wecker klingelte. Aber es muss sein, wir haben ein straffes Programm und eine weite Strecke zu fahren. Um 6 Uhr holt John mich mit dem Jeep ab und sowohl er als auch der Regen sind pünktlich. Als ich mich in den Wagen setzte fing es an zu regnen.

Unsere erste Station heute ist die Hatari Lodge. Den Älteren unter den Lesern sicherlich bekannt durch den gleichnamigen Film mit John Wayne und Hardy Krüger. Wer den Film nicht kennt, findet ihn sicherlich im Internet. Auch wenn das Thema Großwildjägerei nicht jeden anspricht;-), gibt es tolle Aufnahmen.

 

Mittlerweile ist es 18:00 Uhr und wir fahren durch Moshi in Richtung Same, dass wir in ca. 2 Stunden erreichen werden. Nachdem wir die holprigen Schotter-, Sand- und Steinpisten hinter uns gelassen haben, kann ich weiter schreiben.

Wie immer in Tansania werden die Tage gefühlt unglaublich lang, da das Land so abwechslungsreich ist und man so viel erlebt.

Wir waren heute nach einer Stunde im Arusha Nationalpark und hatten Zeit für 2 Stunden Gamedrive. Für die Qualität der Fotos war der kühle Nieselregen natürlich nicht förderlich, aber es waren viel mehr Tiere zu sehen, als bei meinem letzten Besuch im Oktober 2016. Elefanten, Büffel, Zebras, Giraffen, Wasser- und Buschböcke, Warzenschweine, Paviane, Kronenkraniche und Flamingos zeigten sich. Nicht schlecht für 2 Stunden.

Dann ging es zur Hatari Lodge, die seit ca. einem Jahr im Nationalpark liegt (die Grenzen wurden verschoben). Für die Lodgebesitzer war des zuerst von großem Nachteil, da alle Übernachtungsgäste nun die Nationalparkgebühren von $ 54,- pro 24 Stunden zahlen müssen. Da solche Entscheidungen in Tansania immer sehr kurzfristig fallen, gab es keine Chance diesen Betrag an bereits gebuchte und bestätigte Kunden weiterzubelasten. Ein riesiger finanzieller Verlust. Mittlerweile aber zeigt sich der positive Effekt – die Zebras, Giraffen und Büffel kommen bis zur Lodge und in absehbarer Zeit werden dass auch die Elefanten tun, wenn sie merken, dass das Gebiet sicher ist. Es gibt einen Steg an dessen Ende eine Feuerstelle ist. Hier wird der Sundowner serviert und ein Gast, den ich in der Lodge getroffen habe, bestätigte, dass die Giraffen sehr nah kommen. Im Regen sieht natürlich alles etwas traurig aus, aber die Aussicht in die jetzt sattgrünen Wiesen, mit Büffeln und Zebras im Hintergrund ist fantastisch. Ein wunderschöner, stiller und friedlicher Ort. Kein Wunder, dass Hardy Krüger hier nicht mehr weg wollte und das Anwesen nach den Filmaufnahmen zu Hatari übernahm.

Seit mittlerweile 15 Jahren sind Marlies und Jörg Gabriel, die Besitzer und haben eine kleine (15 Zimmer) und sehr geschmackvolle Lodge geschaffen. Die Beiden haben viel Herzblut in diese Lodge gesteckt und sind in vielen Projekten aktiv, um auch den umliegenden Dörfern einen Vorteil zu erbringen. Marlies sollten wir später noch in Shumata treffen, eine wunderbare und sehr engagierte Frau, die ich für ihren unermüdlichen Einsatz sehr bewundere.

Der Lounge-/Bar-/Restaurantbereich bietet mit seinen großen Fenstern eine tolle Aussicht, der riesige Kamin verbreitet eine wohlige und gemütliche Stimmung und die kleine Loungeecke erinnert mit den vielen Fotos an die wechselvolle Vergangenheit dieses Ortes. Diese schreibe ich jetzt nicht auf – kann im Internet nachgelesen werden.

Weiter ging unsere Fahrt zur Amani Original Maasai Lodge, die wir nach ca. 30 Minuten Holperfahrt durch das Gebiet der Meru erreichten. Je weiter wir uns vom Mount Meru entfernten, umso schöner wurde das Wetter. Hier konnte ich schon meine dünne Daunenjacke ausziehen und im Sonnenschein das singende Begrüßungskommando bewundern. Die Lodge liegt exponiert auf einem Hügel und bietet einen fantastischen Rundblick mit dem Kilimanjaro auf der einen und dem Mount Meru auf der anderen Seite. 16 Rundhäuser im Massaistil – genannt Bomas stehen für Touristen zur Verfügung, 10 davon Familienzimmer mit bis zu 8 Betten. Hier treffen afrikanisches und speziell Massai Design und der Geschmack einer Europäerin zusammen und bilden eine einzigartige Symbiose. Überall hängen von den Massaifrauen gefertigte Traumfänger, um etwas Licht in die Hütten zu bringen (die Massaibomas sind ursprünglich fensterlos) wurden Plastikflaschen in den Lehmmauern verarbeitet, Coca Cola in der Wand – auch eine Form der Müllverwertung! Wer hierher reist lernt das Leben der Massai kennen und kann vom traditionellen Ziegenschlachten, -grillen und -essen, über „Naturewalks“ bis zur Herstellung des traditionellen Schmucks alles interaktiv und live! miterleben. Für die Kinder steht noch Eselreiten auf dem Programm. Das Restaurant und die kleine Bar sind ebenso liebevoll gestaltet, das Highlight aber sind die kleine Sauna mit Blick über die Steppe und der Infinitypool with a view. Wow, hier könnte selbst ich mal mehrere Tag am Pool liegen! Gespeist wird der Pool übrigens von Kilimanjaro Wasser, welches für 2 Tage in die Lodge und die anderen Tage ins Dorf geleitet wird. Strom gibt es 24 Stunden am Tag, genauso wie warmes Wasser. Sehr schön auch die Buschtoilette – Foto im Anhang!

Wir hinkten unserem Zeitplan schon ganz schön hinterher und John fuhr äußerst flott durch den Busch, der immer einsamer und wärmer wurde. Nach einer guten Stunde und einer halsbrecherischen Auffahrt erreichten wir Shumata, was in der Massaisprache Himmel bedeutet.

