Reise Tansania 2017 – northern circuit

30.10.17 – Was für ein Tag!

Der verpasste Flug von Bibi und Babu, der Strand in Jambiani und der Regen in Stone Town, alles vergessen. Bei dem was wir hier erleben, wird die Festplatte täglich neu beschrieben. Den Bericht für gestern habe ich heute erst geschrieben, da wir im Buschcamp, weder Internet noch regelmäßig Strom hatten. Musste erstmal auf den Fotos nachsehen, was wir alles erlebt haben. Die heutigen Eindrücke haben alles von gestern überlagert.
Um 6:15 Uhr ging unsere Safari los, während die Jungs weiter im Zelt schlummerten. Die Begrüßungselefanten erwarteten uns am Camprand, weiter ging die Fahrt zu der großen Gnu Herde. Auf der Piste lagen einige Löwen, die sich ein Tier der Herde zum Frühstück gegönnt hatten. Die Reste wurden von Hyänen und Schakalen verspeist. Eine weitere, einsame Löwin brachte die Gnuherde in Bewegung. Einem Vogelschwarm gleich rannten die Gnus hin und her. Mal vor dem Löwen davon, mal hinterher. Einzig die eingemeindeten Zebras behielten den Überblick und blieben cool. Das Frühstück wartete im Camp und wir wollten einen heißen Kaffee. Wieder wurden wir aufgehalten und haben einen kapitalen Mähnenlöwen bei der Brautschau beobachtet – leider machte sich die potentielle Braut davon. Kaffee! Wir wollten doch zurück. Kurz vor dem Camp spazierten noch vier Geparden, eine Mutter und ihre drei Pubertiere über die Piste und zeigten ihr schönes Fell im Sonnenlicht. War wieder ein Stopp wert. Genauso wie die Elefanten mit den entzückenden Babys. Immerhin haben wir es geschafft, noch rechtzeitig zum Frühstück zu kommen. Da wir die letzten Frühstücksgäste waren, hatte das Personal viel Zeit für uns und Bibi konnte mit dem Koch ihr gelerntes suahelisches Kirchenlied singen. Herzliche Abschiedsszenen folgten und wir fuhren wieder in den Busch. Beziehungsweise versuchten es. Unsere Elefantengruppe wurde von einem „brünftigen“ Elefantenbullen begleitet, der uns nicht passieren lassen wollte. Unser Fahrer Heriel reagierte blitzschnell und schaltete den Rückwärtsgang ein. Es kam nur ein Rückspiegel zu Schaden, die Besatzung des Jeeps blieb unversehrt. Leichte Panik machte sich unter einigen Mitfahrern breit, als der Bulle nachsetzte und uns verfolgte. Gefühlte Ewigkeiten später, ließ er uns, durch das frische grün gnädig gestimmt endlich passieren. Puh – noch mal gut gegangen und weiter ging die Fahrt. Große Staubwolken ließen auf viel Bewegung schließen und wir durften ein weiteres Highlight erleben, mit dem ich nicht mehr gerechnet habe. Mein Traum, die Gnus bei der Überquerung des Mara Flusses zu sehen erfüllte sich nicht, aber auch der Seronera Fluß war für tausende von Gnus heute eine Herausforderung. Nicht für viel Intelligenz bekannt, nutzen die Gnus nicht etwa die Autopassagen oder die flachen Stellen über den Fluss, sondern schienen willkürlich irgendwo zu queren. Sobald einer die Passage wagt, kommen hunderte hinterher, was einige Todesopfer fordert. Nicht so spektakulär wie beim Mara Fluss, wo die Krokodile ihren Tribut zollen, sondern einfacher Schlamm, der die Tiere scheitern lässt. Ein unglaubliches Spektakel, leider durch den aufgewirbelten Staub nicht sehr fotogen, aber faszinierend. Immer wieder stoppte die Prozession, sobald etwas unvorhergesehenes passierte. Ein totes Gnu im Schlamm, ein LKW, der den Laufweg blockierte oder eine Echse (über 1 Meter lang) brachte die Herde zum Stehen oder Umdrehen, wobei ein ziemliches Chaos durch die nachrückenden Tiere entstand. Wer es über den Fluss geschafft hatte, galoppierte schlammverschmiert an uns vorbei. Ein paar dösende Löwen begegneten uns auf unserem Weg zum Picknickplatz, auf dem wir uns redlich bemühten, keinen Müll in die Serengeti wehen zu lassen. (Hansi schätzte die Windstärke auf 6) Unser Ziel, die Kubu Kubu Lodge wollten wir gegen 15:00 Uhr erreichen, Löwen im Liebesrausch und 2 Leoparden im (leider entfernten) Baum sprengten unseren Zeitplan wieder etwas. Als wir nachmittags wieder an die Stelle am Seronera Fluss ankamen, waren immer noch Gnus und mittlerweile auch Zebras bei der Flußüberquerung. Heriel schätzt die heute gesehenen Gnus auf 600.000. Ist vielleicht übertrieben, aber es war gigantisch! Bibi und Babu sind froh, die Strapazen der Reise auf sich genommen zu haben und können gar nicht glauben, was sie hier zu sehen kriegen.
Unsere Lodge ist ein Traum, Pool und Dusche mit Aussicht auf die Serengeti, open Bar und gutes Essen lassen keine Wünsche offen. Wir sind glücklich!

