02.02.2019 – Geschüttelt nicht gerührt

Heute ist Schluss mit Safari, wir brechen früh morgens auf in Richtung Natron See. 273 Kilometer hatten wir zu bewältigen – in Deutschland würde man großzügig 3 Stunden rechnen. Aber die kurze Kolonialzeit in der die Deutschen in Deutsch Ostafrika regiert haben, haben den Straßenbau nicht vorangetrieben;-) Die ersten 80 Kilometer durch die Serengeti waren natürlich etwas ruckelig, aber nichts im Vergleich zu dem, was uns noch erwartete. Bis zum Kleins Gate brauchten wir ungefähr 2, 5 Stunden, wir hielten aber auch mal bei ein paar Antilopen in der Morgensonne oder einer Elefantenherde. Nach dem Park ging es über die Dörfer, wieder wurde ständig gewunken und das Jambo, Jambo der Kinder drang fröhlich zu uns. Die Antilopenherden wurden jetzt durch Rinder, Ziegen und Schafe ersetzt, die grasend durchs Land zogen und von den farbenfroh gekleideten Hirten begleitet wurden. Es war Samstag und somit Waschtag. Kinder wurden am Wegesrand gebadet, und die Buntwäsche lag auf den Sträuchern zum Trocknen, fast so wie zu Hause und doch so anders ohne Strom und fliessend Wasser. Eine zeitlang sind wir mit einem anderen Jeep mit französischen Gästen gefahren, eigentlich ein beruhigendes Gefühl, sich gegenseitig Hilfe leisten zu können auf der unwegsamen Strecke. Leider bekam der andere Jeep technische Probleme und musste dann eine „Werkstatt“ ansteuern und wir reisten alleine weiter. Immer wieder ändern sich die Landschaften. Losgefahren sind wir in den weiten Ebenen der Serengeti – die blühenden hohen Gräser erinnerten an die großen Kornfelder in Mecklenburg, Richtung Lobo wird die Serengeti hügeliger, große runde Steine liegen herum, wie von Obelix gekegelt, das Gras ist saftig grün, vereinzelte Baumgruppen – ein bisschen wie in der Uckermark.

Je weiter wir fuhren, umso wärmer wurde es und die karge, steinige Landschaft mit den vereinzelten Dornbüschen und kleinen Bäumen, kam uns spanisch vor – genauso sieht es im Inneren von Mallorca oder dem trockenen spanischen Festland im Sommer aus. Immer wilder wurde die von Vulkanen geformte Landschaft und die Fahrtwege – von Straßen oder auch Wegen konnte man irgendwann gar nicht mehr sprechen. Eine ganze Zeit sind wir an einem neuen Straßenprojekt entlang gefahren. In ca. 6 Jahren kann man dann auf einer Asphaltstraße von Mto wa Mbu (am Manyara Nationalpark) in den Norden fahren, ab dann wird es hier mit der Ruhe vorbei sein, denn bislang finden nur wenige Touristen den Weg zu diesem Naturphänomen.

Auf dieser Strecke, die für den Jeep schon herausfordernd ist, von unserem super Fahrer Heriel aber bravourös gemeistert wurde, sahen wir dann tatsächlich einen Linienbus. Komisch, wieso hatte der eine Reifenpanne? Nachdem wir weiter fuhren, wussten wir warum – das ein Bus diese Strecke bewältigen kann ist für mich absolut unverständlich. Tiefe Furten von den Wasserläufen der Regenzeit, Geröll und große Steine, ein Weg war gar nicht mehr erkennbar – wir befanden uns auf der Abfahrt in´s Rift Valley, dem großen Grabenbruch, wo Afrika auseinander driftet.