In der Tat, man fühlt sich hier dem Himmel nah und wie muss es erst in einer sternenklaren Neumondnacht sein, weit und breit keine Lichtquellen, wieder etwas für meine Liste der Dinge, die ich gerne mal erleben möchte. Marlies hat wirklich ein Händchen für Gestaltung und äußerst kreative Ideen und kennt die nötigen Spezialisten, die das Umsetzen können. Dabei ist Nachhaltigkeit oberstes Gebot. Einen Duschvorhang aus alten Flipflops sieht man nicht alle Tage und sie schwört auf ihre Badematten aus recyceltem Plastik. Alles was ersetzt werden muss und früher aus Holz gefertigt wurde, wird jetzt aus Hartplastik ersetzt, dass ebenfalls aus recyceltem Material besteht. Wasser gibt es hier oben nicht und muss hierher transportiert werden, allerdings ist einen Brunnenbohrung in der Ebene in Planung, von wo das Wasser dann hochgepumpt werden kann. Verständlich, dass mit der knappen Ressource sorgsam umgegangen wird, so steht in jeder Dusche ein Eimer, da kann das kalte Wasser gesammelt werden – es dauert immer etwas, bis das warme Wasser die einzelnen Duschen erreicht, deren Duschkopf übrigens aus Kürbissen gestaltet sind. Das Bad ist sehr offen gestaltet und man kann von überall die Aussicht genießen. Habe ich schon gesagt wie grandios die ist? Von allen Zelten, die im weiten Abstand voneinander auf dem Hügel angeordnet sind, hat man Blick auf den Kilimanjaro (immer noch in Wolken).

Das Restaurant-/Loungezelt erinnert mich an ein Beduinenzelt, nur viel schöner und geschmackvoller – Fotos anbei! Das Herzensthema von Marlies ist die biologische und nachhaltige Produktion von Lebensmitteln und das Wissen und die Bedeutung darüber auch in Tansania zu verbreiten. So gibt es auch hier ausschließlich frische, regionale und nachhaltig angebaute Lebensmittel. Konservendosen, Ketchup (oder gar Nutella) sucht man hier vergebens.  Ich hätte mich noch stundenlang unterhalten können mit dieser inspirierenden Frau und freue mich schon auf ein Wiedersehen auf der Kilifair, wo Marlies nicht etwa für ihre Lodges wirbt, sondern für ihr Herzensthema – ich bin gespannt.

Vielen Dank liebe Marlies für Deine Gastfreundschaft und Dir lieber John für Deine Ausdauer beim Fahren – es war ein langer Tag!

PS: der Kili ist für ein paar Stunden aus seinem Wolkenkleid geschlüpft!

Arusha Nationalpark

Hatari Lodge

Original Maasai Lodge

Shu´mata Camp

Überlandtour am Kilimanjaro

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

03.06.2019 Pangani – Indischer Ozean

The White Parrott liegt hinter einer Tankstelle direkt an der Hauptstraße. Etwas heruntergekommen aber ansonsten sauber. Ich hatte die etwas bessere Zimmerkategorie mit einem großen Bett und „Spring“ Matratze. Leider mit unseren Matratzen nicht annähernd zu vergleichen, man hat jede Feder gespürt – war das hart!

Die Dusche blieb leider kalt und das Internet funktioniert nicht – Abhärtung und Digital Detox;-)

Nachdem ich heute nachfragte, ob es kein warmes Wasser gäbe, sagte die nette junge Frau von der Rezeption: „doch, doch, es muss nur länger laufen, ungefähr 2 Minuten.“. Darauf sage ich: „ja, habe ich gemacht!“ (habe dann ja schließlich kalt geduscht. Sie schaut mich fragend an und ich sage zur Erklärung: „ich habe den roten Hahn ganz aufgedreht und lange laufen lassen“. „Es ist der Blaue?“ Wie bitte? „Ich kenne es so, dass der rote für warmes Wasser ist“. Darauf sagt sie: „Stimmt, aber der Installateur war verwirrt.“ Als ich dann sagte, dass sie mich darauf hätte hinweisen können, bekam sie ein schlechtes Gewissen und war sehr traurig, dass ich nicht den perfekten Service bekommen habe…

Abendessen im angeschlossenen Restaurant war prima, Vegetarisches Essen vom warmen Buffet und mein erstes Serengeti Bier für € 4,20 zusammen. Frühstück war auch gut, es gab sogar ein Rührei.

Um 07:15 Uhr machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Indischer Ozean. Das Klima ändert sich, dass habe ich schon gestern in Korogwe bemerkt. Es wird wärmer und die Luftfeuchtigkeit steigt. Die Fahrt war wunderschön. Es ging durch kleine Dörfer, die erfreulich sauber sind, vorbei an Obst- und Gemüseständen, viele machten sich mit ihren Hacken auf den Weg in die Felder und die Boda Boda (Motoradtaxis) Fahrer lungern wie überall in größeren Gruppen am Straßenrand rum.

Die Landschaft ist wunderschön, leicht hügelig, sehr grün und Palmenhaine, Buschland und Felder wechseln sich ab. Es wird viel Sisal, Mais und Reis angebaut, aber  auch Zitrusfrüchte und andere Obst- und Gemüsesorten.

Leider sind doch einige Kinder zu sehen, die trotz offizieller Schulpflicht zum Arbeiten und Helfen zu Hause gelassen werden. Konsequenzen für die Eltern entstehen anscheinend nicht. Arme Kinder!

Je näher wir zum Indischen Ozean kamen, umso flacher wurde es. Einige Wiesen standen unter Wasser, Sisalplantagen säumen die Fahrtpiste und es wurde immer wärmer.

In Pangani angekommen habe ich meine Hotelbesichtigungen durchgeführt und viele engagierte Betreiber kennengelernt. Pangani ist der Hauptort am Pangani Fluss, der sich mit einer kleinen Fähre überqueren lässt. Gebühr für eine Person umgerechnet 8 Cent. Nördlich des Flusses haben wir uns das Pepsin Beach Resort und die Capricorni Beach Cottages angesehen. Das Peponi hat 9 Zimmer, einen schönen Pool und Campingmöglichkeiten, das Capricorni hat 5 Zimmer / Cottages, teils mit eigener Küche, falls man gerne selber kochen möchte. Der Naturstrand ist dunkler und nicht so feinsandig wie auf Sansibar, das Meer ist in der Regenzeit etwas eingetrübt, durch die vielen Flußzuläufe, die Sand und Schlamm mitbringen. Ansonsten sind die Strände hier fast menschenleer – die Saison hat auch noch nicht begonnen, allerdings kann man die Hotels an einer Hand abzählen und zwischendurch kommt auch lange nichts.