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk

31.10.17 – Bastis Traum wird erfüllt

Wer früh aufsteht kann eine tolle Stimmung zum Sonnenaufgang erleben. Die Serengeti zu unseren Füßen wurde in goldenes Licht getaucht und wir genossen unser Frühstück mit Aussicht. Um 07:30 ging unsere Reise wieder los. Am Fluss waren immer noch eine Menge Gnus, die auf die Flussüberquerung warteten. Vorher hatten wir eine Giraffenherde im schönen Morgenlicht bewundert. Eine Leopardenschildkröte kreuzte unseren Weg. Basti wünschte sich so sehr eine nähere Begegnung mit einem Leoparden, die wir bislang nur faul auf den Bäumen gesehen hatten, die aber sehr weit entfernt waren. Ich hatte extra mein Leoparden T-Shirt angezogen, aber eine Leopardenschildkröte war nicht das, was ich mir mit meinem Outfit erhofft hatte. In Sichtweite zum Picknickplatz waren viele Jeeps um einen großen Felsen aufgereiht. Also nichts wie hin! Am Fuß des Felsens waren zwei dösende Löwen, das war aber nicht der Grund. Hinten an der Wagenburg angestellt, erfuhren wir den Grund für den Auftrieb: eine Leopardin mit Jungen sei irgendwo in dem mit Büschen bewachsenen Felsen. Und tatsächlich, nach einigen Minuten erschien ein Leopard und legte sich malerisch auf einen Felsen. Ihr Nachwuchs folgte kurze Zeit später. Auch Raubkatzen sind Katzen und das Kleine erinnerte mich sehr an die Katze unserer Nachbarn, so niedlich und verspielt. Ein Kletterversuch auf Mama endete mit einem Sturz vom Felsen, Mama blieb cool liegen und kurze Zeit später war das Kleine unversehrt wieder da und stärkte sich erstmal mit einer Portion Milch. Ein zweites Junges war hinter den Büschen versteckt, vielleicht noch zu klein und schwach, um auf den Felsen zu klettern. Heriel schätzte sie auf 5 bis 6 Wochen. Es fiel uns schwer, uns loszureißen, doch es folgten immer mehr Jeeps und wir entschieden uns, uns von diesem zauberhaften Anblick zu lösen und anderen Platz zu machen. Tierisch gesehen war das unser absolutes Highlight an diesem Tag. Elefanten aus der Nähe von 3 Metern zu betrachten, kennen wir ja schon und ist nicht weiter erwähnenswert, da sie heute ausgesprochen friedlich waren und wir keinen „Angriff“ befürchteten. Spektakuläre Landschaft stand heute auf unserem Programm. Felsformationen in einem hügeligeren Teil der Serengeti, Vulkangestein wie von spielenden Kindern arrangiert, dazwischen Büsche und Bäume, die scheinbar aus dem Gestein heraus wuchsen. Unser Blick schweifte zwischendurch in flaches Buschland; dieses Gebiet ist das Letzte in der Serengeti, wo es noch Nashörner gibt. Über die Anzahl gibt es nur Spekulationen, Wilderer sollen nicht angelockt werden. Doch auch das intensive Suchen mit unseren Ferngläsern brachte uns keinen dieser grauen, urzeitlich anmutenden Riesen vor die Linse. Wie traurig, dass man diese Tiere kaum noch zu Gesicht bekommt, nur weil irgendwelche Menschen irrsinnige Summen Geld für ein Stückchen Horn bezahlen, das aus einer ähnlichen Zusammensetzung wie unsere Fingernägel besteht. Einige Zebras und Giraffen, Löwen aus der Ferne, dieser Teil der Serengeti war wie leer gefegt. Unser Picknick erfolgte an einem wunderschönen See, der aber nur am äußersten Ende einige Tiere zeigte. Flamingos! Das heißt, das der See alkalisch ist und keine Trinkwasserquelle für die anderen Wildtiere darstellte. Das Panorama war dadurch noch schöner, da der See wie ein Spiegel vor uns lag und die Bäume sich wunderschön spiegelten. Tolles Motiv für ein Puzzle.
Zurück ging die staubige Fahrt in ́s Herz der Serengeti, wo uns wieder tausende von Gnus begegneten. Am Seronera Fluss war die Überquerung immer noch nicht abgeschlossen, da immer weitere Herden, beim Laufen aufgereiht wie Perlen auf einer Kette, nachfolgten. Unfassbar! Einige Minuten bewunderten wir dieses Schauspiel, bis die Lodge uns mit Pool und kalten Getränken lockte. Der traumhafte Blick in die Steppe mit einem Gin Tonic – so muss das zur Kolonialzeit gewesen sein; Meryl Streep und Robert Redford lassen grüßen.

