25.08.20 Olduvai – Ngorongoro Krater

Um 07:00 Uhr haben wir uns mit Francis, dem Massai Guide der Lodge zur Morgenrunde getroffen. Es ging von unserem Hügel, auf dem die Olduvai Ndogo Lodge liegt runter, vorbei an einer kleinen Massai Boma, in einen Flusslauf, der nur zu Regenzeiten Wasser führt. Francis erklärte uns einige Heilpflanzen und wofür die Massai sie nutzen. Immer wieder gerne werden auch die verschiedenen Hinterlassenschaften der Tiere analysiert. Die kleinen Köttel sind von den Dikdiks, die größeren von den Giraffen, etwas nierenförmig und noch größer die von den Zebras.


In dem trockenen Flussbett sind die Wasserstellen der Massai, 1-3 Meter tiefe und ebenso breite runde Löcher, aus denen das Grundwasser geschöpft wird. In einer aus Erde gebauten Rinne, wird hier auch das Vieh getränkt. Am Horizont zog eine Giraffenherde (genannt Tower) vorbei und immer wieder kam ein bunt gekleideter Massai ins Bild – was für ein schöner Kontrast in dieser trockenen Steppe.


Francis wusste viel zu erzählen, über die Natur, die uralten Funde menschlicher Überreste in der nahe gelegenen Olduvaischlucht und die andauernden Forschungen hier. Das Museum von Olduvai haben wir nicht aufgesucht, für den Eintrittspreis von $ 35 pro Person hat es wohl auch nicht so viel zu bieten.


Auf dem Rückweg haben wir uns das ältere Olduvai Camp angesehen. Es liegt nicht so weit oben, bietet aber ebenfalls tolle Ausblicke, vor allem von der Aussichtsplattform aus. Die Zelte sind ähnlich, wie das in dem wir die Nacht verbringen durften und im Januar / Februar, wenn die Herden der Migration üblicherweise in diese Gegend kommen, kann man die Tiere direkt an seiner Terrasse vorbei ziehen sehen.


Frühstück gab es gegen 09:00 Uhr in unserer Lodge und dann hieß es schon wieder alle sieben Sachen zusammenpacken. Wir haben uns noch schnell ein weiteres Zelt angeguckt und Fotos gemacht – gestern war es ja schon zu dunkel – bevor es wieder in den Jeep ging.


Sehr lustig und für den armen John eine echte Aufgabe war der Honigkauf bei den Massai Frauen. Wir dachten, es wäre ja ganz gut, die Frauen zu unterstützen und Ihnen was abzukaufen. (Im Nachhinein erklärte John, dass die Frauen das Geld bei ihren Männern abliefern müssen – wir dachten, sie hätten persönlich wenigstens auch was davon). Sobald der Jeep anhielt rannten 15 Frauen los, belagerten das Auto und hielten uns Honig (in alten Plastikgetränkeflaschen) und Schmuck vor die Nasen. John trat in die Verhandlungen ein und versuchte die Frauen (teils mit Babys auf dem Rücken) auf Abstand zu halten. Unmöglich! Immer wieder rief er laut „Corona, Corona, ich habe Corona“, damit sie zurück weichen – keine Chance. Dann ging er auf einen kleinen Hügel und hielt eine Ansprache, der die Frauen wie durch ein Wunder auf Abstand zuhörten. Said hatte vom Autofenster aus den Schmuck gezeigt bekommen, der leider keinen Anklang fand und wir drei Damen amüsierten uns köstlich über die Abwehrversuche unserer beiden Männer. Nach anstrengenden 15 Minuten hatte John unterschiedlichen Frauen insgesamt 6 Flaschen Honig abgenommen und gezahlt und wir konnten weiterfahren. Das war die erste Situation wo Social Distancing nicht wirklich funktionierte;-). Diese Art des aggressiven Verkaufens ist natürlich wenig zielführend, vor Allem in Corona Zeiten, wo man auf Abstand bedacht sein sollte.


Wir fuhren weiter zum Rand des Ngorongoro Kraters. In den Senken, wo die Massai ihr Vieh weiden, sind durch den Regen größere Seen entstanden, die ein ganz anderes Bild von dieser sonst so trockenen Landschaft geben. Am Funkmast kurz vor der Abfahrt in den Krater bogen wir links ab zu unserer nächsten Unterkunft. Unterwegs legten wir unsere Mittagspause ein, mit Blick in den Krater auf der rechten und in die Ndutu Ebenen auf der linken. Aussteigen darf man hier nicht, sodass wir im Auto picknicken mussten. Leider gab es nicht – wie eigentlich bestellt – vegetarische Sandwiches, sondern wieder Eintopf mit den schon ausreichend bekannten kleinen Bohnen, dazu Reis und frische grüne Bohnen. Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob der immer enger werdende Gürtel am zu vielem Essen oder doch an den immer wieder servierten Bohnen liegt;-).
Die Ankunft im Nomad Entamanu Camp war herzlich wie immer bei diesem tollen Unternehmen. Mindestens 10 Mitarbeiter erwarteten uns mit Winken und einem (ich habe es in den Augen gesehen!) strahlenden Lächeln unter den Masken. Nach der mittlerweile in Fleisch und Blut übergegangenen Prozedur des Händewaschens wurden wir in die Lounge des privaten Entamanu Camps geführt.