Das Kingfisher haben wir uns angesehen, doch hat es seine besten Zeiten hinter sich und ist derzeit offiziell geschlossen. Die Lage ist allerdings wunderschön und von der riesigen Terrasse im 1. Stock des an einen Kolonialbau erinnernden Hauses über die große grüne Wiese ist schon großartig. Hoffentlich gibt es einen neuen Betreiber, der diesem Juwel neues Leben einhaucht.

Ganz anders war der Strand in Nics Tented Lodge Mkoma Bay. 9 Safarizelte in einem grünen Buschland, ein Restaurant und Sonnenliegen am Pool auf der Kante der Klippe. Eine raue Bucht, die sich bei Rosamunde Pilcher als Cornwall Ersatz bewerben könnte.

Das Bahari Pori Resort (und italienisches Restaurant) liegt ebenfalls erhöht über dem Meer, das an dieser Stelle aber aufgrund der Mangroven nicht zum Baden einlädt. Es gibt aber einen Pool und kostenlosen Shuttleservice zum Strand. Auch hier gibt es schön gestaltete Safarizelte und ein Familienhaus.

Auf der anderen Seite des Pangani Flusses werden die Strände noch etwas schöner und heller. Ich durfte heute in der The Tides Lodge einchecken. Was für ein Luxus, nach meinen beiden Hostelnächten. Danke Karla für Deine großzügige Einladung!

Ich sende die Fotos und das Video nach – das Internet hier ist ganz gut, aber das Bilder laden, dauert doch immer etwas (wer neugierig ist guckt schon mal hier: http://www.thetideslodge.com

) – und ich bin jetzt müde nach dem langen Tag, habe den Bauch voll mit Seafood, dass als Candlelight Dinner unter der Milchstraße am Strand serviert wurde, vor mir das Meeres- und hinter mir das Palmenrauschen. Gesellschaft geleistet haben mit ein paar Strandkrabben und die Hunde der Lodge und vielen, vielen Sterne. Mir geht’s gut!

Ach ja – Mikes Beach Cottages habe ich auch noch besucht. Da ergeben sich gerade schöne Reiseideen, in Kombination mit Sansibar und Tiefseefischen. Wer da Lust drauf hat, meldet sich!

Capricorn

Kingfisher Lodge

Bahari Pori

Nics Tented Camp Mkoma Bay

Pangani und Pangani River

The Tides Lodge

Mikes Beach Cottages

Mkomazi nach Korogwe und White Parrot Hostel

Peponi Beach Resort

Fahrt nach Pangani

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

04.06.2019 – The Tides Lodge – Mawize Island – Kijongo Bay

Bis auf eine kurze Unterbrechung habe ich wunderbar geschlafen. Aber plötzlich änderte sich das Geräusch, das bislang aus Palmen- und Meeresrauschen bestanden hatte. Das hörte sich nach Regen an! Und tatsächlich, es schüttete wie aus Eimern. Ich fürchtete schon um meine geplante Schnorcheltour, aber um 7 Uhr morgens war der Himmel wieder blau und die Sonne strahlte.

Nach einem ausgiebigen und hervorragendem Frühstück mit viel frischem Obst, Avocado und Tomate und einem Smoothie Müsli ging es mit einem alten Fischerboot raus aufs Meer. Unterwegs sahen wir einige Fischer auf ihren kleinen Booten und in der Ferne einige Delfine. Leider haben Sie sich durch unser Pfeifen nicht anlocken lassen. Schade manchmal klappt es, aber die Tiere hatten leider andere Pläne und waren nicht zum Spielen aufgelegt.

Rund um Maziwe Island, die ca 10 km vor der Küste liegt, ist ein Naturschutzgebiet, in dem nicht gefischt werden darf. Die Insel selbst schaut bei Flut nur teilweise aus dem Wasser, jetzt bei Ebbe ist sie recht groß und man kann ein bisschen spazieren gehen. Generell ist der Sand hier an der Küste nicht ganz so fein wie auf Sansibar und auch nicht so weiß. Trotzdem ist diese Insel einfach herrlich und ich hatte sie ganz für mich alleine. Leider wird auch hier Plastikmüll angeschwemmt, aber entgegen anderen Küstenregionen, wird er hier gesammelt und wir haben ungefähr die Menge eines großen Müllsacks mitgenommen aufs Festland.

Meine Crew hat derweil ein Sonnensegel aufgespannt und mir eine gemütliche Liegefläche mit großen Kissen vorbereitet. Habe da auch ungefähr 5 Minuten nach dem Schnorcheln gesessen, dann rief mich mein eng gesteckter Zeitplan leider wieder aus meinen Tagträumen…

Das schnorcheln an den Riffen rund um die Insel war fantastisch. Masken und Flossen wurden vorab im The Tides anprobiert und ich hatte (ich glaube das erste mal überhaupt) eine perfekt sitzende Maske, die während der gesamten 50 Minuten nicht beschlagen ist oder Wasser reinlief. Es war sozusagen ein ungetrübtes Vergnügen. Jetzt bin ich überhaupt kein Taucher oder Schnorchler, ehrlich gesagt ist mir die ganze Unterwasserwelt etwas suspekt, aber zusammen mit Ali, der mich auf ganz entspannte und ruhige Art durch die Korallenriffe führte, fühlte ich mich ganz sicher und habe den Ausflug sehr, sehr genossen. Die einzigen Namen, die ich mir gemerkt habe war Seegurke und Trompetenfisch, aber es gab eine sehr bunte Mischung großer und kleiner Fische, von gelb, über pink und grün, türkis, leuchtend blau, orange, weiß und schwarz war alles dabei. Unterwasserkamera habe ich leider keine, sodass Ihr Euch unter folgendem Link einen Eindruck verschaffen könnt. https://www.youtube.com/watch?v=LdfSn1FcDe4

Die Rückfahrt mit dem Motorboot war schon etwas schaukliger als die gemütliche Hinfahrt, etwas Wind war aufgekommen und die Flug begonnen, sodass wir in der Stunde bis zur Lodge, die ein oder andere Dusche abbekommen haben. Aber bei den Temperaturen kein Problem.