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk

01.11.2017 – Getrennte Wege

Heute stand der erste Abschied an. Caroline und Hansi fliegen heute von der Serengeti nach Mwanza, der Partnerstadt von Würzburg und werden den heutigen Sonnenuntergang am Viktoria See erleben, während für uns heute morgen eine letzte Pirschtour auf dem Programm stand. Am Abend und in der Nacht konnte man es schon hören und heute morgen wurden sie von der typischen Staubwolke verraten. Die Gnus waren in der Ebene unterhalb der Lodge angekommen. Wir starteten um 07.30, vorbei an Giraffen, Elefanten, Pavianen und Gnus, Gnus, Gnus. 2,2 Millionen soll es in der Serengeti geben, gefühlt haben wir alle gesehen. Wir fuhren in die scheinbar leere Steppe, wieder gab es wunderschöne Felsformationen zu sehen. Als bei den Jungs schon wieder die Müdigkeit durchbrach, erschienen zwei Löwinnen in der Steppe. Scheu waren sie nicht, denn sie liefen direkt, und ich meine wirklich direkt, an unserem Auto vorbei. Mit ein bisschen stretching hätten wir sie streicheln können, konnten uns aber nicht einigen, wer zuerst darf und haben dann den Moment verpasst. Das Motiv, auf das wir als Freunde der König der Löwen Filme, gewartet haben, lieferten sie uns dann auch noch. Sie sprangen auf einen Felsen und posteten vor blauem Himmel, beim Gähnen zeigten sie uns noch ihre eindrucksvollen Zähne: 10 Punkte für diese Vorführung. Heriel meinte, dass die beiden jetzt ihr persönliches 5 Sterne Hotel in der Serengeti bezogen haben: Traumausblick, kühle Brise, leichter Schatten durch die Bäume und ein musikalisches Unterhaltungsprogramm durch die Perlhühner (auch als Zwischensnack nutzbar), die um den Felsen herumliefen. Im Hintergrund liefen derweil ein paar „Perlenschnurgnus“, ein Anblick, den ich irgendwie vermissen werde.
Unser Ziel war das Naabi Gate und wir durchquerten die trockene Steppe. Statt Gnus sahen wir jetzt tausende von Thomson Gazellen (die hellbeigen mit schwarzem Blockstreifen), die Geparden, die in dieser Gegend beheimatet sind, sahen wir leider nicht. Sobald wir aus dem Serengeti Tor gefahren sind, bestanden die größten Herden aus Rindern, Ziegen und Schafen, die Massai dürfen nur außerhalb des Ngorongoro Kraters und der Serengeti ihr Vieh weiden lassen. Dieses Mal konnten wir auf der Strecke die Landschaft erkennen, es staubten nur die Autos, aber der Sandsturm von der Hinfahrt wiederholte sich erfreulicherweise nicht. Unser Picknick gab es am Rand des Ngorongoro Kraters, der Blick war fantastisch. Von oben wirkt es so still und leer, man kann sich nicht vorstellen, welche Fülle an Tieren am Boden des Kraters lebt. 40 Minuten ging es noch mit „Afrikanischer Massage“ auf den holpernden Pisten weiter, bis wir zum „Checkout“ aus der Ngorongoro Conservancy Area kamen. Danach ging es butterweich auf asphaltierten Straßen in 10 Minuten in ein Kleinod, das Ngorongoro Farm House. Mit gekühlten Waschlappen konnten wir uns den Staub der Serengeti von den Händen und aus dem Gesicht wischen, gekühlter Saft erfrischte uns und unsere staubigen Taschen wurden abgefegt. Ein wunderschöner, bunter Garten mit Blumen, Gemüse und einer Kaffeeplantage. Ein Pool, frisch gerösteter, hauseigener Kaffee, eine große Terrasse und große, gemütliche Zimmer in kleinen Cottages mit Kamin für die kalten Abendstunden. Jetzt zum Abend angenehm kühl warten wir bei gutem Wein auf den Beginn des Abendessens.

