20.08.20 Serengeti Kogatende

Ein perfekter Morgen auf Safari beginnt mit einem Kaffee oder Tee, der ins Zimmer / Zelt gebracht wird. Im Lamai Serengeti gibt es eine Luke von außen, wo das „Heißgetränk“ reingestellt wird, welches man von der Zimmerseite aus rausnehmen kann.
Heute habe ich den „Corona Tee“ gewählt“ – sehr scharf nach Ingwer, Zimt und Kräutern schmeckend. Die Tansanier glauben, dass damit alles ungesunde vernichtet wird. In der Tat, war der Tee so scharf vom Ingwer, dass ich das Gefühl hatte, es brennt mir den Rachenraum weg – und das noch vor 06:00 Uhr!
Der Ranger von Nomad hat uns begleitet. Gestern hatte ich schon gedacht, dass er mir bekannt vorkam, vor allem der Name Pius und mittags habe ich dann die Fotos gecheckt – Pius hat mich schon auf meiner Walking Safari in Ruaha im Oktober 2019 begleitet. Er arbeitet eigentlich dort, aber aufgrund von Corona, ist das Camp noch geschlossen. Das ist wirklich traurig zu sehen – alle Camps haben kaum Buchungen, normalerweise sollte um diese Jahreszeit fast alles ausgebucht sein.


Unser Morgen verlief spannend, unsere beiden Guides standen über Funk mit einem weiteren Fahrer von Nomad in Verbindung, der mit einem professionellen Fotografen unterwegs war – irgendwas hatten die Beiden bereits entdeckt. Das Gelände hier ist hügelig, es gibt viele Gräben und überall sind größere und kleinere Felsen und große Steine, als hätte ein Riese in seine Kiste gegriffen und die Steine wahllos in die Gegend geworfen. Zwei junge Leoparden kamen uns entgegen, liefen am Auto vorbei und tollten die Wiese herunter. John, unser Fahrer wollte ihnen folgen und „Rumms“! saßen wir fest. Vorwärts, rückwärts, Vierradantrieb – nichts funktionierte. Sofort kam der Nomad Jeep mit dem Fotografen, der die Leoparden nun ziehen lassen musste, zur Hilfe. Von hinten geschoben, von vorne geschoben – nichts. Alle Männer raus aus den Autos und gucken. Abschleppseil angebracht, Abschleppseil gerissen und immer dieses furchtbarre knarrende Geräusch, wenn der Jeep über den Felsen kratzte. Pius suchte jetzt zwei große Steine, auf die das Hinterrad versuchen sollte hochzufahren. Drei Männer dirigierten John vor, zurück, Lenkrad links, Lenkrad rechts und tatsächlich, wir bekamen wieder freie Fahrt. Toll zu sehen, wie die Fahrer zusammenhalten, sobald einer in Not ist, wird geholfen. Und wie schön, dass es doch nicht ganz so einsam in der Serengeti ist.

Nach dem Schreck entdeckten wir noch einen jungen Leoparden auf einem Felsen liegen, der sich geduldig fotografieren und filmen ließ. Ob es einer von den Beiden vorher gesehenen war, kann ich nicht sagen. Meine kleine Lumix Kamera hat leider den Geist aufgegeben – ich fotografiere jetzt nur noch mit dem Handy und habe noch die Videokamera – und verlasse mich auf Saids Fotokünste.


Jetzt war es aber Zeit für´s Frühstück, das auf dem Jeep unter einer Akazie angerichtet wurde. Pius hatte sogar noch Klappstühle für uns mitgenommen und wir genossen ein tolles Frühstück mit Blick auf den Marafluss. Das sind Momente, die man ewig festhalten möchte!
Nachdem wir uns gestärkt hatten ging unsere Pirschfahrt weiter und wir sahen (wie man hier so schön sagt) das Übliche: Zebras, Gnus, Elefanten, Giraffen, unterschiedliche Antilopen, Geier und Hyänen. Die Löwen, der Gebrüll wir die Nacht über gehört haben und an deren Beuteresten sich die Hyänen und Geier vergnügten, bekamen wir nicht zu sehen.
Am Marafluss hatten sich schon einige Jeeps eingefunden, da eine Herde Gnus auf der anderen Flussseite den Eindruck machten diesen queren zu wollen.


Eigentlich geht die Migration jetzt in Richtung Norden nach Kenia in die Massai Mara, diese Gruppe war offensichtlich auf dem Weg zurück nach Süden. Einige kräftige Regenschauer in den letzten Tagen bringen die Tiere wohl durcheinander, die Gnus folgen meist dem Regen und haben ein feines Gespür dafür. Alle Jeeps warteten ein ganzes Stück vom Ufer entfernt, um die Tiere nicht zu verschrecken. Einmal in Bewegung ist die Herde wohl nicht mehr (oder nur schwer) zu Stoppen und die Autos preschen nach vorne, damit die Gäste das Spektakel der Flussquerung sehen können.
Die Gnus wirkten etwas unentschlossen, die Positionen wurden mehrfach gewechselt, aber kein Tier näherte sich dem Mara Fluss, in dem wir die Nilpferde und Krokodile schon erspäht haben.
Nach einer Zeit beschlossen wir nicht länger zu warten und zum Lunch wie verabredet in die Lodge zu fahren. Wir haben uns noch die Familienzimmer angesehen, ein paar Fotos vom Pool gemacht und uns schweren Herzens aus der wunderschönen Lamai Lodge und den herzlichen Mitarbeitern verabschiedet.


Unser erster Stopp war bei den Giraffen, eigentlich nichts Spektakuläres, aber ein jüngerer Bulle, wollte eine ältere Dame beglücken. Ob es seine Unerfahrenheit war oder man als Giraffenbulle einfach größer sein muss entzieht sich meiner Kenntnis. In der halben Stunde wo wir zuschauten, mühte er sich redlich aber ohne Erfolg. Ein älterer Bulle schlenderte vorbei, sah sich das Geschehen aus der Nähe an und spazierte weiter. Wäre er ein Mensch gewesen, hätte er wahrscheinlich den Kopf geschüttelt 😉
Ansonsten gab es auf unserem Weg zu unserer nächsten Unterkunft, der Mara River Post Lodge nichts Besonderes zu sehen, außer natürlich Zebras, Gnus, Gazellen und wunderschöne Landschaft.
Die Mara River Post Lodge ist die letzte Unterkunft im Westen von Kogatene, der nördlichen Serengeti und liegt direkt am Mara Fluss. Von jedem Zelt aus, kam man den Fluss sehen, der hier eine Kehre macht, sodass auf jeder Seite des Hügels 8 Zelte sind, die jeweils über ein eigenes Restaurant verfügen. So kann man größere Gruppen von Individualreisenden trennen und es wirkt persönlicher und privater. Der Pool wird von beiden Seiten genutzt und die dazu gehörende Terrasse bietet fast einen Rundumblick.
Die Zelte sind schön und zweckmäßig eingerichtet, alle haben Blick auf den Mara Fluss und das Solarsystem sorgt für 24 Stunden warmes Wasser und Strom.


Beim Abendessen wurden wir mit einem drei Gängemenue verwöhnt und lauschten unter dem großen Strohdach dem Regen und Gewitter draußen.
Müde fielen wir in unsere Betten, Fransisca und Said in einem Zelt, Bonna und ich in dem daneben. Lala Salama – gute Nacht!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk
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