30.01.2019 – Frühstück mit Elefant, Lunch mit Rhino und das Wunder der Geburt oder der perfekte Tag

Stockdunkel war es, als wir um 06:00 Uhr in den Jeep stiegen. Die Rumpelstraße runter bis zur Hauptstraße und dann nach Norden Richtung Ngorongoro. Das Gate zur Conservancy erreichten wir um 06:50 Uhr. Eine gute Stunde später erreichten wir die Abfahrt zum Krater. Vorher stoppten wir am Aussichtspunkt. Auf der einen Seite gibt es die spektakuläre Aussicht in den Krater, auf der anderen Seite ins Tal. Einen weiteren Stop haben wir am Denkmal für Michael und Bernhard Grzimek eingelegt, die soviel für den Tierschutz in Tansania erreicht haben. Das Denkmal wurde von einer Büffelherde „bewacht“, die es umkreist hatten und im hohen Gras fast verschwanden.

Der Weg in den Krater ist schmal und holprig. Von oben sieht man nur Landschaft, eine scheinbar leere Ebene mit Wasser, Sumpf und Gras. Wunderschöne Blumen blühten am Wegesrand und bizarre Bäume ragten in den blitzblauen Himmel.

Je weiter wir runter zum Kraterboden kamen, umso mehr Tiere tauchten wie aus dem Nichts auf. Gazellen, Elan, Thomson und Grand Gazellen, Gnus, Zebras und viele Vögel bevölkerten die saftigen Wiesen. Unsere Frühstücksboxen haben wir auf einem Hügel verzehrt, unser Blick ging auf einen Sumpf, in dem wir mehrere große Elefanten beobachten konnten. Was für ein schöner Ausblick beim Frühstück und wir waren ganz allein mit uns und der Natur, die Jeep Schlangen konnten wir in der Ferne erkennen, wie in Berlin an der Ampel.

Wie wir später „erfahren“ haben, galten die Schlangen einem stattlichen Mähnenlöwen und seinem kleinen Harem, leider in (für unsere Kameras) nicht sehr fotogenem Abstand. Die 2. Schlange entstand durch 3 Nashörner, die am Rande des Kraters aus den Büschen kamen und sich unter die Gnus und Zebras mischten.  Lange standen wir, um ein Gnukalb zu beobachten, dass gerade geboren worden war. 5 Minuten nach der Geburt versuchte es bereits sich aufzurichten. Nach einigen Fehlversuchen und (das müssen wir zugeben) sehr lustig anzusehenden Stürzen, stand es auf seinen langen, dünnen und wackeligen Beinen. Die Mutter fraß einen Teil der Plazenta, auf den Rest freuten sich schon die zahlreichen Geier und Schakale.

Es ist unglaublich, wie schnell so ein Tier, wortwörtlich mitten im Leben steht, nach einer Stunde kann es bereits so schnell wie seine Mutter galoppieren. Muss es auch können, sonst wäre sein Leben schnell wieder vorbei. Das 2. Neugeborene heute war ein Zebra. Als wir es entdeckten stand es bereits auf seinen wackeligen Beinen und vollführte ein Lauftraining, immer um die Mutter herum, die sich erstmal den Bauch vollschlug. Runde pro Runde wurde es sicherer, blieb aber immer ganz nah an der Mutter. Die Zebrakinder haben genauso lange Beine wie ihre Mütter und wenn sie immer nah an der Mutter bleiben, sind sie von den Raubkatzen schwer als Fohlen und somit als leichte Beute erkennbar.

Der Kraterboden ist um diese Jahreszeit mit reichlich saftigem Gras und viel Wasser bedeckt. Kein Wunder, dass sich so viele Pflanzenfresser an diesem Ort, mit paradiesischen Lebensbedingungen sammeln. Und kein Wunder, dass dieses optische Paradies auch so viele Touristen anzieht, die dieses, wenn auch teure Wunder der Natur besuchen. Unsere Mittagspause hatten wir am Hipp Pool geplant, dort aber dann lediglich die Toiletten benutzt. Ich habe über 70 Jeeps gezählt, das war uns eindeutig zu viel. Unser toller Guide startete also den Motor wieder und wir fuhren in die tierärmeren und somit auch weniger befahrenen Gebiete des Kraters. Nach 20 Minuten entdeckte unser „Adleraugen“ Guide ein weiteres Nashorn, das in ca. 400 Metern Entfernung zu einer Wasserstelle lief – wir hatten unseren Ort für unsere Mittagspause gefunden!

Das tolle am Krater ist, dass man eine Vielzahl an unterschiedlichsten Tieren an einem begrenzten Ort erleben kann, aber es erinnert durch seine natürlichen Grenzen, den imposanten Kraterwänden, die dem Fotografen eine tolle Hintergrundkulisse bieten,  an einen Safaripark – die vielen Jeeps erwecken ebenfalls diesen Eindruck. Dennoch ist der Besuch in diesem Weltnaturerbe wunderschön und beeindruckend. Die vielen Tiere, Pflanzenfresser und Vögel, die unglaubliche Landschaft, das Farbenspiel der Wolken auf den grünen Hügeln und Kraterwänden, die Flamingos auf dem See und nicht zuletzt die vielen Kälber und Fohlen der Gnus und Zebras.

Kurz vor der Ausfahrt vom Krater sahen wir dann noch eine Raubkatze ganz nah. Ein Serval, etwas größer als eine Hauskatze zog an uns vorbei – sehr hübsches Muster.

Nur 3 Minuten von der Ausfahrt am Kraterrand lag unser Zeltcamp für diese Nacht – das Angata Tented Camp. 9 Zelte, als Unterkünfte und ein großes als Lounge und Restaurant. Die Männercew freute sich offensichtlich über unseren Besuch, wir waren die einzigen Gäste und dann auch noch alle weiblich und sehr fröhlich. Wir wurden so rührend umsorgt – es war eine reine Freude. Nach dem Sundowner gab es Busch TV, ein Riesen Lagerfeuer, dass uns an dem kalten Abend wärmte. Beim Essen wurde das Zelt geschlossen und unser frierender Heriel bekam einen extra Heizstrahler. Das Essen war super lecker, mit Fisch hatte hier oben in 2.400 Metern keiner gerechnet;-) Die Jungs hatten frische Brötchen und Kuchen für uns gebacken, unsere Betten waren mit dicken zusätzlichen Decken bestückt und die Wärmflasche wärmte unseren Schlafanzug, den wir unbewusst aber schlau schon aufs Bett gelegt hatten. Draußen hatten wir einen fantastischen Sternenhimmel, drinnen war es so dunkel, wie wir es lange nicht erlebt haben. Auch nach längerer Augengewöhnung sahen wir – Nichts! Nada! Niente!