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk

02.11.2017 – Massai on the road

So schön kann Urlaub sein! Gemütlich aufstehen und erst um 08:30 Uhr frühstücken. Nochmal durch den wunderschönen Blumengarten des Farm Houses schlendern und im Souvenirshop stöbern. Erst gegen 10:00 Uhr ging unsere Reise los und unseren ersten Zwischenstopp hatten wir bereits nach fünf Minuten, zur Besichtigung des Schwesterhotels Farm House Valley. Auch hier stehen den Gästen kleine Cottages zur Verfügung, die mit Blick auf den Kraterrand ausgerichtet sind. Dieser sicherlich schöne Ausblick blieb uns aber durch die tief hängenden Wolken leider verwehrt. Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Arusha ging es durch kleinere und größere Dörfer, vorbei an Dorf- und Massaimärkten, Kirchen und Moscheen liegen friedlich nebeneinander und die bunt bekleideten Menschen bevölkern das Straßenbild. Nach 45 Minuten hielten wir vor einem Massaidorf, einer sogenannten Boma. Gegen ein Eintrittsgeld bekamen wir eine Vorführung von Gesang und Tanz, Benji und Basti übten sich mit den Männern des Dorfes im Sprungtanz während Bibi und ich in der Frauengruppe mitwippten. Einzig Babu war aus dem Schneider und durfte in aller Seelenruhe zusehen, wie wir uns alle, mit Massaitüchern und wir Frauen noch mit einem traditionellen Halsschmuck behängt, zum Horst machten. Trotzdem eine schöne Gelegenheit mal genau in die Gesichter dieser Menschen zu schauen. Die charakteristische Zahnlücke, die beiden Unteren vorne werden gezogen, sollen der Beatmung und Nahrungsversorgung bei schweren Krankheiten dienen. Große Ohrlöcher werden mit allerlei Schmuck bestückt, die aus bunten Perlen bestehen. Der ganze farbenfrohe Massaischmuck besteht übrigens großteils aus gekauften Perlen und nur teilweise aus Naturmaterialien, wie z.b. Kaffeebohnen, Samen oder Melonenkernen. Auch die farbenfrohen Tücher, die den Massai als Kleidung dienen, sind gekauft und werden von den Frauen nur zugeschnitten und abgekettelt. „Made in China“ war groß zu lesen. Getrennt besichtigten wir zwei Rundhütten, die als Behausung dienen. Angelegt ist die kleine Hütte wie eine Schnecke mit sehr schmalem Durchgang – als Schutz vor Wildtieren. Eine Matratze aus Kuhleder und eine kleine Kochstelle bilden die Haupteinrichtung. Wie wir hinterher feststellten, hat jeder Führer etwas anderes erzählt. Mal lebte eine Familie mit 6 Personen in einer Hütte und schläft auf einer Matratze, mal schläft die Frau mit den Kindern getrennt vom Mann. Auch die Variante, dass die Frauen in den polygamen Beziehungen eigene Hütten bewohnen und der Mann mal die eine und mal die andere Frau einlädt, bei sich zu übernachten wurde zum Besten gegeben. Die Mahlzeiten der Massai sind nicht wirklich abwechslungsreich und wir waren froh, nicht zum Essen eingeladen worden zu sein. Morgens Mais und ein Gemisch aus Milch und Rinderblut und abends Fleisch. Mehrere Kinder waren in einer Art Verschlag aus Stöcken und wurden dort „unterrichtet“. Rotznasig und ziemlich verdreckt wurde ein Lied für uns gesungen. Den Gesprächen nach, gibt es zwar eine Schulpflicht, die aber leider nicht durchgesetzt wird und so sind einige Kinder nicht in der Schule, sondern bei den Tieren in der Steppe. Der unangenehme Teil der Führung war die Verkaufsveranstaltung, wo uns auf 15 – 20 Tischen die bunten Perlenarbeiten angeboten wurden. Die Frauen starrten uns dabei mit ernsten Mienen an und wir fühlten uns ein bisschen genötigt etwas zu kaufen. Die Preisverhandlungen waren unerfreulich, da die Forderungen viel zu hoch waren und wir immer wieder von den Männern darauf hingewiesen wurden, dass das Geld ja den Frauen und Kindern zugute käme. Dabei erinnerte nichts an die stolzen Krieger, sie wirkten wie beliebige Touristenabzocker. Fazit: es war interessant einen kleinen Einblick in die Kultur zu bekommen. Dafür waren wir auch bereit unseren Eintrittt von insgesamt $ 50,- zu zahlen, hatten aber gehofft, uns damit von weiteren Forderungen und Bedrängungen freigekauft zu haben. Falsch gedacht!
Etwas bedröppelt stiegen wir wieder ins Auto und fuhren weiter in Richtung Arusha, machten eine kurze Picknickpause, trafen uns noch kurz in Arusha mit Fransisca, ihrer Tochter und ihrem Mann Said, bevor wir kurz vor Sonnenuntergang auf der Makoa Farm ankamen. Eine warme Dusche (das Wasser wird mit Feuer in einem riesigen Boiler auf dem Gelände aufgeheizt) und ein leckeres Essen auf der Terrasse im Kreise der deutsch/ungarischen Eigentümer, eines weiteren Gastes und zwei deutschen Volunteers, und ein gemütliches Bett mit Wärmflasche erwartete uns am Fuße des wolkenverhangenen Kilimanjaro.