Sicher und um eine Erfahrung reicher kehrte ich an den Strand zurück und habe erstmal eine warme Dusche genossen, bevor ich meinen wunderschönen Strandbungalow wieder räumen musste. Schnell noch die Emails gecheckt und bearbeitet, einen köstlichen Avocadosalat mit  Gambas genossen und schon musste ich diesen wunderschönen Ort wieder verlassen. Wenn ich nicht schon verheiratet wäre, das The Tides käme als Ziel für eine Hochzeitsreise defintiv in die engere Wahl. Erst eine Safari und dann stilvolles Entspannen am Indischen Ozean. So könnte der gemeinsame Lebensweg beginnen.

Matthias, danke an Dich für den tollen Service – man merkt in welchen tollen Hotels und Lodges Du schon gearbeitet hast und besonders auch an Karla für Deine Großzügigkeit!

Wir haben uns noch die Mawimbi Villa angesehen, die ebenfalls zu The Tides Lodge gehört. 5 Doppelschlafzimmer und ein Kinderzimmer mit Etagenbetten für 4 Kinder, ein großes Lounge / Wohnzimmer, Terrasse, Pool und Garten. Alles in einem modernen arabischen Stil mit wunderschönen Dekoelementen und tollen Fotobildern eingerichtet. Der Strand war noch voller getrockneter Algen aus der langen Regenzeit, aber ich glaube fest daran, dass alles gesäubert ist, wenn die ersten Gäste kommen. Das Haus wird an große Familien oder Gruppen mit einem kompletten Service vermietet – ich träume schon mal mit welchen Freunden ich mir diesen Luxus mal leisten werde;-)

Unsere nächste Station war Kijongo Bay, ein Katzensprung entfernt vom The Tides – zumindest auf google map;-) Nur 5 Kilometer Luftlinie, aber eine Stunde African Massage im Jeep. Die letzten 4,5 Kilometer nur mit einem 4X4 Fahrzeug zu benutzen. Man hat mir versichert, dass die Fahrt etwas komfortabler ist, wenn der Sand nach der Regenzeit wieder getrocknet und weich wird.

Wer mal richtig ausspannen will und ich meine so wirklich richtig, der kommt nach Kijongo Bay. Hier gibt es nichts außer 7 Bungalows, Palmen und Sand. Dazu ein tolles Managerpaar – Britt aus Holland und Steve aus Südafrika, die die Lodge die nächsten 2 Jahre betreiben. Danke Euch Beiden für die tollen Gespräche über Wildlife, Fotografie, Nachhaltigkeit, Reisen… und dass Ihr Eure fundierten Kenntnisse mit mir geteilt habt. Wer nach einer Safari nochmal in der Natur abtauchen möchte, der kommt hier her. Das Kijongo Bay ist die einzige Lodge an dem Strand die noch betrieben wird, die Gäste hier sind also die einzigen Touristen weit und breit. Das hervorragende Essen hier wird ausschließlich hier frisch zubereitet, vom Brot, über die köstlichen Fettucini des ersten Abends, der Joghurt , Maracuja Marmelade und die fantastischen Crunchy Cereals aus gerösteten Kokosstreifen, verschieden Nüssen und Honig – zusammen mit dem frischen Obst und dem Joghurt das perfekte Frühstück. Vieles wird auf dem Grundstück selbst angebaut, die vielen Hühner liefern Eier und Fleisch, Milch kommt von den Kühen aus der Umgebung. Alles schmeckte wirklich fantastisch! Danke nochmal Steve für die Chips aus grünen Bananen mit der köstlichen Guacamole, die so hervorragend zum Serengeti Bier passten. Das Resort verfügt über 3 Brunnen, die über bestes Frischwasser verfügen. Es wird als Trinkwasser gefiltert, sodass das Thema mit den Plastikflaschen hier entfällt. Strom wird über die Solaranlage erzeugt und lediglich abends wird ab und an der Generator eingeschaltet, um eine 24 stündige Versorgung sicher zu stellen. WLAN funktioniert ganz gut, ist aber von der Datenmenge limitiert. Gut so, die Gäste sollen sich ja erholen und die Natur genießen. Jeder Bungalow mit arabischem Design hat eine kleine Terrasse vor dem Haus, eine Sitzecke, ein wunderschönes Bett und ein Badezimmer mit Dusche. Die erste Etage besteht aus einem weiteren Bett und dem eigentlichen Highlight – der großen überdachten Terrasse mit Blick aufs Meer. Hier steht ebenfalls ein Bett, das tagsüber zum Entspannen und Lesen einlädt und abends auch als Schlafmöglichkeit zur Verfügung gestellt wird.  Moskitonetz inklusive! Für die heiße Jahreszeit von November bis März sicherlich eine hervorragende Alternative. Ganz anders als das schicke The Tides, das keine Wünsche offen gelassen hat. Das Kijongo Bay besticht durch natürliches Design ohne Schnickschnack und die Lage inmitten der Natur. Laut Steve ist es übrigens auch ein Paradies für Vogelliebhaber, als ausgebildeter Guide mit großer Erfahrung in vielen Projekten und unterschiedlichen Parks und Conservancies, hat er 300 unterschiedliche Arten auf dem Grundstück gesehen, seitdem er vor 2 Monaten hier angefangen hat.

 

Den Strand habe ich leider nur bei Flut gesehen, da dominieren Krabben den schmalen Küstenstreifen. Tausende rosa Krabben bevölkern den Strand und flüchten ins Wasser, wenn man sich nähert. Ich könnte denen stundenlang zuschauen, das sieht so lustig aus.

Der Sternenhimmel über Kijongo ist, gerade jetzt zu Neumond, unglaublich. Die Milchstraße scheint gerade auf mich runter zu fallen. Es gibt hier keinerlei andere Lichtquellen, es sei denn die Fischer sind auf dem Meer und nutzen Strahler um die Lieblingsspeise der Calamari und somit auch diese selbst anzulocken , sodass der Sternenhimmel hier besonders klar zu sehen ist. Steve – ein passionierter Fotograf – hat fantastische  Fotos mit Langzeitbelichtung gemacht, ich hoffe, er schickt mir eines davon.

