19.01.2019 – Ol Pejeta – es gibt viel zu tun

Ein herrliches Fleckchen Erde, genau auf dem Äquator auf 1800 Meter Höhe. Von der Terrasse unserer Luxuszeltes gucken wir in die Steppe, rechts von uns der Mount Kenia mit seinen Eisfeldern auf der Spitze. Während es im Samburu sehr heiß und abends immer noch angenehm warm war, sind die Nächte hier ziemlich kühl. Wie schon in den Aberdares lagen Wärmflaschen in den Betten, ein Zelt zu heizen funktioniert ja eher schlecht. Ich fand die Temperatur super, Astrid hat ziemlich gefroren und brauchte morgens um 06:00 – unsere Aufstehenszeit (ich habe nie gesagt, dass Safari Erholungsurlaub ist – zumindest nicht für den Körper, für Geist und Seele kenne ich nichts Besseres) lange, bis sie aufgetaut ist. (Während ich hier schreibe, sitze ich im Wind auf der Terrasse und habe mehrere Zebras, Impalas und Nashörner im Blick – es gibt schlechtere Arbeitsplätze) Für unseren Early Morning Game Drive haben wir uns dick eingemummelt und sehnlichst auf die Sonne gewartet, die noch über den Mount Kenia kommen musste. Eine Nashorn Familie wärmte immerhin unsere Herzen – was für beeindruckende Riesen, die wirken als kommen sie direkt aus der Urzeit. Ich wurde bei dem gesondert gesicherten Bereich der letzten beiden Exemplaren des nördlichen Breitmaulnashorn abgesetzt, hier erwartete mich Samuel und ein gesatteltes Pferd. Ride the wilde heißt das Programm und führte mich erst durch den gesicherten Nashornbereich und von da aus in die Steppe, wo wir gestern Elefanten, Nashörner und Löwen gesehen haben. Auf den Zebra Plains, einer weiten Ebene durften die Pferde mal richtig Gas geben, was sie sichtlich erfreut auch taten. Wie herrlich neben den Zebras galoppieren zu können. Leider ist Samuels Steigbügel gerissen und wir mussten unsere Pferde zügeln. Aus mit Galopp, aber so wird mir ein arger Muskelkater erspart bleiben. Unsere durchgeschwitzten Pferde durften sich im Wasser eines kleinen Dammes abkühlen. Ich wusste nicht was mich erwartete, als Samuel mich fragte, ob es ok für mich ist, wenn wir ins Wasser reiten. Man wir ganz schön nass, wenn das Pferd bis zum Hals im Wasser verschwindet, aber mittlerweile war es wieder angenehm warm und der Wind trocknete die Hosen schnell, das Wasser aus den Schuhen habe ich aber erst im Stall ausgeschüttet. Ein schönes Erinnerungsfoto von mir, dem schönen Pferd (Importware aus Südafrika;-) und Giraffe konnten wir noch kurz vor Ende des 2stündigen Ritts schießen. Zurück am Stall wurden wir von den letzten beiden nördlichen Breitmaulnashörnern begrüßt (schnell noch ein Foto) die sich gerade genüsslich im Schlamm wälzten. Ein drittes Nashorn (südliches Breitmaulnashorn) war mit im großen Bereich und soll den beiden, aus einem Zoo stammenden nördlichen Verwandten beibringen, wie man sich so in der Wildnis verhält. In ganz Ol Pejeta gibt es über 50 Ranger, die mit Autos, Motorrädern und zu Fuß den Busch durchstreifen, die beiden „Raritäten“ werden rund um die Uhr von jeweils 4 Rangern extra bewacht. In Gesprächen mit den Rangern und Pflegern merkt man immer noch die Betroffenheit über Sudans Tod, dem letzten männlichen Vetreter der nördlichen Art. Alle Hoffnung ruht nun auf den Versuchen, mit Sudans konserviertem Erbmaterial Nachkommen zu erzeugen, die von einem südlichen Nashorn ausgetragen werden. Sonst wird die Art in einigen Jahren von der Erde verschwunden sein, wie so viele andere auch. Ein neues Gesetz in Kenia scheint Früchte zu tragen, seit 2 Jahren werden Menschen, die bewaffnet in einem Nationalpark oder Reservat gesehen werden, ohne Vorwarnung erschossen. Während ich reiten war, setzten Jana und Astrid ihren Game Drive fort und trafen auf einen jungen Löwen, der ein Warzenschwein fest im Griff hatte. Der Todeskampf des wörtlich „armen Schweins“ dauerte wohl über 20 Minuten. Als es endlich erlegt war, zerrte es der Löwe die Böschung hoch und verschwand in den Büschen. Nach dem Mittagessen bekamen wir an der Lodge 3 Spitzmaulnashörner zu Besuch. Nachdem sie ihren Durst gestillt und Hautpflege im Matsch betrieben haben, kamen sie ganz nah an den Zaun und wir konnten sie eingehend studieren. Die Unterschiede der Breit- und Spitzmaulnashörner sind auf die Distanz schwer erkennbar, lediglich die Kopf- und vor Allem die Lippenform ist unterschiedlich, die erinnern mich beim Spitzmaulnashorn an eine Schildkröte. Die auf englisch verwirrende Bezeichnung white und black rhino kommt wohl von einem Übermittlungsfehler. Frühe holländische Siedler in Südafrika nannten das Breitmaulnashorn weit rhino (weit für breit), daraus wurde white. In logischer Konsequenz wurden die Spitzmaulvertreter Black genannt. Beide haben aber die gleiche Farbe. Am Verhalten kann man sie besser unterscheiden als am Aussehen, die „Whites“ leben in kleinen Gruppen und fressen Gras, die „Blacks“ sind Einzelgänger und fressen Blätter. Unser Wildnis Ausflug am Nachmittag bescherte uns noch eine Gepardensichtung, leider verschwanden die Beiden bald im hohen Gras, genauso wie eine Löwin, die wir für ca. 15 Minuten begleitet haben, im Dickicht. Nach dem üppigen Abendessen haben wir uns einen Night Drive gegönnt, preislich kein Schnäppchen (wir hoffen, dass die $ 90 pro Person gut investiert werden), aber ein tolles Erlebnis, da der Jeep eine Genehmigung hat, ins Gelände zu fahren und somit die festgelegten Wege verlassen darf. Wir sahen eine große Büffelherde, unzählige Antilopen, Zebras, Hasen, Perlhühner, die auf den offenen Flächen grasten oder was auch immer suchten. Auch Nashörner und einen stattlichen Elefanten bekamen wir zu sehen und zwei wunderschöne Löwenmännchen mit prächtigen Mähnen, so schicke Jungs – wieso waren sie ohne Damenbegleitung? Vier Damen fanden wir 10 Minuten später, vollgefressen und müde lagen sie auf einem Erdwall und schafften es gerade mal die Augenlider zu bewegen – mehr war nicht drin. Highlight, auch für unsere Fahrer, war die Sichtung einer Streifenhyäne, die in einem Graben vor sich hindöste. Netterweise stand sie wenigstens für uns auf und zeigte sich in ganzer Schönheit, ja Hyänen können auch schön sein! Ein sehr langer Tag ging zu Ende, durchgefroren freuten wir uns auf unser Bett, dass bereits von den Wärmflaschen vorgeheizt war.