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk

03.11.2017 – Unsere kleine Farm

um 03:00 Uhr morgens wollte ich mit dem Kopf durch die Wand! In unserem gemütlichen Häuschen, dass ich mit den Jungs bewohne, gibt es ein in die Wände eingelassenes Bett, in das man von vorne reinkrabbeln muss. Die Jungs schliefen darüber in einer Art Alkoven. Nachts vom Regen und Tiergeräuschen erwacht, bin ich zur Toilette, nur mit der Taschenlampe des iPhones als Lichtquelle, um die Jungs nicht aufzuwecken. Vor dem Bett schob ich beidhändig das Mückennetz zur Seite und hatte somit die Lampe nicht auf das Bett gerichtet. Schwungvoll wollte ich zurück zu meiner Wärmflasche, übersah aber ein ca. 50 cm breites Hozbrett, dass sich im Dunkeln hinter dem Mückennetz versteckt hatte und donnerte mit voller Wucht dagegen. „Autsch!“ Ein Blick in den Spiegel zerstreute die erste Befürchtung, dass ich mir die Nase gebrochen habe. Den Rest der Nacht verbrachte ich mit einem nassen Handtuch zur Kühlung auf dem Kopf, um die Beulen auf meiner Stirn auf ein Minimum zu begrenzen. Den geplanten Reitausflug am nächsten Tag habe ich aufgrund leichter Kopfschmerzen und etwas Schwindel gegen einen „Monkeywalk“ getauscht . Eine sicherlich weise Entscheidung, denn reiten kann ich auch in Deutschland, aber mit kleinen Affen im Busch spazieren gehen, ist bei uns, so weit ich weiß, nicht möglich. Begleitet von Felix, einem jungen Mann aus Arusha machten wir uns auf den Weg über das Farmgelände. Erster Stopp der Kindergarten, der von Eli und Laszlo finanziert wird. Was für ein Unterschied zu der traurigen Masseiveranstaltung von gestern. Ca. 15 Kinder im Alter von 3 -4 Jahren erwarteten uns und „klatschten uns ab“. Besonders der blonde Basti wurde von allen mit großen Augen betrachtet und mit besonderem Spaß begrüßt. Seit meinem Besuch vor einem Jahr haben die Kinder ein richtiges Haus bekommen, in dem sie jetzt vor allem in Naturkunde unterrichtet werden. Ziel der beiden engagierten Lehrer und natürlich auch der Tierärzte Eli und Laszlo ist, bei den Kleinen ein Verständnis für die Tierwelt Tansanias zu wecken und somit einen Beitrag zum Natur- und Umweltschutz zu leisten. Die traurigen Fälle im Tierarztalltag zeigen, dass es damit leider nicht weit her ist. Eulen werden mit Steinen von Dächern geworfen, da sie angeblich Unglück bringen. Wenn die armen Tiere Glück haben, werden sie gefunden und von jemandem auf die Makoafarm gebracht, wo die gebrochenen Flügel und Beine behandelt werden. Für uns die Möglichkeit Adlereulen aus