09.11.2019 Selous und Umgebung

05:45 Uhr, der Wecker klingelt und draußen dämmert es bereits. Ein schneller Kaffee und ein Keks und dann galt es sich auch schon an der Rezeption einzufinden. Ich hatte mich zum Bushwalk angemeldet, ein englisches Ehepaar ebenso (ah! die Briten sind noch in der EU – ich habe seit fast 3 Wochen keine Weltnachrichten mehr mitbekommen;-). Begleitet wurden wir von einem Mitarbeiter der Lodge und einer älteren, sehr gemütlichen „Rangerin“, die mit ihrem Gewehr unseren kleinen Trupp anführen sollte. Mit dem offenen Safari Jeep fuhren wir zum nahegelegenen Airstrip direkt am Mtmere Gate und wurden dort in die Wildnis entlassen. Unser Walk erinnerte an die Achtsamkeitsspaziergänge, die in meiner Nachbarschaft von dem Buddhistischen Haus angeboten werden. Schlendern ist flott dagegen;-) In den 2,5 Stunden Walk haben wir gefühlt einen Kilometer zurückgelegt, es hätte trotz der schwülen Wärme ruhig etwas sportiver sein können. Unser Guide aber hatte ein großes Wissen und konnte alle Fragen beantworten. Da meine beiden Begleiter noch keinen Spaziergang im ostafrikanischen Busch gemacht hatten, gab es viele Fragen und sie freuten sich über die ausführlichen Antworten. Ein Regenschauer zwang uns zu einer Pause unter einem großen Baum, die telefonisch angeforderten und gelieferten leuchtend gelben Regenjacken brauchten wir aber nicht – so blieb unsere „Kükenprozession“ den Tieren erspart;-). Ich erfreute mich an der Landschaft und den Tieren und konzentrierte mich darauf, dass meine Schuhe nicht allzu nass wurden. Was bin ich froh über meine hohen Lederboots, die anderen waren in flachen Turnschuhen unterwegs, bei dem Wetter schwierig.

Zurück in der Lodge haben wir erstmal gefrühstückt, Fransisca hatte früh schon etwas gearbeitet und nach einer guten Stunde waren wir soweit das Camp mit gepackten Taschen wieder zu verlassen. Unser Jeep aber nicht. Fransisca hatte ja extra den neuen Jeep für die Tour gewählt, um die Schwachstellen aufzuspüren und eine Weitere ist jetzt das Schloß des Kofferraums. Auch nach vielen Versuchen wollte das Schloss einfach nicht mehr schließen und wir haben die Taschen im Innenraum verstaut und die Tür von innen zugebunden. Die Firma, die den Toyota umgebaut hat, bekommt noch einiges zu tun…

Jetzt ging es also endlich los auf den River Circuit entlang des Flusses. Nach einiger Zeit kehrten wir um, Tiere gab es keine zu sehen und der Weg war vom Regen so durchgeweicht und teils unter Wasser, dass wir kein Risiko eingehen wollten. Einer der Fahrer hatte Heriel erzählt, dass am Vortag ein Jeep steckengeblieben ist. Nach der vielen Fahrerei war bei uns auch irgendwie die Luft raus und wir beschlossen, noch einige Unterkünfte außerhalb des Parks zu besichtigen.

Mein Fazit nach dem Besuch des Selous: Riesiger Park, der leider noch nicht sehr erschlossen ist. Tiersichtungen sind in der Regenzeit Glücksache und brauchen Zeit, Geduld und einen ortskundigen Fahrer. Alles 3 hatten wir (außer gestern mit den Wildhunden) nicht, aber wir waren ja auch nicht zum Tiere gucken hier, sondern um Fahrtwege, Unterkünfte und deren Angebote und Safarimöglichkeiten zu erkunden. Am Gate folgte wieder der längere Smalltalk, bei dem man auch immer etwas Wissenswertes erfährt. Gegen 12 Uhr waren wir aus dem Park und schauten nach den Hinweisschildern zu den unterschiedlichen Camps und Lodges. Mittlerweile goss es wieder wie aus Eimern und manche Zufahrt stand komplett unter Wasser, die haben wir dann eben nicht besucht – „Hakuna Matata“. Wie gesagt, wir waren nach 2,5 Wochen und über 4000 Kilometern im Jeep mittlerweile ein bisschen auf Sicherheit bedacht – der „Stallgeruch“ kam näher und jeder freute sich auf zuhause. Steckenbleiben oder einen abgesoffenen Motor war das letzte was wir jetzt noch gebrauchen konnten.