Es ist sehr heiß und alles sieht trocken aus – wie kommen Menschen auf die Idee hier zu leben? Wenn man genau hinschaut, sieht man immer wieder grüne Oasen, wo Mensch und Tier Wasser finden, das aus dem vulkanischen Stein kommt und in kleinen Bächen ins Tal fließt. Eine große Herde Esel auf der einen Seite und eine Rinderherde auf der anderen, zog durch die staubige Landschaft zur Wasserquelle, eine ganz, ganz andere Welt. Dazu schroffe Felsen und der von den Massei als heiliger Berg verehrte Ol Donyo Lengai, der eine perfekte Kegelform hat. Der Blick in den Natronsee ist fast unwirklich, durch den hohen Natrongehalt wächst an seinem Ufer nichts und die getrocknete Salzschicht auf den Schwemmebenen leuchtet weiß in der Sonne. Daneben der schwarze, feine Lavasand und weiter in der Ferne grüne Bäume und Sträucher. Nach 7 Stunden erreichten wir endlich unser Ziel, wir waren so durchgeschüttelt, dass keine Verspannungen mehr im Körper sind, aber Heriel bekräftige, dass er ganz ruhige Hände  hat, obwohl er 7 Stunden lang das ruckelnde Lenkrad festgehalten hat.

Unsere Unterkunft, die Massai Giraffe Lode liegt in der Ebene vor dem Natronsee auf einem weitläufigen Grundstück mit jetzt vertrocknetem Gras. 9 Unterkünfte in 3 kleinen Bungalows und die Möglichkeit zu campen, ein Pool (mit ziemlich viel Pflanzendreck), ein großes, rundes mit Stroh gedecktes Restaurant/Bargebäude, in dem man die Mittagshitze ganz gut aushalten kann, an den offenen Seiten zieht der Wind durch. Die zahlreichen spatzenähnlichen Vögel finden den Platz ebenfalls super, sodass wir aufpassen müssen, wo man sich jetzt hinsetzt, um nicht von Vogelkacka getroffen zu werden. Leben in und mit der Natur halt.

Für abends war Grillen nach Massai Art geplant. 1,5 Stunden bevor sie auf unseren Tellern landete, kam die sprichwörtliche Zicke am Strick noch an uns vorbei. Das Schlachtritual fand netterweise hinter einem Busch statt (wir hätten auch zuschauen können), aber es ging recht schnell. Meiner Meinung nach für die Tiere besser, als bei uns erstmal auf den LKW verladen und zur Schlachterei gefahren zu werden. Ruck zuck wurde das Tier enthäutet und zerlegt und an Stöcken am Lagerfeuer gegrillt. Um die Garzeit zu überbrücken tanzten und sangen 10 junge Massai. Nach einigen Vorstellungen, die ich in Lodges gesehen habe, um die Touristen zu unterhalten, wirkte es hier natürlich und die Jungs hatten offensichtlich Spaß dabei.

Müde und satt spazierten wir über die große „Wiese“ zu unserem Bungalow und bewunderten den unglaublichen Sternenhimmel in dieser (ich glaube) Neumondnacht. Die Milchstraße schien direkt auf uns herabzufallen – wunderschön!

In unserem Zimmer, erwartete uns eine Überraschung. Die Insektennetze an den Fenstern haben eher einen dekorativen Charakter, sobald das Licht anging, begann das große Flattern. Eine riesige Heuschrecke saß auf einem der Mückennetze und viele kleinere Grashüpfer, Minikäfer und sonstiges Getier hüpfte und flog durchs Zimmer. Schnell alle Lichter wieder aus, aber dann konzentrierte sich alles auf die eine Quelle, die unsere Taschenlampen und Minilichter warfen. Als ich den Wecker auf dem Handy stellen wollte, soll ich wie Rumpelstilzchen gehüpft sein, so viel fliegendes Gewusel war um mich rum. Schnell unter das Mückennetz geflüchtet und die Ohrenstöpsel rein, dann hört man das klack, klack der hüpfenden Grashüpfer nicht so. Puh, geschafft, aber immer noch so heiß, aber trotzdem gut geschlafen.