nächster Nähe zu betrachten, zu streicheln und ihre Flugkünste über unseren Köpfen zu bewundern – sie gesund und unbedroht in der Natur zu wissen, wäre aber noch schöner. Der kleine Igel, den wir mittags gefunden haben wurde als Fußball benutzt, ebenso wie eine Schildkröte, deren geplatzter Panzer mit einem speziellen Beton ausgebessert wurde, der mitwachsen soll. Eine kleine Duker Antilope und ein Impala wurden verwaist gefunden, wahrscheinlich landeten ihre Mütter im Kochtopf. Auf ihren Reitsafaris finden Eli und Laszlo immer wieder gewilderte und verletzte Tiere. Die Massai essen zwar keine Wildtiere, aber verkaufen sie wohl und lassen ihre Hunde auf Antilopen und Zebras los. Mit den Kindern soll also der Anfang gemacht werden, den Tansaniern zu vermitteln, welchen Naturschatz sie haben und dass dieser zu bewahren ist. Eine Kooperation mit der Universität von Ohio und dem dortigen Rotary Club ermöglicht eine Weiterbildung von Schuldirektoren und Naturkundelehrern an den weiterführenden Schulen, um auch dort das Thema Naturschutz zu vermitteln. Besonders begabte Schüler können über die Makoafarm die Möglichkeit eines Stipendiums zur Oberschule und Universität bekommen. Die Gelder für ihr Engagement kommen aus den Einnahmen der Reitsafaris und der Farmurlauber, sowie aus einem gemeinnützigen Verein, über den man aus Deutschland auch gegen Spendenquittung die Arbeit unterstützen kann (http://www.kilimanjaro-crew.de). Im Kindergartenhaus wurden die Wände künstlerisch gestalteten zeigen die Tierwelt Ostafrikas. Die Tiernamen sollten von den Kindern auf Englisch verstanden und gezeigt werden. Mit großem Engagement meldeten sich die Kleinen, flitzten durch den Raum und zeigten auf Hyäne, Schakal, Zebra und Co. Genauso lebhaft waren sie bei dem vorherigen englischen Bewegungsspiel, dass sie von ihren hübschen, aus Baumscheiben gefertigten Tischen und Hockern ausführten. Der Besuch war wirklich bewegend und hat uns viel Spaß gemacht.
Das Highlight für die Jungs erwanderten wir uns in 15 Minuten und trafen Sele, den „Affenmann“, der mit 2 kleinen Affen in den Busch gegangen ist, um die Tiere an das freie Leben zu gewöhnen und sie in Kontakt mit wilden Affengruppen zu bringen. Wir wurden vorher eingehend unterwiesen, wie man sich mit den Tieren zu verhalten hat. Die Jungs waren glücklich, wenn sie von den Affen beklettert wurden, Oma war nicht wirklich begeistert, als der Affe ihr die Mütze abnahm und die Frisur neu ordnete. Spielende Affen sind einfach herrlich zu beobachten! Wir spazierten noch