Lala salama – Gute Nacht

Kijongo Bay

Maziwe Island

The Tides Beach Resort

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

05.06.2019 Kijongo Bay und Saadani Nationalpark

Wir haben tags zuvor lange beratschlagt, ob wir es wagen, den Saadani Nationalpark zu besuchen. Er liegt ca. eine Stunde Fahrzeit von Kijongo Bay entfernt und ist mit 1000 qkm einer der kleineren und jungen Parks in Tansania. Aufgrund der spät einsetzenden und dadurch auch länger andauernden Regenzeit war nicht klar, wie gut die Wege im Park befahrbar sind. Jetzt waren wir aber schon so nah und haben uns also um 07:00 Uhr auf den Weg gemacht. Der Plan war gegen 14 Uhr wieder zurück zu sein, um mit den Kajaks noch in den nahe gelegenen Fluss zu paddeln, der nur bei Flut befahrbar ist. Während der Ebbe kann man die Mangroven zu Fuß bestaunen, sicherlich ein Spaß mit Kinder, die die „Eierpampe“ im Flussbett sicherlich großartig finden.

Nach wieder ausgiebiger African Massage kamen wir im Saadani Park an, dessen Besonderheit ist, dass er als einziger Nationalpark Tansanias an den Indischen Ozean grenzt. Es gibt nur eine Lodge im Park – die Saadani Safari Lodge – ansonsten Campingplätze und die Beach Bandas, einfache aber sauber Unterkünfte direkt am wunderschönen Sandstrand, die man über die Parkverwaltung buchen kann – oder auch über uns. Die Saadani Safari Lodge hat wohl gerade den Besitzer gewechselt und befindet sich in einer aufwendigen Renovierung. Restaurant, Bar und Loungebereiche, sowie der wunderschöne Pool mit Blick aufs Meer sind bereits fertig und lösten gleich diesen Reflex in mir aus – hier bleiben! Sehr geschmackvoll und gemütlich, auch das Bungalow Zimmer, dass wir besichtigen konnten (noch nicht 100 % fertig) lässt erahnen, dass alleine der Aufenthalt in der Lodge einen Besuch des Parks rechtfertigt. Ich bin gespannt auf die Fotos, wenn alles fertig sein wird.

Der Park ist nach dem vielen Regen sehr grün, die Temperaturen tropisch mit entsprechender Luftfeuchtigkeit und das teils dichte Buschland macht es schwer, Tiere zu entdecken, die hier ebenso wie im Mkomazi nicht so zahlreich vertreten sind. Immerhin brachten wir es auf einige Antilopen, Warzenschweine, schwarze Störche, Paviane und Meerkatzen, ca. 30 Giraffen und einen einsamen Elefanten. Katzenspuren waren auf den feuchten Böden deutlich zu erkennen und ein laut bellender Pavian ließ auf aktive Großkatzen schließen, die wir trotz unserer Ferngläsern im dichten Buschwerk und hohen Gras nicht ausmachen konnten. Das eigentliche Abenteuer für uns aber war von A nach B zu kommen. John und ich waren beide noch nicht dort gewesen und haben uns bei der Anmeldung eine Karte des Parks geben lassen. Wie so oft in Tansania ist das Informationsmaterial, sagen wir es mal nett, stark verbesserungswürdig. Auf der Karte kann man kaum was erkennen, vor einem Besuch des südlichen Teils, wo man im Wami Fluss lebende Nilpferde, Krokodile und zu manchen Zeiten in den Seen auch Zwergflamingos sehen kann wurden wir gewarnt, da dort aufgrund der aufgeweichten lehmigen Böden kein Durchkommen sei. Schade, gerade der Teil hätte mich sehr interessiert. Am Wami Fluss liegt auch die Saadani River Lodge (allerdings außerhalb des Parks) von wo aus man Touren mit dem Boot machen kann. Leider ergab sich jetzt keine Möglichkeit, diese zu besichtigen.

Im Norden aber könnten wir versuchen zu fahren, war die Aussage des jungen Mannes noch, als er uns die Karte überreichte. Genaue Angaben über die einzelnen Wege gab es leider nicht. John hat sich also mit dem Jeep durch den Park gekämpft, erst in Richtung Westen, dann nach Norden, um den Park in dieser Richtung auch wieder zu verlassen. Immer wieder wurden wir von unpassierbaren Stellen gebremst und zum Umkehren gezwungen. Mal stand das Wasser zu hoch, mal war es so matschig und dazu lehmig, dass wir fürchteten stecken zu bleiben, ein anderes mal war die Furt über den Wasserlauf zerstört und zweimal mussten wir durchs Gelände fahren, was ebenfalls einen sehr sumpfigen Eindruck machte.

Unser Plan gegen 13 Uhr den Park wieder zu verlassen scheiterte, da einfach kein Durchkommen war und ein ums andere mal fürchtete ich, das wir uns festgefahren haben. Ich liebe normalerweise die Pirschfahrten, auch wenn man nur wenige Tiere sieht, aber mir wurde das Geschaukel bei dem drückenden Wetter echt zu viel und jetzt mussten wir den ganzen Weg wieder zurück, da alle anderen Wege in unpassierbaren Passagen endeten. Kurz nach 16 Uhr kamen wir endlich wieder in Kijongo an, mit dem Fazit keine Kunden von April bis Ende Juni in diesen Park zu schicken. Es sei denn als Transferstrecke auf der Hauptroute, der Saadani liegt nämlich auf der kürzesten Verbindungsstrecke zwischen Dar es Salaam und Tanga. Für das Paddeln war es mir jetzt zu spät, die Emails wollten noch gecheckt werden und ich musste mir mal ein bisschen die Beine vertreten und mein Gehirn wieder richtig einpendeln – ich war von der holprigen Strecke fast schon Seekrank.