In der Kinga Lodge blieben wir zum Mittagessen – sehr lecker und toll angerichtet. Der große Lounge- und Restaurantbereich ist sehr geschmackvoll mit lokalen Stoffen und ausgefallenen Tischen gestaltet. Die Bandas sind einfach, aber mit gutem Standard, leider zum großen Teil mit Blick in den Garten und ich auf den mächtigen Fluss. Ein kleiner Pool steht auch zur Verfügung bei dem schwülen Wetter sicherlich sehr angenehm.

Wir selber sind im Selous River Camp abgestiegen und haben die Familien „Mudhut“ mit 2 Schlafzimmern direkt neben dem Pool- / Restaurantbereich bekommen. Vor der Lehmhütte gab es eine kleine Terrasse mit Liegestühlen und ein Sofa mit dicken Kissen – leider alles nass. Innen hätten wir uns etwas mehr erwartet. Die Zimmer waren sehr einfach, in meinem gab es immerhin einen kleinen Tisch fürs Gepäck und einen Stuhl, bei Fransisca gab es nur einen Stuhl und 2 Betten. Die Fenster sind mit Mückengaze versehen, leider an den Rändern nicht schließend und alle möglichen Mitbewohner waren schon vor uns da. Mehrere Geckos (stören nicht, fressen ja immerhin Mücken), ein Tausendfüßler und alles mögliche fliegende Kleingetier. Gut dass es Moskitonetze gab, die allerdings mal eine Wäsche vertragen hätten. Die Dusche war warm, das Waschbecken viel zu klein für eine Wäsche zwischendurch, aber bei einem mehrtägigen Aufenthalt kann man günstig Wäsche zum Waschen abgeben. Es hätte etwas sauberer sein können, meine Mama würde sagen: „Kein Wunder wenn nur Männer putzen, die haben kein Auge dafür und putzen runde Ecken.“ Alle Hütten sind am Fluß entlang gebaut und haben je nach Vegetation einen schönen Blick zum Rufiji. Bar, Restaurant und Pool sind einfach aber geschmackvoll gestaltet.

Ich habe Fransisca zu einer Bootsfahrt auf dem Rufiji überreden können, die uns vom Camp angeboten wurde. Obwohl sie Angst hatte vom Krokodil gefressen, oder von einem Nilpferd gekentert zu werden, ist sie tapfer mit mir ins Boot gestiegen, hat sich strategisch klug genau in die Mitte gesetzt und die Fahrt nach kurzer Zeit sichtlich genossen – geht doch!

Der Rufiji hatte eine ordentliche Strömung und der kleine Dieselmotor musste ganz schön kämpfen flußaufwärts. Am Ufer der kleinen Inseln im Flussbett nisten viele gelbe Webervögel und wir konnten sie bei ihrem kunstvollen Nestbau beobachten. Eisvögel (schwarz weiß und bunte), Colobus Affen (die schwarz weißen mit den ernsten Gesichtern), Nilpferde und Krokodile ganz, ganz nah. Der Himmel bildete spektakuläre Wolken, blieb aber erfreulicherweise trocken und die Natur um uns herum war weit und schön. Der Fahrtwind ließ die Temperaturen besser ertragen, unser Kapitän und Guide war sehr aufmerksam und wusste viel Wissenswertes zu erzählen. Wenn es jetzt noch einen leisen Elektromotor geben würde, wäre es perfekt gewesen;-)

Den Sonnenuntergang über der gegenüberliegenden Flussseite konnten wir vom Pool aus genießen – schön!

18:30 Uhr war eigentlich eine gute Zeit für ein Glas Wein. Also ab zur Bar und dort ein bisschen arbeiten. Dort traf ich auf andere „Muzungus“ (Fremde) und habe mich mit dem Paar aus Norwegen unterhalten, schreiben kann ich auch morgen noch – ich bin angekommen im Pole Pole Rythmus;-)

Auch beim Abendessen haben wir uns dann zu viert an den Tisch gesetzt, weitere Gäste waren nicht anwesend und uns über Tansania und Lebensgeschichten ausgetauscht. Immer wieder spannend, was für Geschichten man begegnet, ich könnte noch viel erzählen, hätte ich die Zeit dazu.

Wir kehrten zu unserer „Mudhut“ zurück und versuchten beim Öffnen der Türe keinen der Geckos, Falter oder sonstigem Kleingetier Einlass zu gewähren, war ja schon genug los in der Hütte. (Draußen flogen übrigens Glühwürmchen – ewig nicht gesehen.) Die Moskitonetze waren bereits unten und die Luft innen drin schien sauber zu sein. Also ab ins Bett, eine Runde schwitzen und hoffentlich bald einschlafen. Lala Salama!

Kategorie: Aktueller Reiseblog | von: Martina Volk
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