durch die angelegten Bohnen und Maisfelder und kehrten dann auf die Farm zurück. Nach köstlichem Mittagessen ging die ältere Generation zum Nickerchen und die Jungs und ich besuchten weitere Tiere auf der Farm. Die kleinen Hundepatienten, der Sekretärsvogel, der Storch und das Impala, der kleine Igel, die dicken Mangusten und der dreibeinigen Serval (eine kleine Raubkatze), die flugunfähigen Adler, der Pelikan und die frisch operierte Eule, die noch schlummernd in ihrer Box lag. In der Kuhherde, die für frische Milch auf der Farm sorgt, wurde ein Kaffernbüffel integriert, der sich mittlerweile als Kuh fühlt. Als Bibi und Babu ausgeschlafen hatten, wanderten wir noch zur Flughundehöhle. Es ging ganz schön steil durch den Regenwald nach unten, aber wir haben es vor den ersten Regentropfen, und bevor es zu rutschig wird, geschafft. Durch unseren Geruch angelockt, flogen einige Tiere aus der Höhle, um uns Neuankömmlinge zu inspizieren, Hunderte andere blieben an der Decke in dichtem Gewühl hängen. Zurück auf der Farm wurde der Boiler wieder angeheizt, eine warme Dusche war sehr willkommen. Kurz vor der Dunkelheit zeigte sich auch unser „Hausberg“ der Kilimanjaro mal ohne Wolkendecke in seiner ganzen Pracht – es gibt ihn also wirklich! Der Kamin im Wohnzimmer des Farmhauses brannte, Gin Tonic wurde serviert und die Ereignisse des Tages nochmal ausgetauscht. Das Grillhähnchen wurde vor unseren Augen im Kamin zubereitet und die Jungs freuten sich über knackige Pommes. Alle versammelten sich wieder an dem großen Esstisch und genossen Essen und Nachtisch bei Wein und Holunderblütentee. Einfach herrlich!

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk

04.11.17 Abschied im Regen

Die Regenzeit hat unverkennbar angefangen. Schon gestern Abend und Nacht hat es ordentlich geschüttet, sodass der kleine Bach hinter unserem Badezimmerfenster wieder schön rauscht. Auch heute gibt es immer wieder leichte bis heftige Schauer. Reiten fiel bei dem Wetter und dem rutschigen Boden leider aus, sodass ich jetzt Zeit habe auf der überdachten Terrasse zu sitzen und mir einige Fotobände über die Farm und die angebotenen Reitsafaris anzusehen. Es muss ein einmaliges Erlebnis sein mit den Pferden so nah an die Wildtiere heranzukommen und das zum Teil mit Kilimanjaro Blick. Das gesamte Equipment wird den Reitern mit einem Lastwagen hinterhergefahren und sie werden jeden Abend in ihrem Camp mit den geräumigen Zelten und gemütlichen Betten empfangen. In einer mobilen Buschküche wird die Verpflegung zubereitet und der Tag wird in der Natur mit gutem Essen, Lagerfeuer und Gaslaternen beendet. Eines Tages bin ich dabei!
Die Jungs haben ihre tierischen Lieblinge trotz Matsch und Feuchtigkeit besucht und sahen aus wie ein Kunstwerk als sie in unseren Bungalow zurück kamen. Hundepfoten und Affenhandabdrücke auf weißem T-Shirt und beigen Hosen hat auch nicht jeder. Nächstes Mal bringen wir Textilfarben mit und versuchen mal ein Tierspuren T-Shirt zu designen. Was die KLM heute Abend zu den bis oben verdreckten Boots wohl sagen wird? Wenn wir Glück haben trocknet der klebrige Matsch noch ab und wir können etwas davon wieder los werden. Ob ein Ausflug zu den warmen Quellen heute noch realisiert wird, entscheiden wir nach dem Mittagessen. Wenn nicht, schaffen wir es vielleicht am letzten Tag noch, etwas gemeinsam zu spielen – bislang war dafür absolut keine Zeit. Randvoll mit Eindrücken und Erlebnissen werden wir heute in das Flugzeug steigen und uns dann in Amsterdam schweren Herzens voneinander trennen.

Kategorie: Reise Tansania 2017 - northern circuit | von: Martina Volk
1 2