Ich wollte bis zum Fluss vor laufen, was bei Ebbe keine gute Idee war. Bei den Mangroven musste ich durchs Wasser und lief ständig Gefahr auf eine der scharfkantigen Krabben zu treten. Das Seegras und die Algen, die vor der Lodge angespült werden, bleiben übrigens am Strand, um nicht in das Ökosystem einzugreifen. Es werden lediglich Wege freigemacht, dass man über den geharkten Sand ans Meer kann. In den Algen und dem Seegras leben Millionen von hüpfenden,  kleinen Geschöpfen, die ein bisschen wie Minigarnelen aussehen, wohl eine Art Seeläuse. Das ist die Biomülltruppe, die alle natürlichen Meereshinterlassenschaften zersetzen und verwerten. Leider gibt es keine auf Plastik spezialisierte Seeläuse, sodass an den Strandabschnitten außerhalb des Lodgegeländes wieder das Plastikmüllproblem sichtbar wurde. Wir haben beim Abendessen diskutiert, was geschehen muss, um den Strand sauber zu halten, kein Tourist mag das gerne sehen.

Das Problem aber ist, das die Lodges natürlich den Müll sammeln können, auch manche Touristen beteiligen sich ja gerne an solchen Strandreinigungsaktionen, aber niemand weiß wohin damit. Es gibt keine Deponie oder Wiederverwertung weit und breit. Der Müll muss (nach Aussage der Lodgebetreiber) also entweder in Richtung Dar es Salaam oder nach Arusha transportiert werden. Soweit ich weiß, gibt es auf jeden Fall eine Möglichkeit die PET Flaschen zu recyceln – unsere Fahrer bringen die leeren Wasserflaschen dorthin. Aber was passiert mit dem Rest? In den Dörfern und auch in Arusha wird der Plastikmüll regelmäßig an den Straßenrändern verbrannt. Das führt bei mir in der Stadt immer zu heftigen Augenzeizungen und riecht nicht wirklich gesund. Besorgniserregend finde ich auch, dass die Grills für das abendliche Njama Choma (Barbecue) meist direkt daneben stehen. Auf der Messe werde ich Marlies und Britt vernetzen, bei Beiden ist der Nachhaltigkeitsgedanke stark ausgeprägt und vielleicht können die Damen sich gegenseitig unterstützen und Tipps geben. Je mehr Menschen an den Themen Nachhaltigkeit, gesunde und natürliche Lebensmittel aus natürlichem Saatgut, Ressourcenschonung und Recycling arbeiten, umso eher kann etwas bewirkt werden. Der Kampf für eine umweltgerechte Lebensweise ist wie fast überall auf der Welt auch hier wie der Kampf von Don Quijote gegen die Windmühlen.

 

Nach meinem Spaziergang habe ich noch eine Runde im Pool gedreht – dank der Frischwasserquelle herrlich, er wird auch nur mit Salz und nicht mit Chlor gereinigt – geduscht und mich mit dem Laptop in die Bar gesetzt. Nach dem anstrengenden Tag habe ich mir ein Serengeti gegönnt und dazu Chips aus frittierten grünen Bananen und eine köstliche Guacamole bekommen. Das Abendessen war tansanisch – ein Tomaten/Gurken Salat, Hähnchen Pilaw, Spinat und Bohnen – sehr lecker! und zum Nachtisch eine Mango/Maracuja Mousse. Wie fast immer in diesem Land esse ich zu viel;-).

Satt und kaputt habe ich mir meinen Safaristuhl noch in eine dunkle Ecke des großen Grundstücks gestellt und die Sterne bewundert und als die Mücken kamen ins Bett gegangen.

Abfahrt nach Arusha für den nächsten Tag um 07:00 Uhr geplant.

Lala Salama – Gute Nacht!

Saadani Nationalpark

Saadani Safari Lodge

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

06.06.2019 Fahrt Pangani – Arusha

05:50 Uhr ging der Wecker ,damit Zeit genug blieb, das köstliche Frühstück zu genießen. Heute als extra noch Spanischen Omelett und ein Pancake – ich kann bald mit dem Jeep um die Wette rollen. Pünktlich um 7 Uhr ging die lange Rückreise los. Eine Stunde „Jeephopsen“ bis zur Fähre, die erfreulicherweise bald losfuhr als wir ankamen und uns über den Pangani Fluss brachte.

An der Tankstelle haben wir dann noch Francesco von der Bahari Pori Lodge getroffen, der bei unserem Besuch nicht vor Ort war. Ihr erinnert Euch? Die Lodge ohne Sandstrand. Was, wie ich jetzt erfuhr ,eigentlich ein großer Vorteil ist.

Direkt vor der Lodge ist ein kleines Riff und bei Ebbe bilden sich kleine Pools in denen man wie in einem Jacuzi im warmen Wasser sitzen kann – mit Fischen drin! Francesco betreibt die Lodge seit 10 Jahren und lebt permanent hier, ein absolutes Muss, wenn man etwas erfolgreich betreiben möchte. Entweder selbst vor Ort sein, oder wie im Falle des Kijongo Bay, fähige Manager einstellen. Die Vorstellung, am liebsten nur Unterkünfte, die in der Hand von Einmischen betrieben werden zu verkaufen, hat sich als leider unrealistisch und sehr romantisch erwiesen.

Francesco hat mir also an der Tankstelle sämtliche Vorteile seiner Lodge beschrieben, angefangen von kostenlosen Ausflügen nach Pangani und andere Dörfer, kostenloser Transfer von Dar es Salaam bei einem Aufenthalt über 1 Woche, der neue Pizza Ofen und vor Allem die Nachhaltigkeit. Die Lodge läuft komplett über Solarstrom. Durch eine ausgeklügelte Logistik braucht er keinen Kühlschrank: Fisch kommt von den Fischern, Milch und Fleisch, Gemüse und Obst von den umliegenden Bauern. die Frage nach dem kalten Bier kam mir erst später, aber vielleicht gibt es beim Italiener nur Rotwein?;-)

 

Die Piste von Pangani zur geteerten Hauptstraße dauert ebenfalls eine Stunde und ist etwas komfortabler. In dem ganzen Gebiet gibt es viel Landwirtschaft, große Sisal Felder, Mais, Orangen und immer wieder die riesigen Mangobäume an denen unglaublich viele dieser köstlichen Früchte hängen. Überall waren viele Menschen zu sehen, der Tag nach dem Eid al Fitr, dem Fest des Fastenbrechens ist Feiertag, sodass auch die Kinder in den Dörfern zu sehen waren und unseren Jeep teils mit lautem Gekreische begrüßten.