In dem großen Raum waren kuschelige Sofas und Sitzecken mit schönen Kissen und Schaffellen. Für die kalten Stunden gibt es einen Gaskamin und die Aussicht durch die großen Fenster geht zum Weltnaturerbe Ngorongoro Krater. Im Nebenraum ist das Esszimmer, ebenfalls mit Kamin und Aussicht. Das Gebäude hat einen Zeltcharakter, zwischen den typischen Zeltplanen ist aber eine stabile Dämmung, die Wind und allzu kalte Temperaturen abhält. Alles ist schlicht, aber wunderschön gestaltet und erinnert mich ein bisschen an eine kanadische Berghütte. Das private Camp hat zwei Doppel und zwei Familien „Zelte“, super großzügig und gemütlich mit derselben großartigen Aussicht. Normalerweise kann man nur das gesamte Camp bewohnen, einzelne Zimmer sind nicht buchbar. Aufgrund der minimalen Auslastung durch Corona nutzt Nomad Tanzania die Gelegenheit das Hauptcamp mit seinen sieben Zelten zu renovieren. Diese Zelte sind „richtige“ Safarizelte, sodass sie relativ wind- und temperaturanfällig sind. Das Messtent – also das Zelt mit Restaurant und Lounge konnten wir leider nicht sehen, aber die „Zimmer“ sind ebenso gemütlich und schön, wie im privaten Teil des Camps. Die Aussicht ist hier fast noch etwas schöner, wird allerdings durch die Moskitogaze plus Folie gegen den Wind etwas getrübt. Natürlich gibt es aber auch hier eine Terrasse von der man den Blick in die unglaubliche Kulisse schweifen lassen kann. Wie übrigens auch von der Toilette – Lu with a View!
Mohammed der Campmanager gab uns das obligatorische Briefing für den Aufenthalt im Camp und wir verabredeten uns für einen Sundowner Walk um 16:30 Uhr.


Pünktlich marschierten Bonna, Said und ich in Begleitung eines Massai und eines bewaffneten Rangers los. Es ging bergab durch den dichtbewachsenen Wald. Die blühenden Sträucher sind von unzähligen Bienen bevölkert und wie auch im Camp wird man von einem permanenten Summen begleitet. Nach dem ersten Abstieg ging es über eine trockene Ebene auf der wir in der Ferne einige Giraffen sehen konnten. Auch heute gab es wieder Rätselraten um die Hinterlassenschaft der Tiere: „From which animal ist that poop?“ Ich bin mittlerweile ein richtiger „Poop Experte!“;-) Weiter ging es bergab bis zum direkten Rand des Ngorongoro Kraters, der menschenleer in der Abendsonne unter uns lag – unglaublich schön und ergreifend! Auch wenn man weiß, dass sich da unten ungefähr 25.000 Säugetiere tummeln, sind diese von so weit oben kaum zu sehen und man kann es kaum glauben. Diese Weite und Stille, der Luxus dieses Naturparadies ungestört und alleine genießen zu dürfen macht mich sehr dankbar. Jeder der weiß, wie es sonst im Krater zugeht, kann nachvollziehen, wie besonders es ist, kein Fahrzeug im Krater zu sehen und auch nicht die dadurch entstehenden unzähligen Staubwolken.


Die Sonne ging leider nicht über dem Krater unter, sondern hinter dem Hügel von dem wir gekommen sind. In einem sehr sportlichen Tempo ging es wieder nach oben und als wir die untergehende Sonne erblickten, sahen wir auch den Nomad Jeep und die dahinter vorbereitete Sundowner Bar. Wieder so ein Moment für die Ewigkeit – grandiose Landschaft im Sonnenuntergang, perfekter Service, unterhaltsame Gespräche mit dem Massai und den anderen Mitarbeitern von Nomad und eine Bar, die keine Wünsche offen ließ.


Zurück im Camp haben wir die heiße Dusche genossen und uns in der Lounge getroffen. Ein weiterer Gast war dort – eine Österreicherin, die alleine unterwegs war. Wir haben sie zum Essen an unseren Tisch gebeten und hatten einen wunderbaren, lustigen und informativen Abend. Nach dem köstlichen Essen haben wir uns noch lange mit Mohammed, dem Manager unterhalten – über das Camp, die benachbarten Massai, die sozialen Projekte und , und, und…
Wir hätten noch Stunden sitzen und plaudern können, ein Abend wie bei Freunden. Doch der Wecker in Tansania klingelt früh und die Letzten sind um 23:00 Uhr ins geheizte Zimmer zurück. Die Wärmflasche wartete bereits in dem riesigen kuscheligen Bett, unter uns schlief bereits der Krater – Danke Nomad für diesen wunderbaren Nachmittag und Abend, der uns immer in Erinnerung bleiben wird. Lala Salama – Gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk
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