Die Frage die ich mir immer wieder stelle, wenn ich hier über die Dörfer fahre: wie oft wird ein Mädchen pitschnass, bevor sie diese großen und schweren Wassereimer so sicher auf dem Kopf nach Hause trägt, wie ich es heute wieder so oft gesehen habe? Und wieso müssen die Mädchen und Frauen das Wasser schleppen, während die Motorradtaxifahrer in großen Gruppen am Straßenrand stehen und auf Kundschaft warten? Also zum größten Teil nichts machen, außer quatschen. Die Arbeitsteilung scheint mir hier noch nicht so ganz gerecht zu sein, und wir machen uns in Deutschland einen Kopf ob Kunde oder Kundin oder Kunde*in oder Kunde/Kundin auf unseren Formularen steht. Wir leben zwar in einer globalen Welt, aber die Themen und Probleme sind doch noch sehr unterschiedlich.

Mittlerweile sind wir wieder im Trubel der größeren Städte angekommen. Die Luft wird schlechter, der Verkehr nimmt zu. Gerade cruisen wir durch Moshi, die Stadt am Kilimanjaro wo die meisten Besteigungen beginnen. Baumschulen am Straßenrand, Restaurants, die typischen Grills, Verkaufsstände, Märkte, ein ziemliches Gewusel. Das Klima ist hier wieder kühler und angenehmer, Moshi liegt auf gut 800 Metern Höhe. Der berühmte Berg hüllt sich in seinen Wolkenmantel und wirkt wie eine langgestrickte Hügelkette.Fast die ganze Fahrt über war es wolkig, was ich ganz angenehm fand. 8 Stunden Fahrzeit liegen jetzt schon hinter uns. Inklusive 2 kleinen Pausen, aber die Fahrt zieht sich ganz schön. Immerhin habe ich jetzt die Berichte für die letzten Tage geschafft, ich bin vorher einfach nicht dazu gekommen.

Heute Abend werden Fransisca und ich noch den Cocktail Empfang zum Messebeginn besuchen und ab morgen geht es dann auf die Karibu Kilifair. Ich fürchte, dass die nächsten Tage sehr ausgefüllt sind, aber wahrscheinlich auch nicht viel Schreibenswertes passiert. Wenn doch, wird es afrikanisch „Pole Pole“, also langsam und zeitversetzt veröffentlicht. Montag bis Donnerstag bin ich dann auf Einladung der Messe nochmals unterwegs, diesmal in Richtung Nordwesten – die Serengeti und der Ngorongoro Krater rufen. Mal sehen ob es mit dem Schreiben klappt –  ich bin dann ja mit einer Gruppe unterwegs – und wie es mit dem Internet aussieht.

Jetzt werde ich noch die Fotos sortieren und dann hoffentlich bald in Arusha ankommen.

PS: Ankunft in Arusha nach 10 Stunden, Said empfing uns in seiner Winterjacke (die für Reisen nach Berlin im Winter). So kalt war es nun auch nicht, aber recht frisch, immerhin sind wir hier schon auf 1400 Metern. Die Sonne schien und der Mount Meru begrüßte uns wolkenfrei.

Lala Salama – Gute Nacht

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk

07. – 09.06.2019 Arusha – Karibu Kilifair und Familienleben

2 Tage Messe liegen jetzt hinter mir und ich habe viele neue Kontakte gewonnen und alte gepflegt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Menschen aus dem lokalen Tourismus Fransisca kennt. Es war nicht möglich, einmal gezielt über das Messegelände zu laufen, um einen bestimmten Stand zu erreichen. Überall wurde gestoppt, sich begrüßt, umarmt und kurz oder auch länger die neuesten Informationen über das Geschäft, die Kinder, die Gesundheit und Sonstiges auszutauschen. Immer, wenn ich mal denke, das klappt jetzt nicht mit der Reservierung, da die Lodges voll sind, sagt Fransisca: „Hakuna Matata! Mach Dir keine Sorgen, das klappt schon!“ Jetzt glaube ich das auch – sie scheint wirklich jeden zu kennen, ihr Netzwerk ist beeindruckend und für mich beruhigend das zu wissen.

Viele tolle Lodges habe ich, zumindest auf dem Papier, aus Erzählungen und Videos kennengelernt. Viele wunderbare Inhaber, Betreiber und Manager kennengelernt, die wirklich für Ihr Produkt brennen und auch im sozialen Bereich unglaublich engagiert sind.

Viele neue Reiseideen tun sich auf, denn dieses wunderbare Land hat mehr zu bieten als nur Tiere.

Samstag Nachmittag hatten wir dann noch ein Meeting mit unseren Guides. Wir berichteten über die Firma, wie wir arbeiten und was wir von unseren Guides erwarten. Auch die Guides berichteten aus ihrer Perspektive und äußerten auch, was sie von uns erwarten. Es herrschte Einigkeit, dass wir nur gemeinsam erfolgreich sein und wachsen können. Die Guides brauchen unsere Kundenakquise und wir brauchen Guides, die unsere gemeinsamen Kunden professionell, fachkundig und sicher durchs Land bringen. Sie äußerten den Wunsch nach Erste Hilfe Kursen und zusätzlichem Guidingtraining und wir suchen jetzt nach Möglichkeiten. Ich mag dieses Arbeiten auf Augenhöhe und es freut mich die „Jungs“ im teil zu haben.

 

Das Familienleben wird immer bunter – Fransiscas Schwester Giesela aus Iringa kam mit ihrem kleinen Sohn auch noch ins Haus, so dass wir jetzt 3 Jungs im Alter zwischen 10 Monaten und knapp 3 Jahren hier hatten. Oma und Opa sind auch noch da und Flora das Waisenkind ihrer Schwägerin, das von der Familie adoptiert wurde und nun die Chance hat weiter zur Schule zu gehen. An konzentriertes Arbeiten ist hier kaum zu denken, aber dank Oropax gelingt es mir mich auf meine Aufgaben zu fokussieren.

Wir waren Freitag und Samstag so emsig auf der Messe unterwegs, dass wir uns am Sonntag frei genommen haben. Meine geplante Arbeit musste ich auf die Abendstunden verlegen, da meine Tagesplanung nicht ganz aufging. Aus einem kurzen Ausflug nach Arusha, um Stoffe zu kaufen – ich wollte Bademäntel für unsere Freunde, die nächsten Samstag heiraten, nähen lassen – einer Hotelbesichtigung und einem schnellen Besuch wurde ein Tagesprogramm. Erst wurde Giesela auf der Messe vorbei gebracht, dann die Schwiegereltern nach Hause. Dann mussten wir auf den Markt, um für die Beiden einzukaufen. Die Verantwortung für die Eltern speziell, aber auch für alle anderen Familienmitglieder wird in „meiner“ Familie sehr groß geschrieben. Der Einkauf zog sich hin, da die Kommunikation nicht rund lief. Normalerweise wird die Einkaufsliste vorab per SMS an die Markthändlerin des Vertrauens geschickt und alles ist schon zusammengepackt. Als wir ankamen, war die SMS leider noch nicht gelesen und ich konnte den Einkaufsprozess verfolgen: Was am Stand nicht verfügbar war, wurde irgendwo in der alten „Markthalle“ einem überdachten, windschiefen Gebäude, dass mit allen möglichen Plastikfolien abgedichtet ist, besorgt. Der Laufbursche flitzte mal hier und mal dort hin, während die Marktfrauen und Fransisca gemütlich quatschten. Zwischendurch wird einem von den fliegenden Händlern alles Mögliche angeboten, ein Bund Koriander, eine Einkaufstasche (es gilt ja seit Anfang des Monats das Plastiktütenverbot) oder eine Portion geschälter Knoblauch – komischerweise in kleinen Plastikbeuteln;-).

Der gesamte Einkauf wird dann vom Laufburschen zum Auto getragen und ich dachte, jetzt geht es endlich weiter,. Da fiel auf, dass wir ja als Gastgeschenk für den Besuch bei unserem Guide Heriel auch Lebensmittel mitnehmen wollten. Also nochmal los und das Prozedere nochmal. Zurück am Auto, kam eine alte Frau mit einer Kiste Blumen auf dem Kopf. Sie waren aus ihrem Garten und da sie Geld brauchte, beschloss sie diese zu verkaufen. Said mit seinem großen Herz, kaufte ihr gleich die ganze Kiste ab. Als Dank dafür durften wir auch ein Foto mit ihr machen. Ansonsten vermeide ich, Personen zu fotografieren, aber ein bisschen Marktflair musste ich dann doch einfangen. Dann ging es noch zum Metzger und sowohl für die Familie als auch für Heriel kamen große Tüten ins Auto.

Aus einer Hotelbesichtigung wurden 3. Said wollte beten, also legten wir Frauen einen Stop zum Teetrinken ein, während er für 15 Minuten in der Moschee verschwand. Nur ein kurzer Weg war es zum Busbahnhof, wo wir Rauda, die älteste Tochter abholten, die eine Woche Schulferien hat und gerade aus Nairobi angekommen war.

Nun konnte es auch gleich weiter zu Heriel gehen. Es ging über holprige Sand und Lehmpisten, wir mussten ein paarmal telefonieren, da diese Wege auf google.maps nicht zu finden sind, erreichten unser Ziel aber gegen 15 Uhr. Dort erwartete uns, wie in Tansania wohl überall, vor allem an einem Sonntag, ein volles Haus. Heriels Mutter, seine Schwägerin und noch 2 weitere Frauen, 2 Freunde, Heriels „Großer“ –  3 Jahre – mit einem Freund oder Cousin (ich blick da nicht mehr durch).

Von wegen kurzer Besuch: 1. Gang: Hühnersuppe – schmeckte sehr lecker, wie zu Hause. Leider ist das Fleisch immer in grob gehackten Stücken im Essen, mit Knochen und bei Fisch mit Gräten. Ich beschloss, heute meinen Veggie Day zu haben. Als Ehrengast durfte ich mich nämlich nicht vorm Essen drücken und durfte/musste mich immer zuerst bedienen.

  1. Gang: Ein Potpourri aus tansanischen Speisen. Reis, Kochbananen, Fisch, Avocado Salat, und eine Art Krautsalat. Alles sehr lecker (ich muss zugeben, den Fisch habe ich den Anderen gelassen)
  2. Gang: Wassermelone, Ananas und Mango. Für Letztere ist gerade Erntesaison. Sie sind so köstlich und süß – ein Traum.

Zur Belohnung, dass ich brav gegessen habe, wurden auch endlich die Zwillinge geholt und ich bekam einen der kleinen Bündel in den Arm gelegt. Ach, wie niedlich sind diese kleinen, 2 Monate alten Würmer! Aber auch Heriels Frau ist wunderschön und für eine stillende Mutter von Zwillingen sah sie erstaunlich gut und ausgeschlafen aus. Das ist natürlich ein Vorteil der allseits präsenten Großfamilien, die Zwerge werden von allen mitversorgt und die Mütter können auch mal entspannen. Kochen, putzen, waschen, erledigen dann halt die anderen.

Nachdem wir dann noch am Supermarkt gestoppt haben, waren wir dann um 18 Uhr zu Hause und meine Arbeit wartete auf mich;-(

Um 19:30 Uhr gab es schon wieder Abendessen – hungrig war ich nun wirklich nicht! Aber ein Stück frische Avocado mit Mango geht immer. Rauda hatte sich so gefreut mich zu sehen, dass ich mit ihr noch eine 90 minütige Fotoshow aus Europa hatte und mich mit ihr über Gott und die Welt unterhielt. Was für eine intelligente, wissbegierige und zielstrebige junge Dame – ich bin echt beeindruckt. In 1,5 Jahren wird sie ihren Abschluss auf der internationalen Schule in Nairobi gemacht haben und möchte dann Medizin studieren. Kinderärztin zu werden ist ihr großes Ziel und sie checkt bereits die Möglichkeiten im Ausland zu studieren. Sollte jemand einen Tipp für sie haben, bitte melden! Diese junge Lady wird niemanden enttäuschen. Bis 23:30 Uhr habe ich mich noch mit dem langsamen Internet gequält und versucht meine Reisepläne und Bestätigungen zu erstellen, bis ich dann doch zu müde wurde.

Lala salama – gute Nacht!

Kategorie: Reise Tansania 2019 | von: Martina Volk
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